Bahnhofsvorplatz

Ärger mit Obdachlosen am Bahnhof Lichtenberg

Immer wieder berichten Passanten, sie würden auf dem Vorplatz belästigt. Jetzt wird nach einer dauerhaften Lösung gesucht.

Der Bahnhof Lichtenberg (Archivbild).

Der Bahnhof Lichtenberg (Archivbild).

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Sofas, Regale, Stühle, Tische voller Lebensmittel und Bierflaschen – vor dem Lichtenberger Bahnhof haben sich Obdachlose heimisch eingerichtet. An der Weitlingstraße, sowohl rechts als auch links von der Treppe, die zur U-Bahn-Unterführung führt, haben sie sich provisorische Lager errichtet. Und damit unbewusst einen Konflikt um die Frage, ob dies, der Bahnhofsvorplatz, ein geeigneter (Wohn)-Ort für Menschen ohne Obdach ist, ausgelöst.

Im Winter konnten Obdachlose ganz offiziell im Lichtenberger U-Bahnhof übernachten – der Bahnhof diente als „Kältebahnhof“. Betreut wurden sie dort von Streetworkern der Karuna Sozialgenossenschaft. Der Verein war im Auftrag der Senatsverwaltung für den Kältebahnhof verantwortlich. Im März wurde der Bahnhof geräumt, doch die Obdachlosen blieben. Sie zogen auf den Platz vor dem U-Bahn-Zugang um.

Anwohner und Passanten berichten über ein zunehmendes Maß an Müll und Fäkalien, aber auch über steigende Aggressivität und Gewalt auf dem Vorplatz. Manche sprechen gar von „einem rechtsfreien Raum“, da es zu Nötigungen und Belästigungen vor Ort gekommen sei. Direkt gegenüber dem Vorplatz ist der Kreisverband Müggelspree des Deutschen Roten Kreuzes mit einem Standort vertreten. Im bunt bemalten Haus befindet sich unter anderem das DRK Familienzentrum.

Lichtenberger Bahnhof: „Ich könnte mir nicht vorstellen, da abends als Frau allein langzulaufen“

„Ich könnte mir nicht vorstellen, da abends als Frau allein langzulaufen“, berichtet eine Mutter, die im DRK-Haus immer donnerstags das Familienfrühstück besucht. Auch ein BVG-Busfahrer, der an der Weitlingstraße mit seinem Bus hält, ist verärgert. Der jetzige Zustand sei eine „Belästigung“. Vor allem würden die dort campierenden Menschen nachmittags alle Wartebänke unweit der Bushaltestelle besetzen und wartenden Passagieren den Platz wegnehmen.

Man habe „eine ziemlich schwierige Situation vor Ort“ räumt Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) ein. Es käme immer wieder zu Konflikten und der Belästigung von Reisenden und Anwohnern, auch die hygienische Situation sei schwierig, bestätigt er. Was nun? Grunst berichtet, dass er sich mit den verschiedenen Behörden abgestimmt, man ein Platzmanagement vor Ort und mehr ordnungsbehördliche Interventionen geplant habe. Das Ziel: Freie Wege, kein Urinieren in der Öffentlichkeit, das Ende der Vermüllung und der Lärmbelästigung. Man prüfe außerdem die Durchsetzung eines Alkoholverbots. Eine Räumung lehnt er jedoch ab, denn „die Leute gehen dann ins Wohngebiet“. Und „am Ende sind es Menschen, die gestrandet sind und wo wir helfen müssen“.

Streetworker kümmern sich um die Obdachlosen

Um die Menschen auf dem Bahnhofs-Vorplatz kümmern sich Karuna-Streetworker: Zweimal am Tag fahren sie mit dem „Karuna Sub“, der bundesweit ersten Buslinie für Obdachlose, den Bahnhof an. „Wir haben als Träger die freie Entscheidung getroffen, mit dem Bus den Bahnhof anzufahren“, sagt Karuna-Geschäftsführer Jörg Richert. Auch er ist unzufrieden mit der jetzigen Situation. Man arbeite jedoch an „einer strukturellen Lösung für die Stadt“, sagt er. Und erzählt von sogenannten „Common Places“: Freiflächen, auf denen Menschen ohne Obdach in Tiny Houses selbstorganisiert wohnen könnten. „Wenn wir so einen Ort hätten, könnten wir umziehen“, sagt Richert.

Da ist er einer Meinung mit Lichtenbergs Bürgermeister. „Wir brauchen Alternativorte“, sagt auch dieser. Man müsse Gespräche über „Safe Places“ führen. Solche „Sicheren Plätze“, wo Obdachlose leben können, schlug Sozial­senatorin Elke Breitenbach (Linke) im März vor. Noch gebe es jedoch keine Safe Places, teilt eine Sprecherin der Senatsverwaltung auf Anfrage mit.