Hohenschönhausen

Bezirke: Keine Informationen zu Sanierung von Straßen

In Berlin sind etliche Straßen sanierungsbedürftig. Doch wann welche Straßen zuletzt saniert wurden, wissen die Bezirksämter gar nicht.

In Hohenschönhausen sind einige Straßen sanierungsbedürftig. Auch die Strausberger Straße weist erhebliche Unebenheiten auf.

In Hohenschönhausen sind einige Straßen sanierungsbedürftig. Auch die Strausberger Straße weist erhebliche Unebenheiten auf.

Foto: Julia Hubernagel

Berlin. Das Straßenpflaster Hohenschönhausens ist vielerorts arg mitgenommen. Schlaglöcher, Teer-Hügel und unsanfte Übergänge zwischen altem Kopfsteinpflaster und neuerem Asphalt sind beim Autofahren deutlich zu spüren. „Manche Straßen hier sind schlechter als auf dem Land“, sagt Anwohner Mario Jamrosche. „Und die Gehwege auch: Ich sehe oft ältere Menschen, die mit ihren Rollatoren kaum über die Steine kommen.“

Auch die Lichtenberger CDU-Fraktion sieht den Zustand von einigen Straßen in Hohenschönhausen kritisch. Weil die Suermondtstraße zeitweilig gesperrt war, fuhren die Autofahrer stattdessen durch die Elsastraße. „Deren übermäßige Nutzung aufgrund der Umleitung führte zu einem katastrophalen Zustand von Kreuzung und Fahrbahn“, so die verkehrspolitische Sprecherin Heike Wessoly. Auch rund um die Strausberger Straße und die Goeckestraße sei der Zustand schlecht, weiß Mario Jamrosche zu berichten. „Die Straßen wurden sicherlich seit dem Krieg nicht mehr saniert.“

Lediglich Vermutungen über das Alter der Straßen

Nachgefragt beim Lichtenberger Bezirksamt: Wie lange ist die letzte Sanierung der Straßen in Hohenschönhausen her? Das sei nicht bekannt, sagt Marc Kamin, Referent des Verkehrsstadtrats Martin Schaefer (CDU). „Die letzte Instandsetzung beider Straßen, sofern es überhaupt je eine gegeben hat, war lange vor 1990 und wäre somit dann nicht mehr aktenkundlich belegt.“ Lediglich Vermutungen könne man anstellen: So seien die Häuser in der Goeckestraße und in einem Abschnitt der Strausberger Straße Vorkriegsbauten „und von damals stammt vermutlich auch die Fahrbahnbefestigung“, so Kamin weiter. Die Häuser in der Strausberger Straße zwischen Konrad-Wolf- und Große-Leege-Straße seien vermutlich in den 1950er und 1960er Jahren gebaut worden. „Das Straßen- und Grünflächenamt geht auch hier davon aus, dass an der Fahrbahnbefestigung nur Schadstellenbeseitigung (und keine grundhafte Instandsetzung) erfolgte.“

Liegt die Unkenntnis über den Sanierungszeitpunkt also in den zwei deutschen Staatssystemen begründet? Fragt man bei anderen Berliner Bezirksämtern nach, wird schnell klar: Eine Liste über den Zustand aller Straßen scheint es nirgends zu geben. „Eine entsprechende ‘greifbare’ Übersicht gibt es nicht“, heißt es etwa aus Neukölln, genauso wie in Treptow-Köpenick oder Pankow. In Steglitz-Zehlendorf arbeite man aktuell an einer solchen. In Friedrichshain-Kreuzberg kann man über das Alter der Straßen ebenfalls nur mutmaßen. Probeweise nach dem Zustand von Straßen im Bezirk gefragt, lautet die Antwort aus dem Fachbereich, die angefragten Straßen seien „bestimmt 40 oder 50 Jahre alt.“

Digitales Straßenkataster wird in Kooperation von Bezirken und Senatsverwaltung erstellt

„In Tempelhof-Schöneberg, wie in allen uns bekannten Bezirken, gibt es keine aktuelle Liste für alle Straßen und deren Zustand“, sagt Christiane Heiß, Grünen-Stadträtin für Bürgerdienste, Ordnungsamt, Straßen- und Grünflächenamt. „Dies ist zwar seit Jahren im Gespräch, aber die erforderliche Datenbank ist schon länger in der Entwicklung.“

Tatsächlich arbeitet die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz schon seit einiger Zeit an einem berlinweiten digitalen Straßenkataster. „Das Land Berlin erstellt derzeit die Voraussetzungen für ein Erhaltungsmanagementsystem (EMS)“, erklärt eine Sprecherin des Bezirks Mitte. „Hierzu wurde ein Programm EMS eingeführt, für dessen Nutzung und Datenverarbeitung die Bezirke sukzessive geschult werden.“ Diese Schulungen seien aufgrund der Corona-Pandemie allerdings abgesagt worden. Mit diesem Programm soll es den Bezirksingenieuren künftig möglich sein, den Zustand der Straßen zu erfassen und fortzuschreiben, um die Bauweise und den Sanierungsbedarf abrufen zu können.

Spezialfahrzeuge erfassen den Zustand der Straßen

Hierzu erfassen bereits seit April Spezialfahrzeuge den baulichen Zustand der Hauptstraßen, in den kommenden Jahren sollen auch die Nebenstraßen sowie Geh- und Radwege erfasst werden. „Bewertet werden in diesem Verfahren die Gebrauchstauglichkeit und die Substanz des Straßenaufbaus anhand von Oberflächenmerkmalen, zum Beispiel Ebenheiten und Rissen“, sagt Constanze Siedenburg, Pressesprecherin der Verkehrsverwaltung. Diese Zustandserfassung soll künftig alle fünf Jahre erfolgen. Die ergebenen Daten sollen im Anschluss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und auf dem Geoinformationsportal Berlins online einsehbar sein.

Bis dahin dürften jedoch noch einige Jahre vergehen. Die Daten aus den 2 700 Kilometer langen Fahrbahnen aus Hauptverkehrsstraßen sollen Anfang 2021 zur Auswertung vorliegen. Der Zustand des Nebenstraßennetzwerks sowie der Rad- und Gehwege soll erst 2022 erfasst werden.