Rummelsburg

260 Millionen Euro für die Erweiterung des ICE-Werks

Mit 260 Millionen Euro erweitert die Deutsche Bahn das ICE-Werk. Die Investition soll auch die Pünktlichkeit der Züge verbessern.

Spatenstich in Rummelsburg (v.l.): Alexander Kaczmarek, Ramona Pop, Michael Peterson und Peter Pöhlmann.

Spatenstich in Rummelsburg (v.l.): Alexander Kaczmarek, Ramona Pop, Michael Peterson und Peter Pöhlmann.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Es sei möglich, dem Kunden einen Zug zur Verfügung zu stellen, der zwar 21 Jahre alt ist, aber dennoch aussieht wie neu, sagt der Leiter des Rummelsburger Werks, Peter Pöhlmann, am Mittwochmittag bei einem Rundgang mit Journalisten. Etwa acht bis zehn Züge der älteren, zweiten Baureihe des Intercityexpress (kurz: ICE) werden jährlich in den großen Hallen im Osten Berlins generalüberholt. Revision nennen die Bahner diese Arbeit. Gewissermaßen bleibt dabei kein Bauteil unbeachtet, alles wird unter die Lupe genommen. Nur der Lack blieb bislang außen vor.

Doch Pöhlmann und seine Mitarbeiter hätten das nun geändert – als einziges der neun Instandhaltungswerke der Bahn in Deutschland. Für das sogenannten Lack-Refresh werde die äußere Farbschicht aufgeraut und später versiegelt. Danach ließen sich auch unerwünschte Verschönerungen wie Graffitis leichter entfernen, sagt Pöhlmann. Die Lack-Kur für Züge ist eine Innovation aus Berlin. Weitere sollen folgen.

Kapazitäten der Deutschen Bahn in Rummelsburg werden deutlich erweitert

Dabei könnte auch die Finanzspritze helfen, die der Staatskonzern dem Werk in Rummelsburg verpasst. 260 Millionen Euro will die Deutsche Bahn bis 2023 auf dem Gelände investieren. Mit dem Geld sollen vor allem die Wartungskapazitäten erweitert werden. Neben den Generalüberholungen werden schon heute täglich etwa 75 ICE- und Intercity-Züge für die nächste Fahrt gereinigt, kontrolliert und repariert. Durch die Investition sollen künftig rund 30 Prozent mehr Züge von Rummelsburg aus auf große Fahrt gehen.

Konkret hat sich die Bahn unter anderem die Erweiterung der bestehenden Werkshalle vorgenommen. Hinzu kommen auch neue Lagerhallen und zusätzliche Behandlungs- und Abstellanlagen für die Züge. Insgesamt erweitert sich die verbaute Gleislänge in dem Werk von 27 auf 35 Kilometer. Die Mitarbeiterzahl in Rummelsburg soll von derzeit 700 auf etwa 800 Beschäftigte wachsen.

Bahnvorstand: Spatenstich ein Symbol für den Aufbruch

Werksleiter Peter Pöhlmann hatte am Vormittag mit Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), dem Konzernbevollmächtigten der Bahn für das Land Berlin, Alexander Kaczmarek, und dem Vorstandsvorsitzenden von DB Fernverkehr, Michael Peterson, den symbolischen Spatenstich vorgenommen. Peterson betonte zuvor die Bedeutung der Bahn für die Mobilitätswende. Der Spatenstich sei ein „Symbol für den Aufbruch“, sagte Peterson. „Wir müssen die Mobilitätswende herbeiführen und die Bahn will dazu einen Beitrag liefern“, erklärte er. Dafür müsse der Konzern aber noch robuster und schlagkräftiger werden, räumte Peterson ein.

Deutschlandweit investiert die Deutsche Bahn rund eine halbe Milliarde Euro in die Instandhaltungswerke des Fernverkehrs. Das ist nötig, weil sich das Unternehmen gemeinsam mit dem Bund hohe Ziele gesetzt hat. Perspektivisch soll sich die Zahl der beförderten Personen im Fernverkehr auf 260 Millionen im Jahr erhöhen. Das wäre eine Verdopplung im Vergleich zu 2015. Um das zu schaffen, kauft die Bahn auch neue Züge. Die ICE-Flotte soll von derzeit 280 auf 400 anwachsen.

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Schlüsselrolle für Rummelsburg auf dem Weg in die grüne Zukunft

Rummelsburg spiele auf dem Weg in die grüne Mobilität eine Schlüsselrolle, betonte Peterson. „Von hier starten die meisten Fernverkehrszüge in Deutschland. Mit dem Ausbau sorgen wir für zuverlässigere und komfortablere Züge – damit wir noch mehr Menschen für die Bahn begeistern können“, erklärte er.

Berlins Wirtschaftssenatorin Pop begrüßte die Großinvestition. Sie fühle sich mit der Bahn verbunden, sagte sie. Das liege auch an ihrem Großvater, der als Eisenbahner in Rumänien gearbeitet habe. Die deutsche Hauptstadt sei der richtige Platz für die Bahn, betonte Pop. „Die Bahnindustrie ist für uns ein wirtschaftlicher Eckpfeiler für die Region“, sagte sie. Neben der Konzernzentrale des Unternehmens und dem Werk in Rummelsburg sind in Berlin und Brandenburg auch zahlreiche Bahn-Zulieferer ansässig. In Berlin arbeiten für die Deutsche Bahn rund 20.000 Menschen. Damit sei die Bahn nach dem Öffentlichen Dienst der größte Arbeitgeber in der Stadt, sagte Pop.

Auch die FDP in Berlin zeigte sich erfreut über die neu entstehenden Arbeitsplätze in dem ICE-Werk. Gleichzeitig forderte die Partei noch mehr Engagement vom Senat in Sachen Mobilität. Berlin müsse zu einer Metropole mit einem starken Nah- und Fernverkehr werden, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher Florian Swyter. „Rot-Rot-Grün hat alles daranzusetzen, dass die Hauptstadt nicht auf dem Abstellgleis geparkt wird“, erklärte er.

Bahn kümmert sich auch um Vögel und Eidechsen auf dem Gelände

Die Wirtschaftssenatorin freute mit Blick auf die Erweiterung in Rummelsburg besonders, dass die Aus- und Umbauten auch für eine bessere Umweltbilanz des Werks sorgen: So spart das Unternehmen allein durch den Einbau neuer Licht- und Heizungstechnik in den Werkshallen nach eigenen Angaben rund 400 Tonnen CO2 im Jahr ein. Auf dem Dach der großen Werkstatt sollen künftig Solaranlagen Strom erzeugen, neu geschaffene Mitarbeiterparkplätze werden mit Elektroladesäulen ausgestattet, die neuen Waschanlagen für die Züge sollen zudem deutlich weniger Wasser verbrauchen als ihre Vorgänger. Auch in die Digitalisierung des Werks investiert die Bahn: Arbeitsaufträge und Rückmeldungen sollen verstärkt über Tablets abgewickelt werden. So sollen mehr als eine halbe Millionen Blätter Papier im Jahr eingespart werden.

Und auch dem seltenen Vogel Steinschmätzer geht es durch die Umbauarbeiten nicht an den Kragen: Für die vom Aussterben bedrohte Art baut die Bahn auf dem Gelände Ersatzbehausungen. Auch für Turmfalken, weitere Vogelarten und sogar Fledermäuse sei gesorgt, so die Bahn. Zauneidechsen würden von den Bauflächen zudem abgesammelt und auf ortsnahen Bahngeländen wieder angesiedelt.

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