Karlshorst

Runder Tisch tagt zu Schulbau und Geflüchteten in Karlshorst

Einwohner, Bezirk und Senatsverwaltung diskutieren über Baupläne an der Rheinpfalzallee. Sechs Varianten stehen zur Debatte.

Die Lew-Tolstoi-Grundschule nördlich der Rheinpfalzallee ist stark überbelegt. Grundschulplätze sind in Karlshorst dringend notwendig.

Die Lew-Tolstoi-Grundschule nördlich der Rheinpfalzallee ist stark überbelegt. Grundschulplätze sind in Karlshorst dringend notwendig.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. In Karlshorst wird in den nächsten Jahren viel gebaut. Eine Grundschule, Sekundarschule, Kita, Jugendfreizeiteinrichtung, Wohnungen und eine Modulare Unterkunft für Geflüchtete (MUF) sollen rund um die Rheinpfalzallee entstehen. Gerade wegen letzterer gab es in der Vergangenheit bereits Streit.

Die viergeschossigen Flachbauten fügten sich optisch nicht in die Umgebung ein, bemängelten Anwohner. Nun hat sich ein Runder Tisch konstituiert, bei dem neue Baupläne diskutiert werden.

Fünf Parteien gilt es in Karlshorst zufriedenzustellen: Vertreter des Bezirks Lichtenberg, der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), der Einwohnerschaft, der Senatsverwaltung für Integration und der Eigentümergesellschaft Howoge kommen am virtuellen Runden Tisch zusammen.

Einwohner räumen Schulbau höchste Priorität ein

Während der Bezirk vor allem auf die Kita und Schulen pocht, hält die Senatsverwaltung an der Flüchtlingsunterkunft fest. Deren Bewohnerzahl hat sie schon im vergangenen Jahr von 500 auf 385 gesenkt. Für den Bürgerverein Karlshorst hat die soziale Infrastruktur ganz klar Priorität. „Etwa ein Drittel der Geflüchteten sind minderjährig“, sagt Andreas Köhler, Vorsitzender des Vereins. „Deswegen müssen Schulen und Kita Vorrang haben.“

Schon jetzt herrscht in Karlshorst akuter Mangel an Schulplätzen. So müssen an der Lew-Tolstoi-Grundschule, die im Norden an das Grundstück an der Rheinpfalzallee grenzt, zum kommenden Schuljahr voraussichtlich neun erste Klassen in den Schulbetrieb starten – bei viel zu wenig Platz.

Während noch im November erbittert um die Baupläne gestritten wurde, war die letzte Diskussion sehr sachlich, meint Kevin Hönicke, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung (SPD). „Ich bin sehr dankbar dafür, dass alle Teilnehmer sich konstruktiv beteiligt haben.“ Sechs Varianten stehen aktuell zur Debatte. Der Bezirk spricht sich dabei für die Variante Schulcampus aus: Sekundar- und Grundschule sollen auf dem Grundstück an der Waldowallee entstehen, die Unterkunft für Geflüchtete in der Rheinpfalzallee 83 soll in Zeilenstruktur oder als Wohnquartier gebaut werden, das später als Wohnsiedlung genutzt werden kann. Die Kita entstünde an der Arberstraße.

Die Karlshorster bevorzugen hingegen Variante Drei: Demnach würde das gesamte Grundstück an der Rheinpfalzallee von der Sekundarschule in Anspruch genommen. Die Unterkunft für Geflüchtete soll auf dem Grundstück an der Waldowallee entstehen, integriert in ein neues Wohnquartier. „Wir sprechen uns für eine Variante Drei plus aus“, erklärt Köhler. „Die vorgestellten Pläne sind eine gute Grundlage für weitere Diskussionen.“

Kompromiss muss bis August gefunden sein

Ewig kann in Karlshorst jedoch nicht debattiert werden. Bis Mitte August muss eine Einigung gefunden sein. „Das ist ein Kompromiss von Seiten der Howoge“, erklärt Hönicke. „Sie wartet die Ergebnisse des Runden Tischs ab, obwohl sie eigentlich mit dem Bau bereits beginnen könnte.“ Für eine Variante liegt nämlich bereits eine Genehmigung vor. Hiernach würde die Flüchtlingsunterkunft auf dem südlichen Teil des Grundstücks an der Rheinpfalzallee 83 entstehen, während die Grundschule auf dem nördlichen Teil läge. Dadurch würden sich jedoch Verkehrsprobleme ergeben, da die Erschließung über den schmalen Grafenauer Weg erfolgen würde. In der angefertigten Vertiefungsstudie belegt diese Variante den vorletzten Platz.

„Ein Runder Tisch kann nur beraten, nichts beschließen“, stellt Stadtrat Hönicke klar. Er regt daher die Teilnehmer dazu an zu überlegen, welche Variante für sie überhaupt nicht tragbar wäre.

Der Bauzeitplan ist noch nicht genau festgelegt. Während die Unterkunft für Geflüchtete bei einem diesjährigen Baubeginn bereits 2021 fertig sein könnte, wäre die Grundschule trotz Schnellbauweise erst 2022 bezugsfertig. Die Fertigstellung der Wohnbauten dürfte noch länger dauern. „Wir haben zwar Zeit bis August, aber eine schnellere Einigung wäre wünschenswert“, sagt Hönicke. „Das Schulamt ist dankbar für jede Woche, die wir weniger brauchen.“

Grundstück liegt seit Jahrzehnten brach

Einig sind sich alle Parteien nur darin, dass die Fläche in Karlshorst endlich bebaut werden sollte. Das 19.000 Quadratmeter große Areal liegt seit mehr als 20 Jahren brach.

Ende 2017 hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Grundstück zum Verkauf angeboten. Bezirksamt und Senat waren sich in Folge uneinig, ob dort soziale Infrastruktur oder eine Flüchtlingsunterkunft entstehen sollen. Man einigte sich auf einen Kompromiss: Die Howoge hat das Grundstück schließlich erworben und soll beide Bedarfe berücksichtigen.

Weiter diskutiert wird über das Gelände beim nächsten nicht öffentlichen Runden Tisch am 29. Mai.