Neu-Hohenschönhausen

880 neue Wohnungen für Berlins Nordosten

Neu-Hohenschönhausen reagiert mit Neubauten auf den Bevölkerungszuwachs. Die Zahl der Kinder und der Älteren steigt.

Blick in die Oderberger Straße (Archivbild).

Blick in die Oderberger Straße (Archivbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd von Jutrczenka / picture alliance / dpa

Berlin. Im Berliner Nordosten, in Neu-Hohenschönhausen, reihen sich die Elfgeschosser aneinander. Die Hochhaussiedlung, in der sich vereinzelt auch Wohntürme mit 22 Etagen befinden, wurde in den 80er-Jahren kurz vor der Wende aus dem Boden gestampft und bildet die prägnante Stadtkante, hinder der nur noch das dörfliche Malchow, Falkenberg und Wartenberg liegen.

Auch hier ist der Bevölkerungszuwachs zu spüren. „Neu-Hohenschönhausen ist geprägt von verschiedenen Wachstumsprozessen“, sagt Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke). „Wir brauchen neuen Wohnraum. Eine Entwicklung, die wir uns vor 20 Jahren so gewünscht hätten.“

Neu-Hohenschönhausen ist der größte Stadtteil im Bezirk Lichtenberg. Für die geplante Umgestaltung der alten Ost-Berliner Großsiedlung sollen seine knapp 56.000 Einwohner mit einbezogen werden. Das Bezirksamt hat daher einen umfassenden Rahmenplan erstellt und diesen online noch bis zum 15. November zur Diskussion gestellt. In drei Standortkonferenzen konnten interessierte Bewohner zudem aktiv an der Gestaltung der Pläne mitwirken.

Grafik vergrößern

Zahl der Kinder hat sich in Lichtenberg verdoppelt

Mittelpunkt der Umgestaltung sind die 884 neuen Wohnungen, die ab nächstem Jahr entstehen sollen und für etwa 1700 neue Einwohner sorgen. Da der Stadtteil bereits dicht bebaut ist, konzentrieren sich die Neubauten nicht auf ein Gebiet, sondern sind großflächig verteilt. Von 27 Wohneinheiten im Mühlengrund bis hin zu 400 Wohnungen an der Zingster Straße wird in verschiedensten Größeneinheiten geplant. Dabei sind auch ohne den ab nächstem Jahr umzusetzenden Rahmenplan schon neue Wohnungen vorgesehen. Zusammen mit den sich bereits heute im Bau oder in der Planung befindenden Projekten sollen in den nächsten Jahren mehr als 1700 Wohnungen in Neu-Hohenschönhausen entstehen. Die Stadträtin für Stadtentwicklung, Birgit Monteiro (SPD) verweist auf dadurch entstehende Herausforderungen: „Es geht nicht nur um den Bau von Wohnungen, sondern auch um die Schaffung von Infrastruktur.“

Bereits in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Kinder unter sechs Jahren sowie die der Sechs- bis 15-Jährigen im Stadtteil wie im Bezirk verdoppelt. Der Ruf Lichtenbergs als familienfreundlicher Wohnort ist dem äußeren Nordosten vorausgeeilt. Im Rahmenplan vorgesehen sind für die 884 neuen Wohnungen 87 Kitaplätze, 95 Grundschul- sowie 64 Plätze für weiterführende Schulen. Berücksichtigt ist dabei jedoch bereits, dass mindestens ein weiterer Grundschulstandort in Planung ist, das ehemalige Schulgebäude an der Wartiner Straße reaktiviert und zwei Integrierte Sekundarschulen (ISS) realisiert werden sollen.

Gleichzeitig zum Zuwachs an Kindern und Jugendlichen verzeichnet Neu-Hohenschönhausen eine steigende Zahl an 55- bis 65-Jährigen. Arztpraxen und wohnortnahe Gastronomie standen daher ganz oben auf der Liste an Vorschlägen. Auch den Erhalt von Grünflächen hatten sich die Bewohner des Stadtteils gewünscht. Diesen Wunsch habe man berücksichtigt, sagt Ulrike Lange von der Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG, die mit dem Bezirksamt kooperiert. „Gebaut wird vor allem auf Flächen, die vorher praktisch leer waren oder auf denen Garagen standen.“ Bei der Schaffung von Parkfläche sollte man kreativer sein, meint auch Bezirksbürgermeister Michael Grunst. „In Parkhäusern ist so viel Platz für Autos und nachts machen sie zu. Warum eigentlich?“

Viele Bewohner sind nicht nur mit dem Individualverkehr, sondern auch mit der Anbindung unzufrieden. Zwar ist der Stadtteil mit Straßenbahnen, der S- und der Regionalbahn zu erreichen. Doch durch den Ausfall der Linie S75 gestaltet sich der Weg nach und von Neu-Hohenschönhausen schwierig, sagt Elke Schuster. „Das ist doch keine Lebensqualität, dauernd mit den Ersatzbussen zu fahren“, so die Anwohnerin. „Unser Zentrum muss endlich ein vernünftiger Verkehrsknotenpunkt sein.“

U- und S-Bahn sollten verlängert werden

Um das zu erreichen, scheut sich der Bezirk Lichtenberg nicht, nach den Sternen zu greifen. „Es gibt schon seit etlichen Jahren den Plan, die U-Bahn bis nach Weißensee fahren zu lassen“, sagt Michael Grunst. „Warum soll sie nicht auch bis nach Neu-Hohenschönhausen fahren?“ Man müsse viel langfristiger denken, meint er. „Natürlich wird es jahrzehntelang dauern, bis die Trasse bis hierhin durchstoßen ist. Aber in zehn Jahren werden hier Menschen leben und in 20 Jahren werden hier immer noch Menschen leben.“ Auch die S-Bahn würde der Kommunalpolitiker gern verlängert sehen, von Wartenberg bis nach Karow.

Überhaupt ist die Umgestaltung Neu-Hohenschönhausens ein langfristiges Projekt. Bezirksbürgermeister Grunst hofft, den Rahmenplan noch dieses Jahr vom Bezirksamt beschließen zu lassen und ihn dann der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vorlegen zu können. „Das ist ein laufender Prozess, mit kurzfristigen, mittelfristigen und eben langfristigen Maßnahmen“, sagt der Lichtenberger Rathauschef. In einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren soll ein Großteil der Bauten realisiert werden. Bei allen zeitintensiveren Projekten heißt es allerdings, sich in Geduld zu üben. Im Flächennutzungsplan ist die U-Bahntrasse übrigens bereits vermerkt.