Ausflugs-Tipp

Vom „Sozialistenfriedhof“ zum Rathaus Lichtenberg

Der Bezirk Lichtenberg ist viel schöner als mancher denkt – das beweist dieser Spaziergang.

Wenn der Hinweistafel am Eingang zum Landschaftspark Herzberge zu trauen ist, handelt es sich hier um grasende Exemplare der selten gewordenen Rauhwolligen Pommerschen Landschafe, die hier seit 2009 angesiedelt sind. Im Hintergrund der Bus- und Straßenbahnhof der BVG.

Wenn der Hinweistafel am Eingang zum Landschaftspark Herzberge zu trauen ist, handelt es sich hier um grasende Exemplare der selten gewordenen Rauhwolligen Pommerschen Landschafe, die hier seit 2009 angesiedelt sind. Im Hintergrund der Bus- und Straßenbahnhof der BVG.

Foto: Martin Schwarz

Berlin. Vom betriebsamen S- und U-Bahnhof Lichtenberg führt in nördlicher Richtung ein Weg unter der viel befahrenen Frankfurter Allee hindurch zur überraschend beschaulichen Gudrunstraße. Der Weg rechts leicht bergauf ist jener, den alljährlich viele Menschen immer am 14. Januar gehen, um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu gedenken. 2019 war hier besonders viel los, es war der 100. Jahrestag der Ermordung von Luxemburg und Liebknecht. Und genau dort zieht es uns nun hin: zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde, auch „Sozialistenfriedhof“ genannt, und seiner kreisförmig angelegten „Gedenkstätte der Sozialisten“.

Der Haupteingang befindet sich am Ende der Gudrunstraße, von Weitem sieht man schon den ­Sockel mit der Aufschrift „Die Toten mahnen uns“. Direkt um den Sockel herum sind nicht nur DDR-Größen wie Walter ­Ulbricht oder Wilhelm Pieck bestattet, sondern auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Sie werden außen umringt von Grabstellen prominenter Linker wie etwa Friedrich Wolf. Er war Arzt, Dramatiker – und Vater des Filmregisseurs Konrad Wolf sowie von Markus Wolf, Leiter des Auslandsnachrichtendienstes der DDR.

Unter den Künstlergräbern befindet sich auch Käthe Kollwitz

Wir kehren nun zurück zum Eingang und benutzen den ersten Weg rechts hinein in den Friedhof, der am 21. Mai 1881 eröffnet wurde. Nach der Beisetzung Wilhelm Liebknechts, dem Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) entwickelte er sich ab 1900 zum bevorzugten Begräbnisort prominenter Vertreter der Arbeiterbewegung.

Nach einigen Dutzend Metern weist ein Schild nach links zu den Künstlergräbern. Und dort liegt sie am Ende links: die große Käthe Kollwitz, Grafikerin, Malerin und Bildhauerin. Eine vergrößerte Version ihrer Pietà „Mutter mit totem Sohn“ steht in der Neuen Wache unter den Linden. Es geht zurück zum etwas größeren Weg und dann nach links. Wenn rechts ein graues Gebäude auftaucht, führt der Weg an ihm vorbei hin zum östlichsten Weg des Friedhofs.

Hier steht in der Nähe von ­einigen säulenartigen Grabmalen auch das ehemalige Kolumbarium. Wir gehen nun links und immer geradeaus, bewegen uns fortan am Friedhofszaun entlang. Nach zwei Linkskurven kommt ein Ausgang, hinter dem sich dem Spaziergänger eine große Grünfläche eröffnet, die mit einer Erklärungstafel eingeführt wird: der Landschaftspark Herzberge. Hier kann man nun wunderbar die Gegend erkunden, wir aber halten uns links. Rechter Hand befindet sich eine Schule und das Evangelische Krankenhaus Königin Elisabeth. Nach etwa 600 Metern geht ein weiterer schöner Weg Richtung Süden. Schafe grasen hier, im Hintergrund Gebäude der BVG.

