Tierpark

Ein neues Haus für die Elefanten im Berliner Tierpark

Die ersten beiden Elefanten haben Berlin verlassen. Die Berliner Anlage wird in eine Savannenlandschaft umgebaut.

Elefanten im Berliner Tierpark.

Elefanten im Berliner Tierpark.

Foto: Steffen Freiling / mail@steffenfreiling.de

Berlin. Es ist der erste Abschied, weitere werden folgen: Die Elefantenkühe Frosja und Louise haben die Anlage im Berliner Tierpark verlassen und sind in den Zoo nach Augsburg gezogen. Dort haben sie sich bereits mit ihrer Umgebung vertraut gemacht. Unterstützung bekommen die beiden Damen, die mit 39 und 46 Jahren schon ziemlich betagt sind, von ihren vertrauten Pflegern, die zur Eingewöhnung mitgereist sind. Bis zum Sommer werden auch die vier noch verbliebenen Dickhäuter den Tierpark verlassen. Dazu gehören die Leitkuh Kewa sowie die Elefantenkühe Lilak, Kariba und Pori. Sie alle machen Platz für ein großes Bauprojekt: Im Tierpark entsteht Europas modernste Elefanten-Anlage.

Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem hat seit seinem Amtsantritt in Berlin vor sechs Jahren einen Plan: Er will den Tierpark in einen Geo-Zoo umgestalten. Die Tiere werden dann nach ihrer Herkunft und nicht nach Tierarten gehalten. Der Besucher kann somit eine Reise von Kontinent zu Kontinent machen und die dort lebenden Tiere zusammen sehen. So ist zum Beispiel bereits hinter dem Eingang des Tierparks die Nordamerika-Landschaft entstanden. Wo früher ein Steinadlerpärchen in einer riesigen Vogelvoliere die Gäste begrüßte, leben heute die Präriehunde und die nordamerikanischen Baumstachler in einer wilden Felslandschaft mit Bach und Wasserfall.

Mehr Platz für Tiere, weniger Platz für Besucher

Jetzt sind die Elefanten dran. Ihr Dickhäuterhaus entsprach schon lange nicht mehr den Ansprüchen an eine moderne und artgerechte Tierhaltung. Sie werden künftig durch eine große Savannenlandschaft ziehen, während Zebras, Antilopen und Giraffen die nahe gelegene Wasserstelle bevölkern. Als Herzstück der Afrikalandschaft soll das bisherige Dickhäuterhaus grundlegend umgebaut werden „und ein wichtiger Meilenstein nicht nur für den Tierpark Berlin, sondern für die gesamte Elefantenhaltung in Europa sein“, sagte Knieriem bei der Vorstellung der Pläne. In dem neuen Haus werden künftig ausschließlich Afrikanische Elefanten leben.

Nach dem Motto „Mehr Platz für Tiere, weniger Platz für Besucher“ soll sich die Fläche allein im Haus für die Elefanten auf 3000 Quadratmeter vergrößern und damit im Vergleich zu heute fast verzehnfachen. Bisher waren etwa zwei Drittel des 1989 eröffneten Dickhäuterhauses nur für Besucher vorgesehen. Dieser Platz wird jetzt wesentlich verkleinert. Von den etwa 40 Millionen Euro, die der Bau der neuen Afrikalandschaft insgesamt kosten wird, sind 35 Millionen Euro für den Umbau des Dickhäuterhauses vorgesehen. Gefördert wird die Investition unter anderem über GRW-Mittel, die für die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur eingesetzt werden können. Noch in diesem Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen, sie sollen etwa zwei Jahre dauern.

„Selbstverständlich schmerzt uns der Abschied“

Damit der Umbau starten kann, verlassen alle Elefanten nach und nach den Tierpark. „Selbstverständlich schmerzt uns der Abschied, aber wir wissen unsere alten Damen bei den Augsburger Kollegen in guten Händen“, sagte Direktor Andreas Knieriem. Letztendlich überwiege aber die Freude. „Wir werden dieser faszinierenden Tierart zukünftig deutlich mehr Raum geben und unseren Besuchern den einzigartigen Lebensraum der Afrikanischen Elefanten näherbringen können“, so Knieriem.

Im Zoo Augsburg leben Frosja und Louise auf einer neuen Elefanten-Anlage. Zusammen mit den beiden Augsburger Dickhäuter-Seniorinnen werden sie dort eine „Wohngemeinschaft“ für Elefanten-Damen gründen. „Ich gönne den beiden ihr neues, schönes Zuhause. Wir werden Frosja und Louise auch in Zukunft mal einen Besuch abstatten“, sagt Mario Hammerschmidt, einer der beiden mitgereisten Tierpfleger.

In der Natur leben Elefanten in Familienverbänden zusammen, die jeweils von einer Leitkuh angeführt werden. Zudem bestehen hochsensible soziale Verhältnisse zwischen den einzelnen Tieren, die Freundschaften ähneln. Die moderne Zusammenarbeit zoologischer Einrichtungen soll die Haltung von Elefanten in Zoos in eben diesen Sozialstrukturen ermöglichen. Gleichzeitig soll die Nachzucht der bedrohten Tiere gesichert werden. Wo Tiere hinziehen und in welchen Herden sie zusammenleben, wird im Rahmen des europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) festgelegt.

Tierpark hat seit einer Woche mit Einschränkungen geöffnet

Seit einer Woche ist der Tierpark für Besucher wieder geöffnet. Mitte März mussten Zoo und Tierpark wegen des Coronavirus’ schließen. Allerdings gelten noch einige Einschränkungen. So sind die Tierhäuser und Restaurants geschlossen. Auch die kleine Bahn ist im Tierpark noch nicht wieder in Betrieb. Tickets müssen vorab online für ein bestimmtes Zeitfenster gebucht werden.