Projekt

Lesbische Initiative organisiert Lichtenberger Frauenwoche

Diesjahr findet auch in Lichtenberg vom 2. bis 8. März zum ersten Mal eine Frauenwoche statt. Konzerte, Theater und Filme sind geplant.

Im Kulturhaus Karlshorst wird der Frauenpreis vergeben.

Im Kulturhaus Karlshorst wird der Frauenpreis vergeben.

Foto: Karolina Wrobel

Nicht erst mit der Entscheidung, den Internationalen Frauentag in Berlin zum Feiertag zu erklären, steht der März im Zeichen des weiblichen Geschlechts. Vielerorts in Deutschland organisieren Städte und Gemeinden entsprechende Veranstaltungen. In diesem Jahr findet auch in Lichtenberg vom 2. bis 8. März zum ersten Mal eine Frauenwoche statt. Das Besondere: Organisiert wird die Aktionswoche von einer lesbischen Initiative.

LesLeFam, kurz für Lesben – Leben – Familie, sind erst seit einem halben Jahr in Lichtenberg ansässig. Die Initiative berät in Friedrichsfelde homosexuelle Frauen und ihre Angehörige. Constanze Körner fühlt sich im Bezirk gut aufgenommen. „Es kam bisher nichts Negatives“, freut sich die Gründerin des Vereins. „Uns haben viele Menschen angerufen, die sich freuen, dass wir hier sind.“ Im Berliner Osten habe eine solche Anlaufstelle noch gefehlt, meint Körner. „Im Bezirk gab es bislang keine Angebote für Lesben. Schaut man nach Schöneberg sieht man hingegen: Da gibt es alles.“

Höhepunkt ist die Verleihung eines Frauenpreises

Die erste Lichtenberger Frauenwoche vertrete jedoch alle Frauen, nicht bloß Lesben. Konzerte, Theatervorführungen und Filmscreenings sind geplant. Infoveranstaltungen sollen auf die Belange von Frauen aufmerksam machen. Highlight der Woche ist die Verleihung des Frauenpreises am 7. März, um 17 Uhr im Kulturhaus Karlshorst, meint Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) an. „Anschließend gibt es gegenüber in der Havanna Bar eine Disko, zu der ich nicht eingeladen bin: nur für Frauen.“

Die Frauenwoche steht unter dem Motto „Sexismus hat keine Chance“. Dass die sexuelle Orientierung und das Geschlecht heute immer noch Anlass für Gewalt sind, zeigt ein Blick auf die Statistik. Das Berliner Register erfasst diskriminierende Vorfälle in den einzelnen Bezirken. Michael Mallé vom Lichtenberger Register hat die vorläufigen Zahlen für 2019 ausgewertet. „Die Vorfälle in Lichtenberg sind im Jahresvergleich um 15 Prozent angestiegen“, sagt er. Zwar seien die meisten Attacken rassistisch motiviert, doch insbesondere die LGBTIQ*-Feindlichkeit sei stark gestiegen. „13 Vorfälle wurden uns 2019 gemeldet“, so Mallé. „Letztes Jahr waren es nur zwei.“

Neue Anlaufstellen für die Meldung von Vorfällen

Die gestiegenen Zahlen lassen sich jedoch auch mit einer gesteigerten Sensibilität für das Thema erklären. „Wir konnten weitere Melder gewinnen und es wurden neue Anlaufstellen für Vorfälle geschaffen“, sagt Mallé. Im Bezirk will man weiter für Gleichberechtigung kämpfen. Im Sommer 2018 hat Lichtenberg als einer von sechs Bezirken einen Frauenbeirat geschaffen. Bald sollen zwei weitere Mitarbeiter Diskriminierung in Lichtenberg entgegenwirken, kündigt Bezirksbürgermeister Grunst an. „Wir wollen auch einen Antisemitismus- und einen Diversity-Beauftragten einstellen.“