Bahnhof Lichtenberg

Obdachlose in Lichtenberg: Vorplatz soll geräumt werden

Die Deutsche Bahn will den Vorplatz räumen lassen. Das Bezirksamt Lichtenberg ist empört, nun gewährt der Konzern einen Aufschub.

Die Deutsche Bahn AG will die Obdachlosen vom Bahnhof Lichtenberg vertreiben.

Die Deutsche Bahn AG will die Obdachlosen vom Bahnhof Lichtenberg vertreiben.

Foto: Julia Hubernagel

Berlin. Die Obdachlosen, die auf dem Vorplatz des Bahnhofs Lichtenberg leben, bekommen eine „Schonfrist“. Eigentlich wollte die Deutsche Bahn AG die „Lichtenberger Platte“ am Montag räumen lassen, um dort bis zum kommenden Frühjahr Bauarbeiten durchzuführen. Doch nun konnte Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) eine Räumung fast in letzter Minute verhindern. „Die Deutsche Bahn gibt uns einen Aufschub bis Januar“, sagte der Pressesprecher des Bezirks, Prokop Bowtromiuk, am Freitagnachmittag der Morgenpost.

Seit Jahren leben auf dem Bahnhofsvorplatz Obdachlose. Das Bezirksamt setzt sich für die Menschen ein und konnte mithilfe von Sozialarbeitern Erfolge erzielen. Doch dann hatte die Bahn überraschend angekündigt, den Platz räumen zu lassen. „Fahrradständer wollen sie dort bauen!“, empört sich Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). „Das kann man doch wohl auch im Frühling machen.“ Abgesprochen sei die Maßnahme mit dem Bezirksamt nicht gewesen. Lediglich über Handzettel hatte die Deutsche Bahn am Dienstag über die anstehenden Bauarbeiten informiert. Eigentlich sollten vor einem Baubeginn zumindest Ausweichflächen gefunden werden, sagt Grunst. Diese Suche sei noch nicht abgeschlossen.

Noch 7 von den 20 Obdachlosen leben noch auf Bahnhofsvorplatz

„Eine Räumung ist kontraproduktiv“, meint Grunst. „Wir arbeiten bereits seit einem Jahr mit den Obdachlosen.“ Nur sieben lebten von den ursprünglich 20 noch auf dem Bahnhofsvorplatz. „An denen sind alle Sozialarbeiter dran, und stören tun sie auch niemanden.“ Vor zwei Monaten hatte das Sozialamt eigens einen Platzmanager eingestellt, der zwischen den Obdachlosen und den Bahnhofsnutzern vermittelt. Durch eine Räumung würden die Obdachlosen lediglich in den Stadtteil getrieben, sagt Grunst. „Wir haben mehrfach an die Bahn appelliert, nicht einfach Tatsachen zu schaffen, vor allem nicht zwei Wochen vor Weihnachten.“ Die Bahn versteht die Vorwürfe nicht. „Der Bezirk war über unsere Pläne informiert“, so Pressesprecher Ahlert. Michael Grunst bestreitet das. „Ich habe keine Ahnung, wen man da informiert haben will.“

Nun ist durch das Einlenken der Bahn das Problem aufgeschoben. Man wolle sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen, sagt Bürgermeister Grunst. „Wir kümmern uns weiterhin um die verbliebenen Obdachlosen. Ein Aufschub bedeutet nicht, dass der Vorplatz dann im Januar kommentarlos geräumt wird.“