Ausflugstipp

In Karlshorst ist der Charme von einst wieder da

Ein Spaziergang von Baumschulenweg über die Spree zum Wilhelmstrand und zur Villenkolonie Karlshorst.

Verschiedene Baustile – wie hier an der Zwieseler Straße – prägen den Charakter der Villenkolonie Karlshorst.

Verschiedene Baustile – wie hier an der Zwieseler Straße – prägen den Charakter der Villenkolonie Karlshorst.

Foto: Mathias Stengel

Berlin. Manche Wege führen in die Zukunft, andere in die Vergangenheit. Zumeist enthalten die Pfade durch die Stadt beide Elemente. Insbesondere natürlich die Gegenden, die durch DDR-Geschichte geprägt wurden und nun, 30 Jahre nach dem Mauerfall, noch immer auf der Suche nach einer neuen – oder auf dem Weg zu ihrer alten Identität sind.

Start ist in Baumschulenweg, wo es bis 1989 mit der Baumschulenstraße die einzige Einkaufsstraße des damaligen Bezirks Treptow gab. Noch immer gibt es dort ein vielfältiges Angebot, allerdings ging die einstige Exklusivität mit der Eröffnung der Einkaufscenter in Alt-Treptow und am S-Bahnhof Schöneweide verloren. Heute ist die Gegend um den Bahnhof eine Einkaufsgegend mit typischen Angeboten für den täglichen Bedarf der Anwohner.

Die Fährverbindung zum Wilhelmstrand existiert seit 1896

Unser Weg führt uns nach Norden über die vielbefahrene Köpenicker Landstraße und die Neue Krugallee zum Ufer der Spree. Kurz vor dem Erreichen des Flusses geht es links etwa hundert Meter in den Wald hinein, bis wir die Anlegestelle der Fähre F11 erreichen, die zwischen Plänterwald und Oberschöneweide pendelt. Sie war bis in die 90er-Jahre eine wichtige Verbindung, um täglich hunderten Werktätigen den Arbeitsweg nach Rummelsburg zu den Fabriken wie Elektrokohle Lichtenberg, dem Heizkraftwerk Rummelsburg und dem Funkhaus an der Nalepastraße zu verkürzen. Mit der Ende 2017 erfolgten Freigabe der etwa einen Kilometer von der Fährpassage entfernten Minna-Todenhagen-Brücke schien das Aus der seit 1896 existierenden Schiffsverbindung besiegelt zu sein. Doch die Anwohner beiderseits des Flusses trotzten der BVG den Weiterbetrieb der Fähre ab.

Nach der Überfahrt führt der Weg durch die Kleingartenanlage Wilhelmstrand zur Nalepastraße. Benannt nach dem Köpenicker Teppichfabrikanten Paul Nalepa (1846–1900) führt sie in nördlicher Richtung bis zum Gelände des ehemaligen Funkhauses. Der 1951 errichtete Gebäudekomplex war von 1956 bis 1990 der Sitz des Rundfunks der DDR. Seitdem gab es immer wieder Versuche, das Gelände und die Gebäude einer neuen Nutzung zuzuführen.

Am Zaun des Rundfunk-Areals in östliche Richtung gelangt man zur Rummelsburger Landstraße. Weiter geht es nördlicher Richtung bis zum Blockdammweg. Markanter Blickfang am Beginn des Blockdammwegs ist der 45 Meter hohe Wasserturm von 1929 nach Entwürfen von Gottlieb Tesch. Den Blockdammweg geht es in östlicher Richtung nach Karlshorst, wo sich auf Höhe der Trautenauer Straße ein ruhiger und intakter Teil der Villenkolonie erstreckt, den zu durchstreifen sich lohnt.

Am Carlsgarten - ein attraktives Wohngebiet

Unruhiger ist es an der Treskowallee, einer scheinbaren Dauerbaustelle. Doch auf deren Ostseite, wo der Eingang zur Trabrennbahn ist, zeugt das Neubaugebiet Am Carlsgarten von der Attraktivität des Wohnungsstandortes. Erstaunliches ist auch nördlich des S-Bahnhofs im Viertel rund um die Waldowallee passiert. Das nach dem Abzug der russischen Truppen im Juni 1994 hinterlassene und zum Großteil baulich marode Erbe wurde in den vergangenen 25 Jahren weitgehend saniert und zu begehrtem Wohnraum hergerichtet. Ein Streifzug durch das Quartier belegt das eindrucksvoll.

Die Waldowallee in nördliche Richtung entlang erreichen wir erneut die Treskowallee. Dort geht es vorbei am Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Richtung Friedrichsfelde bis zum U-Bahnhof Tierpark, wo der Ausflug endet.