Prozess

Schülerin verbrüht: Erzieher zu 3000 Euro Strafe verurteilt

Eine Sechsjährige aus Lichtenberg hatte sich schwer verbrüht. Amtsgericht spricht Erzieher der fahrlässigen Körperverletzung schuldig.

Blaulicht leuchtet auf einem Krankenwagen.

Blaulicht leuchtet auf einem Krankenwagen.

Foto: dpa

Berlin. Im Prozess um eine sechsjährige Schülerin, die sich während einer Nachmittagsbetreuung schwer verbrüht hatte, ist ein Erzieher zu 3000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sprach den 52-Jährigen am Donnerstag der fahrlässigen Körperverletzung schuldig.

Er habe Wasser zur Zubereitung von Tee erhitzt und ausgeschenkt, ohne zuvor die Temperatur zu kontrollieren, begründete der Richter. Die Schülerin sei angestoßen worden und habe ihr Wasser verschüttet. Sie erlitt Verbrühungen ersten und zweiten Grades am Oberschenkel und musste stationär behandelt werden.

Der 52-Jährige hatte bei dem Vorfall im Januar 2018 in einer Grundschule in Lichtenberg als Vertretungserzieher eine Lerngruppe betreut. Elf Kinder zwischen sechs und zehn Jahren seien im Raum gewesen, hieß es weiter im Urteil. Den Richtern zufolge habe der Angeklagte damit rechnen müssen, dass sie sich versehentlich oder absichtlich schubsen könnten. Die Kinder hätten ihre Becher getragen.

Schülerin verbrüht: Gericht folgt Antrag der Staatsanwältin

Der Angeklagte hatte erklärt, Tee kochen sei in der Lerngruppe damals Praxis gewesen. Er habe die Kinder "für kompetent genug gehalten, einen Becher mit Tee zu halten und an den Platz zu gehen". Die Becher seien zudem nur zur drei Viertel gefüllt gewesen.

Der Verteidiger plädierte auf Freispruch. Der bedauerliche Unfall sei nicht vorhersehbar gewesen. Dass jemand schubst, könne immer und überall passieren. Das Gericht folgte im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwältin und verhängte eine Strafe von 60 Tagessätzen zu je 50 Euro. Der Verteidiger kündigte Berufung an.