Tierheim Berlin

Schäferhündin Rosel - Pure Lebenslust auf drei Beinen

Hündin Rosel ist das Sorgenkind im Tierheim. Sie hat durch eine Amputation ein Bein verloren. Jetzt bekommt sie eine Physiotherapie.

Schäferhündin Rosel mit Tierphysiotherapeutin Patricia Wegener.

Schäferhündin Rosel mit Tierphysiotherapeutin Patricia Wegener.

Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE FOTO SERVICE / FUNKE Foto Service

Berlin.  Rosel ist eine lebhafte Hündin. Sie rennt durch das Gehege im Tierheim Berlin in Falkenberg, springt an ihrer Tierpflegerin Janina Wiegold empor und ist im nächsten Moment im Wasserbassin abgetaucht. Schon ist sie wieder draußen und schüttelt sich. Dann beginnt das Herumtoben von Neuem.

Rosel ist ein Schäferhund-Mischling. Trotz ihrer Lebhaftigkeit ist sie das Sorgenkind unter den 36 Hunden, die Janina Wiegold betreut. Denn das Tier hat nur drei Beine. Eines musste amputiert werden, nachdem die Hündin im Jahr 2017 ins Tierheim gekommen war. Man hatte sie verletzt in einem Straßengraben gefunden. Die linke Vorderpfote war entzündet und konnte nicht gerettet werden. Doch die sechsjährige Rosel kann unterdessen geschickt die Balance halten. „Sie ist ein toller Hund und sehr lernfreudig“, sagt ihre Pflegerin. „Hier auf dem Gelände verhält sie sich super.“

Mehr als 1400 Tiere leben derzeit auf der Anlage am Hausvaterweg. 16 Hektar groß ist das Gelände. Die Tiere sind in vier großen Katzenhäusern, sechs Hundehäusern, einem Kleintier- und einem Vogelhaus untergebracht. Reptilien und Affen leben in der Exotenstation. Von Mittwoch bis Sonntag öffnet das Tierheim seine Türen für die Öffentlichkeit um 13 Uhr. Dann ist es mit dem Herumtollen für Rosel und die anderen Hunde vorbei, sie sitzen in ihren Boxen. Die Besucher gehen durch die Häuser und sehen sich die Tiere an – und manchmal findet sich jemand bereit, einem der Bewohner ein neues Zuhause zu geben.

Ein erster Versuch blieb ohne Erfolg

Dieses Glück hatte Socke, ein blinder Dackel-Pinscher-Mischling, der nach einer Operation keine Augen mehr hat. Ähnlich wie jetzt Rosel war er der Liebling der Tierpfleger und tollte trotz seines Handicaps begeistert umher. Doch Rosel verlebt mittlerweile den dritten Sommer in Falkenberg. „Dabei hätte sie es so sehr verdient, ein neues Zuhause zu finden“, sagt Janina Wiegold. Dieses neue Heim sollte ebenerdig sein und ruhig.

Doch Rosel hat ein Problem. Sie ist unsicher gegenüber Fremden und reagiert in ungewohnten Situationen aggressiv. „Sie muss erst Vertrauen fassen“, sagt ihre Tierpflegerin. Vor Kurzem hatte die Hündin bei einem neuen Herrchen auf Probe gewohnt. Gleich am ersten Tag besetzte sie die Couch und verteidigte ihren Platz mit Knurren, Zähnefletschen und Schnappen. So kam sie schnell zurück ins Tierheim. Dessen ehrenamtliche Helfer führen Rosel gern aus. „Alle lieben sie, weil sie hier unkompliziert ist“, sagt Janina Wiegold.

Zur Abkühlung gibt es in diesen Tagen Hunde-Eis

Dass die Hündin trotz ihrer Behinderung umherspringen kann, dazu trägt auch Patricia Wegener bei. Die 28-Jährige ist Tierpflegerin und hat eine Ausbildung als Tierphysiotherapeutin. Seit Anfang der Woche versucht sie, Verspannungen im Nacken und in der Schulter von Rosel zu lösen. Der erste Halswirbel stehe schief, sagt Patricia Wegener. „Das ist durch die drei Beine bedingt. Diese Verspannungen werden immer wieder auftreten.“ Mit kleinen Leckerbissen und Streicheleinheiten gelingt es ihr, dass die Hündin für einige Minuten still sitzt und sich behandeln lässt. An welcher Stelle das Tier Schmerzen hat, spürt die Pflegerin bei ihrer Massage.

Mehr als 350 Hunde leben derzeit im Tierheim im Nordosten Berlins. An diesen heißen Sommertagen können sie sich im Pool, in Bottichen und Wannen auf dem Gelände abkühlen. Und es gibt einen besonderen Leckerbissen: Hunde-Eis. Zubereitet wird es von den Pflegern am Vorabend. Sie füllen den Hohlraum in einem Spielzeug aus Naturkautschuk mit Joghurt, Leberwurst oder mit Hundefutter aus der Dose. Dann kommt das Ganze ins Gefrierfach. Am nächsten Tag können die Hunde das Spielzeug mit Zähnen und Zunge bearbeiten und die Füllung herausholen. Eine weitere Möglichkeit, der Hitze zu begegnen, bieten Kühlmatten. Wenn sich das Tier daraufstellt oder ausstreckt, sinkt die Temperatur in der Matte.

In den ersten Ferientagen bereits 25 Tiere abgegeben

Seit Beginn der Sommerferien sind verstärkt Fundtiere am Hausvaterweg abgegeben worden. In den ersten fünf Tagen waren es sechs Wellensittiche, elf Katzen, sechs Hunde, eine Schildkröte und ein Kaninchen. Das sei zwei- bis dreimal so viel wie sonst, sagt eine Sprecherin. Das Heim bekommt auch Zuzug auf dem Luftweg. 16 Enten haben die Teiche auf dem Gelände entdeckt, auf denen derzeit die Seerosen blühen. Entenküken schwimmen umher. Auch Goldfische, Kois und ein großer, alter Karpfen leben in den Teichen – und Schildkröten. Sie wurden nicht von Tierheim-Mitarbeitern ausgesetzt, sondern vermutlich von Besuchern.

Wer das große Gelände und seine Bewohner in Augenschein nehmen möchte, hat am 11. August, 11–18 Uhr, dazu Gelegenheit. Dann ist Tag der offenen Tür im Tierheim Berlin. Auf dem Programm stehen Vorführungen wie das Pitbullballett und ein Hunderennen über einen Hindernisparcours. Marktstände sind aufgebaut. Die Besucher können sich bei Führungen informieren. Expertengespräche und Kurzvorträge sind vorgesehen. Im vergangenen Jahr kamen etwa 10.000 Besucher zum Tag der offenen Tür.

Mehr Informationen zu Rosel: tierschutz-berlin.de/tiere/rosel/