Ausflug-Tipp

Auf Entdeckungstour an der Rummelsburger Bucht

An der Rummelsburger Bucht in Lichtenberg gibt es Biotope und Spuren der Industrie-Geschichte zu entdecken.

An der Rummelsburger Bucht wurden alte Industrieflächen zu einem begehrten Wohnquartier umgewandelt.

An der Rummelsburger Bucht wurden alte Industrieflächen zu einem begehrten Wohnquartier umgewandelt.

Foto: Ronald Klein

Berlin ist die grünste Hauptstadt Europas, die mit 900 Brücken mehr als doppelt so viele wie Venedig besitzt. Die Spree und der Landwehrkanal prägen das Innenstadtbild. Größere Gewässer befinden sich in der Regel am Stadtrand. Eine Ausnahme bildet der Rummelsburger See mit einer Länge von 1,6 Kilometern. An ihnen grenzen die Ortsteile Friedrichshain und Lichtenberg. Theodor Fontane lässt in seinem letzten Roman „Der Stechlin“ die Protagonisten dort eine Nachmittagspartie auf dem Wasser unternehmen.

Wir beginnen unseren Spaziergang am S-Bahnhof Rummelsburg (S3), überqueren die vielbefahrene Hauptstraße und laufen etwa 300 Meter in Richtung Promenade, bis wir die Anlegestelle Rummelsburger See erreichen. Dort befindet sich das Paul-und-Paula-Ufer, das 1998 von den Schauspielern Winfried Glatzeder und Angelica Domröse eingeweiht wurde. Sie verkörperten die Hauptfiguren in Heiner Karows DEFA-Film „Die Legende von Paul und Paula“ (1973). Eine der Schlüsselszenen spielt dort am Wasser, mit den Industriebauten der Halbinsel Stralau im Hintergrund.

Vom Naherholungsgebiet zum Industrieareal

Vom Straßenlärm ist dort nichts mehr zu hören. Wir biegen nach links ab und laufen auf einen Kita-Neubau zu. Er ist Symbol für das Wohnquartier in Ufernähe, das erst nach dem Mauerfall entstand. Moderne Town-Houses, sanierte Industriebauten und höchstens fünfstöckige Familienhäuser prägen die Wohnensembles. Bis zur Wende vom

19. zum 20. Jahrhundert fungierte das Areal vor allem als Naherholungsgebiet. Danach siedelten sich Chemiewerke, Tiermittelfabriken und ein Zementwerk an, es entstanden die Kraftwerke Rummelsburg und Klingenberg. 1990 wurde das Gros der Industrieanlagen stillgelegt.

Vor der Kita gabelt sich der Weg, wir laufen weiter am Ufer entlang und stoßen auf umzäuntes Röhricht. Das Biotop wurde 1998 mit einer Pflanzung von insgesamt 30.000 Schilfhalmen geschaffen. Diese sollen die Qualität des Wassers verbessern. Nachdem knapp 100 Jahre industrielle Abwässer in den Rummelsburger See geleitet wurden, haben sich auf dem Grund Schadstoffe abgesetzt. Noch heute wird vom Baden abgeraten.

Im Hintergrund sind Backsteinbauten zu erkennen. Mitte des 19. Jahrhunderts konzipierte Gustav Holtzmann das Friedrichs-Waisenhaus Rummelsburg. Auf einer Fläche von 13 Hektar fanden 500 elternlose Kinder ein Zuhause. Von dem großzügigen Gebäudeensemble sind noch zwei Knabenhäuser erhalten, die unter Denkmalschutz stehen und als Wohnhäuser dienen. Südlich der Knabenhäuser befindet sich die Anlegestelle.

Wir setzen den Spaziergang fort und gelangen an der Karl-Wilker-Straße zu einem von Hermann Blankenstein geplanten und zwischen 1877 und 1879 fertiggestellten Backsteinensemble. Es diente ursprünglich als Arbeitslager des benachbarten Friedrichs-Waisenhauses. Das nationalsozialistische Regime internierte dort Homosexuelle. Die DDR setzte die Nutzung als Gefängnis fort. Mehrere hundert Fluchthelfer saßen in Rummelsburg ein. 1990 verbrachte Erich Honecker eine Nacht auf der Krankenstation. Inzwischen wird ein Großteil der Gebäude als Hotel und für Wohnungen genutzt. Seit 2015 ist das ehemalige Gefängnis als Gedenk- und Informationsort ausgewiesen. Von dort aus geht es zu Fuß oder mit der Straßenbahn zurück zum Ausgangspunkt am S-Bahnhof Rummelsburg.