Neustart

Tiertafel verteilt jetzt in Hohenschönhausen Futter

Die ehrenamtlichen Helfer geben am Sonnabend erstmals Futter am Standort in Hohenschönhausen aus.

Tiertafel-Chefin Linda Hüttmann mit Sohn Nino und den Hunden Elfie Ömmel (l.) und Holla die Waldfee.

Tiertafel-Chefin Linda Hüttmann mit Sohn Nino und den Hunden Elfie Ömmel (l.) und Holla die Waldfee.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Mehr Platz, neue Möbel und neue Nachbarn – die Berliner Tiertafel, bei der Bedürftige unter anderem mit Futter unterstützt werden, öffnet an diesem Sonnabend zum ersten Mal seit ihrem Umzug nach Hohenschönhausen. Die Wände haben die ehrenamtlichen Helfer weiß gestrichen. Einige Säulen tragen die rote Farbe des Vereins. Das neue Domizil ist die Wustrower Straße 18, nahe dem S-Bahnhof Hohenschönhausen. 364 Quadratmeter stehen zur Verfügung, 240 waren es zuvor. „Am alten Standort hatten wir eine Baracke mit vielen einzelnen Räumen“, sagt die Vereinsvorsitzende Linda Hüttmann (35). „Jetzt haben wir einen großen Raum mit etwa 150 Quadratmetern, in dem sich das meiste abspielen wird.“ Auch die Tierarztpraxis ist wieder eingerichtet. „Die Menschen, die zur Tafel kommen, können bei Bedarf dieses Angebot nutzen.“

Der Umzug in den Bezirk Lichtenberg war notwendig, weil es für den langjährigen Standort an der Mörikestraße in Baumschulenweg neue Pläne gibt. Dort will das Bezirksamt Treptow-Köpenick einen Kieztreff bauen lassen. Die Tiertafel sollte deshalb bis Ende 2019 ausziehen. Eine neue Bleibe fand sich mit Hilfe der Berliner Immobilienmanagement GmbH. Sie hat die Räume eines ehemaligen Kosmetikstudios für drei Jahre an den Verein vermietet.

20.000 Euro steuerte der Senat für das neue Domizil bei

„Wenn das nicht geklappt hätte“, sagt Linda Hüttmann, „hätten wir die Tiertafel zum Jahresende schließen müssen“. Ohne eigene Räume lasse sich das Projekt nicht umsetzen. „Manche haben uns vorgeschlagen, eine mobile Ausgabe zu machen. Aber wir verteilen monatlich rund vier Tonnen Futter. Da müssten wir mit einem Lkw losziehen. Und an welchem Platz sollte man das machen? Zudem brauchen wir Lagerflächen.“

Die sind nun ausreichend vorhanden. Vieles wird entspannter laufen. „An der Mörikestraße hatten wir aus Platzgründen die Futtervorräte auf dem Flur abgestellt.“ Dadurch war es sehr eng, „wenn rund 100 Menschen mit ihren Tieren auf die Ausgabe warteten, und man da noch mit den Vorräten hantiert“. Jetzt ist das Lager direkt hinter der Futterausgabe, sodass es für die Mitarbeiter nur ein kurzer Weg ist. Ein weiterer Vorteil der größeren Räume: Die Menschen mit den Tieren können sich jetzt besser aus dem Weg gehen. Denn auch das war früher ein Problem: „Dass sich in diesem engen, schmalen Flur Hunde begegnen, die sich nicht verstehen.“

Für den neuen Standort habe man ausreichend Stühle kaufen können, sagt Linda Hüttmann. Ältere und behinderte Tierhalter, können im Sitzen warten. Auch vor der Tierarztpraxis sind die neuen Stühle aufgestellt. „Wir habe eine Zuwendung vom Senat bekommen, damit wir uns Möbel anschaffen können.“ Das alte Mobiliar bestand aus gespendeten Stücken. Die 50 neuen Stühle haben die rote Farbe der Tiertafel und sind abwischbar. „Nun sind wir gut ausgestattet.“ Das Geld, etwa 20.000 Euro, komme von der Landestierschutzbeauftragten.

Auch zwei Mini-Jobber sind im Einsatz

Auch einen Aufenthaltsraum gibt es jetzt. Dort frühstücken die ehrenamtlichen Helfer, bevor die Futterausgabe beginnt. Der Rhythmus der Ausgabe bleibt unverändert. Alle zwei Wochen öffnet die Tiertafel sonnabends von 11 bis 15 Uhr. Bislang kamen 250 bis 300 Kunden an den Ausgabetagen. Sie müssen sich vor Ort registrieren, regelmäßig ihre Einkommensbescheide vorlegen. Das Futter erhalten sie kostenlos. „Auch wer nichts mehr im Portemonnaie hat, soll Zugang zu unserem Angebot haben“, sagt die Vereinsvorsitzende. Hundehalter bringen meist ihre Tiere mit. Katzen sind dagegen selten zu sehen. „Leckerli werden verteilt, im Sommer stellen wir einen Hundepool auf.“ Neben dem Gebäude, in dem die Tiertafel jetzt ihren Sitz hat, befindet sich eine Wiese. „Dort möchten wir Hundetraining anbieten.“

Einen Wermutstropfen bringt der Umzug mit sich. Die neuen Räume sind „ein bisschen weit weg für Menschen, die aus dem West-Teil der Stadt kommen“, sagt Hüttmann. Einige ehrenamtliche Helfer haben deshalb schon angekündigt, dass sie nicht mehr so oft mitarbeiten, weil ihnen der Fahrweg zu lang ist. „Aber es kommen auch wieder neue Helfer“, so die Vereinschefin. „Und in diesem Teil der Stadt erreicht unser Angebot viele Tierhalter, die es bislang nicht wahrgenommen haben.“ Positiv auch: die Nähe zum Tierheim in Falkenberg. „Es ist schön, dass wir jetzt fast Nachbarn sind“, sagt die Tiertafel-Chefin. Als Willkommensgruß habe das Heim eine Futterspende angekündigt. „Mal sehen, ob wir zusammen ein Projekt anschieben.“

Die Tiertafel ist dank zahlreicher Spender und freiwilliger Helfer möglich. „Sie wollen etwas für den Tierschutz tun“, sagt Hüttmann. Zum harten Kern des Teams gehören 30 Ehrenamtliche. „Vom Vorstand bis zum Futter-Abpacker wuppen wir das als Hobby.“ Auch zwei Mini-Jobber, die der Senat seit Sommer 2018 finanziert, sind im Einsatz. „Sie sammeln Spenden ein, beliefern Tierhalter, die wegen ihres Alters oder weil sie gehbehindert sind, nicht zu uns kommen können.“ Die Mini-Jobber organisieren auch eine mobile Hilfe für Obdachlose. „Sie bringen Futter, verteilen auch Hygieneartikel und Essen.“

Mehr Informationen: tiertafel.org