Der Stadtpark Lichtenberg ist eine Erkundung wert

Die Gotlindestraße ist nun erreicht. Ihr folgen wir nach rechts durch ein ansehnliches, ruhiges Wohngebiet, bis die Straße in die Ruschestraße mündet. Rechts und gleich wieder links geht es in die Rudnikstraße und über die große Möllendorffstraße hinweg in die Kielblockstraße. Wir haben nun den Stadtpark Lichtenberg erreicht.

Es taucht ein hübscher Weiher auf, im Wasser lässt sich ein Fischreiher nicht von den Spaziergängern aus der Ruhe bringen. Den Teich umrunden wir nach rechts gehend. Der schöne Park mit dem angrenzenden „Stadion 1. Mai“, einem Spiel- und einem Grillplatz, lädt zur Erkundung ein. Am nordwestlichsten Zipfel des Parks steht das Kulturzentrum „Villa Juiosum“. Unser Weg führt nach Umrunden des Teichs Richtung Süden, wo bald das beeindruckende Gebäude des Theaters an der Parkaue auftaucht, eines der führenden Kinder- und Jugendtheater der Stadt.

1911 als „Höhere Knabenschule“ errichtet, mutierte das Gebäude 1948 zum Haus der jungen Pioniere“, ein Kulturzentrum für Kinder und Jugendliche, darin integriert das „Theater der Freundschaft“. Das Thea­ter wird bis 2023 komplett ­saniert.

Die Straße Parkaue führt nach rechts zur Möllendorffstraße. Schräg gegenüber tut sich der imposante, neogotische Backsteinbau des Rathauses Lichtenberg auf. Der ist ebenso eine Inspizierung wert wie der angrenzende Rathauspark. Über den kommt man Richtung Süden zum S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee, wo unser Spaziergang endet.

Ausflugs-Info

  • Revolutionsdenkmal Am nordwestlichsten Zipfel des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde stand einst das Revolutionsdenkmal. Es wurde 1926 zu Ehren der KPD-Führer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht errichtet, Architekt war kein Geringerer als Ludwig Mies van der Rohe. Er baute 42 Jahre später die epochale Neue Nationalgalerie an der Potsdamer Straße. Die Nazis beschädigten den Bau schon ab 1933 und trugen ihn schließlich 1935 bis auf das Fundament ab. Obwohl ein Nachbau immer wieder erwogen wurde, steht hier heute nur noch ein Erinnerungsmal.
  • Landschaftspark Herzberge Bis 2007 gab es hier nur Brach-, Industrie- und Weideflächen. Dann wurde begonnen, das rund 100 Hektar große Gelände zu einem Politprojekt mit „Urbaner Landwirtschaft“ umzugestalten. Heute weisen diverse Erklärungstafeln auf die vielseitige Nutzung des Areals hin. Seit 2019 ist der Landschaftspark Herzberge offiziell ein Landschaftsschutzgebiet. Informationen unter www.agrar-boerse-ev.de/standorte-projekte/lichtenberg/lsg-herzberge
  • Der Nibelungenkiez Kieze gibt es in Berlin ja zuhauf. Doch nur wenige können mit so illustren Straßennamen protzen wie der Nibelungenkiez in Lichtenberg. Und da ist es doch logisch, dass die größte der zugehörigen Straßen die Siegfriedstraße ist, sie kreuzt die Rüdiger- und die Freiastraße, und eine Wotanstraße gibt es ebenso wie eine Hagen- und Gunterstraße. Und natürlich den Nibelungenring. Mit den Nibelungen hat Waldemar Atzpodien aber nichts zu tun. Nach dem Lichtenberger Kommunalpolitiker ist die Straße im Kiez benannt. In der direkt benachbarten Ruschestraße befindet sich das leider derzeit geschlossene Stasi-­Museum, die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. Mehr unter www.stasimuseum.de.
  • Wegstrecke und Dauer Für die rund 6,5 Kilometer lange Strecke sollte man um die drei Stunden einplanen. Wer den Zentralfriedhof Friedrichsfelde oder den Stadtpark Lichtenberg genauer erkunden möchte, braucht dann ­entsprechend länger.