Personalwechsel

Martin Schaefer ist neuer Stadtrat in Lichtenberg

Martin Schaefer folgt auf den pensionierten Wilfried Nünthel. Dabei sorgte eine AfD-Kontroverse für einen knappen Wahlsieg.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (links) und der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg Rainer Bosse (rechts) begrüßen den neuen Bezirksstadtrat Martin Schaefer im Amt.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (links) und der Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg Rainer Bosse (rechts) begrüßen den neuen Bezirksstadtrat Martin Schaefer im Amt.

Foto: Bezirksamt Lichtenberg

Berlin. Lichtenberg hat einen neuen Stadtrat: Martin Schaefer (CDU) ist ab 1. Februar Bezirksstadtrat der Abteilung Schule, Sport, Öffentliche Ordnung, Umwelt und Verkehr. Der 44-Jährige hatte zuvor den Ausschuss Wirtschaft und Soziales geleitet und war von 2013 bis zum Amtsantritt als Geschäftsführer der blu:boks Kinder- und Jugendbildung gGmbH in Fennpfuhl tätig.

Schaefer wohnt seit 18 Jahren mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Lichtenberger Weitlingkiez. Geboren im ostwestfälischen Gütersloh, zog er 2001 nach Berlin, um Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Berlin-Lichtenberg zu werden. Später arbeitete er als Jugendpastor und Bildungsreferent und engagierte sich im „Forum Weitlingkiez“, das sich gegen Rassismus im Kiez einsetzt.

Gespräche mit der AfD stimmten Linke und Grüne misstrauisch

Schon vor Amtsantritt wurde Schaefer im Dezember von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zum Stadtrat gewählt. Das Wahlergebnis für den CDU-Politiker fiel jedoch äußerst knapp aus. Grund dafür war ein Gespräch mit AfD-Abgeordneten, das Schaefer den anderen Fraktionen verschwiegen hatte. Den Linken im Bezirk hatte Schaefer gesagt, er habe allen Fraktionen außer der AfD Einladungen zum Gespräch geschickt, sich der AfD also nicht vorgestellt. Tatsächlich hatte er jedoch ein Gespräch mit den AfD-Abgeordneten Dietmar Drewes und Gisela Starke-Kleese geführt.

„Das war nur ein persönlicher Austausch“, hatte Schaefer daraufhin erklärt. „Ich habe bei der AfD nicht um Stimmen geworben.“ Für den Linken-Abgeordneten Norman Wolf war Schaefers Glaubwürdigkeit damit trotzdem dahin. „Wir haben Sie gefragt, ob Sie sich der AfD vorgestellt, nicht, ob Sie Einladungen verschickt haben“, sagte er. Mit 26 Ja- und 19-Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen wählte die BVV Schaefer schließlich erst im zweiten Wahlgang zum Stadtrat.

Dienstältester Stadtrat kam 2000 aus Marzahn nach Lichtenberg

Schaefer beerbt somit den dienstältesten Bezirksstadtrat Berlins, Wilfried Nünthel (CDU), der zum 31. Januar in den Ruhestand eintritt. In der letzten BVV vor einer Woche wurde Diplom-Philosoph Nünthel wortreich verabschiedet. Fraktionsübergreifend wurde ihm für sein Engagement gedankt und an seine Anfangstage im Bezirk erinnert.

Nünthel war seit 1993 im damaligen Bezirk Marzahn als Stadtrat tätig und wechselte im Jahr 2000 in den fusionierten Bezirk Lichtenberg. Damals habe man sich gefragt, wie man mit dem Stadtrat aus Marzahn wohl zurechtkomme, schmunzelte BVV-Vorsteher Rainer Bosse (Die Linke). „Aber: Es wurde gut.“

Auch Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) hält große Stücke auf Nünthel. Für seine langjährigen Verdienste überreichte Grunst Nünthel am Donnerstag die Ehrenurkunde, die höchste Auszeichnung des Bezirks. „Mit Wilfried Nünthel verabschiedet sich ein wahrer Lichtenberger Lokalmatador“, so Grunst. „Meiner Meinung nach stand für Wilfried Nünthel stets das Wohl des Bezirkes an erster Stelle.“ Grunst erinnerte sich in der Januar-BVV an seine ersten Kontakte mit dem CDU Politiker. Nünthel habe stets gelassen auf seine stürmischen Anfragen reagiert, meinte er. Trotz politischer Differenzen habe er sehr viel von seinem 65-jährigen Amtskollegen gelernt.