Nach dem Großbrand

Händler im Dong Xuan Center zweifeln am Brandschutz

Das Dong Xuan Center ist Berlins größter Asiamarkt. Doch nach dem Feuer in einer Lagerhalle geht bei vielen Mietern die Angst um.

Eine Markthalle im Dong Xuan Center in Lichtenberg: Nach dem Feuer in einer Lagerhalle sorgen sich die Händler um den Brandschutz.

Eine Markthalle im Dong Xuan Center in Lichtenberg: Nach dem Feuer in einer Lagerhalle sorgen sich die Händler um den Brandschutz.

Foto: Reto Klar

Berlin. Vielleicht gibt es doch kein Geld zu verdienen für Duc Anh Dang. Der Kunde jedenfalls winkt schon ab. 130 oder 180 Euro für die Reparatur des Smartphone-Bildschirms – das lohne sich doch nicht mehr. Duc Anh Dang stimmt zu. Der 21 Jahre alte Verkäufer ist Mitarbeiter eines Smartphone-Reparatur-Geschäfts im Dong Xuan Center in Lichtenberg. Zwei Tage nach dem verheerenden Brand einer Lagerhalle im größten Asiamarkt Berlins ist der Alltag zurückgekehrt.

Duc Anh Dang erinnert sich an den Brand, der am Donnerstagmittag ausgebrochen war. Noch ist nicht klar, warum. Dang musste sein Geschäft auf Anweisung der Polizei dann schließen. „Das war eine Mischung zwischen Lachen und Weinen“, sagt er. Einige Menschen auf dem Gelände seien froh gewesen, weil sie früher nach Hause gehen konnten. Andere wiederum bangten um ihr Hab und Gut, das in der in Flammen stehenden Halle vermutlich verbrannte.

Feuerwehr löscht auch am Sonnabend noch Glutnester im Dong Xuan Center

Auch am Sonnabend ist die Feuerwehr noch vor Ort, löscht mit einem Dutzend Kameraden einzelne Glutnester. Auf dem Gelände ist der Brandgeruch allerdings kaum noch wahrzunehmen. Bei dem kurzen Spaziergang von der Straßenbahn zu den Markthallen können Kunden aber noch Spuren des Löscheinsatzes erkennen: Weil auf dem Gelände zu wenige Hydranten bereitstanden, musste die Feuerwehr Schläuche mehrere hundert Meter weit legen. Diese liegen auch am Sonnabend noch dort.

Auch Rentner Peter Kuhnt ist am Sonnabendmorgen nach Lichtenberg in das Dong Xuan Center gefahren. Er kommt aus Köpenick. Nun steht er am Verkaufstresen von Duc Anh Dang. Der Akku seines Smartphones müsse getauscht werden, erzählt Kuhnt. In einer halben Stunde könne er sein Gerät wieder abholen. Dann sei das erledigt, für lediglich 30 Euro. „Gehen Sie mal zu Media Markt. Da sind Sie gleich 100 Euro los. Der Service ist hier Eins A“, sagt Kuhnt. Seit Jahren kommt er hierher, manchmal einfach nur, um zu schauen.

Immer wieder brennt es im Dong Xuan Center

Denn der Asiamarkt mit acht Markthallen ist für viele Besucher der kurzzeitige Ausflug in eine andere Welt. Laut ist es in vielen Hallen und bunt. Nagelpflegestudios, Friseure und Massagesalons buhlen um Kunden. In den schmalen Gängen haben die Geschäfte ihre Waren ausgehängt. Etwa 250 Händler, vor allem aus Vietnam, Indien, China und Pakistan, hoffen jeden Tag auf gute Geschäfte.

Ein Mann, der sich Singh nennt, bietet in einem kleineren Verkaufsraum Töpfe, Wasserkocher und andere Küchenutensilien an. Singh will seinen richtigen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen, aber er will über die Folgen des Brands von Donnerstag reden. Man solle sich doch hier nur mal umschauen.

Waren liegen dicht an dicht. Die kleinen Geschäfte grenzen unmittelbar aneinander. Es gibt keine Sprinkleranlagen. Wer solle so schnell löschen, wenn hier mal ein Feuer ausbreche, fragt Singh. Zudem befürchtet er nun noch weniger Kundschaft als zuvor. „Die Geschäfte laufen schlecht. Jetzt haben die Leute wieder Angst“, sagt der gebürtige Inder.

Zwei Tage nach dem neuerlichen Brand ist noch nicht klar, wie es dazu kam. Nach Angaben der Polizei komme ein technischer Defekt genauso infrage wie Brandstiftung. Mindestens zwölf Händler haben durch die Flammen ihre eingelagerten Waren verloren. Betroffene Geschäfte bleiben am Sonnabend größtenteils geschlossen.

Im Dong Xuan Center wird immer wieder ermittelt

Das Dong Xuan Center ist aber auch immer wieder im Visier polizeilicher Ermittlungen. Erst 2018 hatte die Bundespolizei bei einer Razzia neben mehreren Wohnungen auch das Center durchsucht, zahlreiche Akten wurden beschlagnahmt. Die Aktion richtete sich gegen eine Schlepperbande aus Vietnam. Die Verdächtigen sollen Scheinehen mit Deutschen organisiert haben, um Vietnamesinnen nach Deutschland zu bringen – als billige Arbeitskräfte.

Long Thien Vu hilft nur noch ab und zu in dem Geschäft seiner Mama aus. Eigentlich träumt er davon, diesen Ort eines Tages zu verlassen. Seit einiger Zeit studiert er in Berlin Handelsmanagement.

Rentner Peter Kuhnt holt nach einer halben Stunde sein repariertes Smartphone wieder ab. Er werde dem Dong Xuan Center weiter treu bleiben, schon alleine aus familiären Gründen, sagt er. Seine Frau sei Vietnamesin. Und ohne die Hilfe eines Dolmetschers, der in einem Bürogebäude auf dem Gelände seinen Schreibtisch aufgebaut hat, wäre er jetzt wohl nicht wieder verheiratet: Der Übersetzer hatte damals beim Ausfüllen vieler Formulare geholfen und auch zwischen den Behörden in Vietnam und hier in Berlin vermittelt.