Neu-Hohenschönhausen

Linden-Center: Kaufhof-Auszug als Chance zum Neuanfang

Die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale im Linden-Center in Neu-Hohenschönhausen soll endgültig schließen. Droht nun Leerstand?

Rund um das Linden-Center am Prerower Platz soll nach dem Auszug von Karstadt Kaufhof ein urbanes Zentrum entstehen. 

Rund um das Linden-Center am Prerower Platz soll nach dem Auszug von Karstadt Kaufhof ein urbanes Zentrum entstehen. 

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Services

Berlin. Die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale im Linden-Center soll endgültig schließen. Das ist seit spätestens Ende Juli beschlossene Sache. Doch die Filiale ist im Stadtteil ein wichtiger Anlaufpunkt gewesen, hat Besucher auch über die Grenzen von Neu-Hohenschönhausen hinaus angezogen. Center-Manager Michael Dittrich will die über 7500 Quadratmeter große Fläche nun neu strukturieren.

Denn wenn Galeria Kaufhof am 17. Oktober endgültig schließt, fürchtet er den Domino-Effekt, der oftmals eintritt, wenn Ankermieter aus großen Einkaufszentren ausziehen: Die anderen, kleineren Geschäfte erleiden wegen der ausbleibenden Käufer häufig Umsatzeinbußen und müssen unter Umständen ebenfalls ausziehen. Es droht Leerstand – und die Shoppingmall verliert weiter an Attraktivität für die Kunden. Eine Abwärtsspirale.

Das will Dittrich auf jeden Fall vermeiden. Zumal das Linden-Center kein reines Shoppingcenter, sondern eher ein Nahversorgungscenter sei. Denn: Über 80 Prozent der Centerbesucher seien Stammkunden. „Die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filiale hat sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt“, sagt Dittrich. „Wir hatten enormen Besucherzuwachs auch aus Brandenburg.“

Daher soll das Sortiment thematisch aufgefangen werden. Glas- und Porzellanwaren, Mode und Sportartikel sollen weiterhin im Linden-Center verkauft werden. Dafür wolle man die drei Etagen aufteilen. Das sei mit erheblichem Bauaufwand verbunden, kündigt Dittrich an. „Wir müssen neue Fluchtwege und Treppenhäuser anlegen und vor allem die Rolltreppen abbauen.“ Wenn alles gut läuft, rechnet Dittrich damit, dass 2023 neue Geschäfte eingezogen sind. Neben Einzelhandel soll in den ehemaligen Büro- und Lagerräumen von Galeria Karstadt Kaufhof ein Ärztezentrum entstehen.

Alle 51 Mitarbeiter konnten inzwischen vermittelt werden

Ein großes Problem konnte dabei bereits gelöst werden: Die Mitarbeiter werden nicht arbeitslos. „Alle 51 Mitarbeiter konnten vermittelt werden und werden in anderen Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen arbeiten“, sagt Ines Schmidt, Abgeordnete aus Neu-Hohenschönhausen (Linke), auf der Fraktionssitzung der Linkspartei am Dienstag. Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) hatte kürzlich vorgeschlagen, die ehemaligen Galeria-Karstadt-Kaufhof-Mitarbeiter in Bürgerämtern zu beschäftigen. Dort gebe es Bedarf an Mitarbeitern und die Verkäufer seien den Umgang mit Kunden ja seit Jahren gewöhnt. Die Idee hatte Grunst Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) vorgeschlagen. „Ich habe aber nie eine Antwort bekommen“, sagt er.

Die Filiale im Stadtrand ist nicht die einzige, die von einer Schließung bedroht ist. Erst kürzlich wurde die Schließung der Karstadt- Sports-Filiale am Zoo bekannt. Galeria Karstadt Kaufhof hatte im Juni die Schließung mehrere Filialen angekündigt. 62 von 172 Filialen sollten deutschlandweit schließen. Auch in Berlin waren sieben Filialen von der Schließung bedroht. Doch nach aktuellem Stand sollen in Berlin nur noch die Filiale in den Neuköllner Gropius-Passagen, Karstadt Sports im Kranzler Eck und eben jene im Linden-Center schließen.

In Hohenschönhausen gilt es nun vor allem, den Standort zu sichern. Denn der Prerower Platz, auf dem das Linden-Center steht, ist schon jetzt wenig attraktiv, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke). „Es gibt hier kein Stadtteilzentrum.“ Daher soll der Prerower Platz zum einheitlichen urbanen Zentrum umgestaltet werden, in das das Linden-Center und das bestehende Kino integriert werden soll.

Neuer Angelpunkt soll ein eigenes Kultur- und Bildungszentrum, KUBIZ genannt, werden. Anstoß dafür gab der ungünstige Standort der örtlichen Bibliothek. Diese befinde sich auf Mietflächen im Linden-Center, wofür das Land Berlin jedes Jahr viel Geld zahle, sagt Monika Kuhnert, die das Projekt Urbanes Zentrum koordiniert. „Der Bezirk hat sich daher überlegt, eine Bibliothek zu bauen, die den heutigen Ansprüchen entspricht.“ Diese neue Bibliothek soll mit anderen kommunalen Einrichtungen in das KUBIZ einziehen. Bürgeramt, Beratungsstellen und ein Trauzimmer sollen ebenfalls entstehen, sagt Grunst. „Das Standesamt in Hohenschönhausen ist nämlich wirklich nicht schön.“ Die Finanzierung des Zentrums ist aber noch nicht final geklärt.

100.000 Quadratmeter bebaubare Fläche gebe es am Prerower Platz, sagt Kuhnert. Neben Verwaltungsgebäuden sollen hier daher vor allem weitere Wohnungen entstehen. „Das Augenmerk soll jedoch auf Sonderwohnformen liegen: Wohngemeinschaften für ältere Menschen, Jugendlichen oder Menschen, die etwa Suchthilfe in Anspruch nehmen.“

Aktuell läuft online auf mein.berlin.de ein Beteiligungsverfahren, bei dem noch bis zum 25. Oktober über die neue Nutzung abgestimmt werden kann. Am 3. November soll dann eine Bürgerversammlung stattfinden.