Schulneubau

Neubauten dringend gebraucht: Eine Schule ganz aus Holz

Der Senat muss schnell viele neue Schulen bauen. Dafür setzt er in Lichtenberg nicht mehr auf Beton.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (l.), Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) und Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) in der neuen Sporthalle an der  Sewanstraße.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher (l.), Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) und Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD) in der neuen Sporthalle an der Sewanstraße.

Foto: David HeerdE

Am 10. August ist Einschulung. Für mehrere Tausend Berliner Kinder beginnt dann ein neuer Lebensabschnitt. Rund 75 von ihnen werden die nächsten sechs Jahre in einer ganz besonderen Schule in Alt-Hohenschönhausen verbringen. Denn die ist nicht nur neu und soll modernsten technischen Standards genügen. Sie besteht auch fast ausschließlich aus Fichtenholz. Bis auf wenige Ausnahmen wurde komplett auf andere Baumaterialien verzichtet. Entsprechend riecht es nicht nach Gummi oder Beton, sondern angenehm nach dem hellen Holz, das dank der raumhohen Fenster überall in dem dreigeschossigen Gebäude zu sehen ist.

Am Montag hatte der Bezirk Lichtenberg in den noch nicht ganz fertiggestellten Neubau an der Konrad-Wolf-Straße 11 eingeladen. Während Handwerker mit den letzten Arbeiten beschäftigt waren, wurden viele der Klassenräume bereits eingerichtet. Es ist eine von insgesamt zwei Schnellbauschulen aus Holz, die derzeit im Bezirk gebaut werden. Die andere an der Sewanstraße 43 ist identisch und ebenfalls für 450 Grundschüler ausgelegt. Los geht es in beiden Fällen allerdings nur mit den drei ersten Klassen, wobei die Schülerschaft Jahr für Jahr um eine weitere Stufe wachsen soll.

Neubau hat nur sieben Monate gedauert

Er starte mit einem guten Gefühl in seinen neuen Job, sagte Guido Richter, ab dem Schuljahr 2019/20 Leiter der neuen Schule an der Konrad-Wolf-Straße. „Wir sind alle hoch motiviert und haben den ganzen Bau sehr aufgeregt begleitet.“ Der dauerte nur wenige Monate. Im Januar wurde der Grundstein gelegt, im August soll das Gebäude und im November die neue Sporthalle übergeben werden. Ab Mitte 2020 soll auch der Schulhof genutzt werden können, der heute noch mit Baumaschinen und Containern zugestellt ist. Weil der Bau an der Sewanstraße drei Monate später startete, soll es hier erst im Januar mit dem Unterricht losgehen.

„Ich glaube, so schnell haben wir seit Langem nicht mehr gebaut“, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Das sei vor allem durch die Modulbauweise möglich gewesen. Vorgefertigte Holzboxen, bereits mit Decken und Fußböden versehen, wurden einfach neben- und übereinander gestellt und miteinander verschraubt. Holz eigne sich aber nicht nur besonders für die Vorfabrikation von Bauteilen, sondern sei auch leichter zu transportieren und habe als Baustoff eine positive CO2-Bilanz, so Lüscher weiter. „Und es gibt keinen Grund, warum eine Holzschule nicht länger halten soll als eine Massivbauschule.“ Es sei sogar widerstandsfähiger. Man müsse das Holz nur vor der Witterung schützen. An der Sewanstraße geschieht das durch einen Anstrich, an der Konrad-Wolf-Straße durch eine Aluminiumfassade.

Berlin will bis 2026 mehr als 60 neue Schulen bauen

Beide Schulen entstehen im Rahmen der Schulbauoffensive des Berliner Senats. Sie kosten pro Stück 25 Millionen Euro und sind zwei von insgesamt zehn Neubauten dieser Art in Berlin, die in der ersten Runde des Programms entstehen. In der zweiten seien mit 21 doppelt so viele geplant, sagte Bildungsstaatssekretärin Beate Stoffers (SPD). Bis 2026 sollen mehr als 60 neue Schulen für 2,8 Milliarden Euro gebaut werden, um den wachsenden Bedarf zu decken. „Insgesamt brauchen wir 60.000 Schulplätze.“

Die sollen allerdings auch auf anderen Wegen geschaffen werden. „Es ist ein Zusammenspiel von Schulneubau, kapazitätserweiternder Sanierung, Reaktivierung, modularer Schulergänzungsbauten und temporärer Zwischenlösung wie Bauten in Containerweise“, so Stoffers weiter. In diesem Jahr habe man 2300 neue Schulplätze schaffen können.

Großer Bedarf durch immer mehr Familien in Lichtenberg

Die Nachfrage an neuen Schulplätzen im Bezirk sei riesig, sagte Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke). „Wir brauchen mehrere Tausend Schulplätze, sowohl im Oberstufenbereich, vor allem aber bei den Grundschulen.“ Allein in Alt-Hohenschönhausen würden in den nächsten Jahren 4000 neue Wohnungen entstehen. Laut Grunst ist es neben Karlshorst und Friedrichsfelde eines der am dynamischsten wachsenden Gebiete des Bezirks. „Der Bedarf ist aber nicht nur da, weil wir wachsen, sondern wir uns als Bezirk auch massiv verjüngen.“ So würden immer mehr junge Familien nach Lichtenberg ziehen.

„Wir versuchen jetzt auch viel aufzuholen, weil die Schulbauoffensive ein paar Jahre zu spät angefangen hat“, so Grunst weiter. Aktuell sei die Situation allerdings noch händelbar – eine Zwischenphase, in der die bestehenden Schulen voller und Fach- zu Klassenräumen umfunktioniert würden. Die Neubauten böten Entlastung. „Ich glaube, dass die Schulbauoffensive ein Beispiel dafür ist, dass etwas Gutes entsteht, wenn Senat und Bezirke zusammenarbeiten“, sagte der Lichtenberger Rathauschef, der auf zwei weitere Schulen in der nächsten Neubaurunde in Karlshorst und Rummelsburg hofft.