Wohnen

„Tiny House Ville“ macht auf Berliner Problem aufmerksam

Ausstellung „Tiny House Ville“ auf dem Kundenparkplatz von Ikea in Lichtenberg zeigt die prekäre Wohnsituation vieler Berliner.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst, Bildhauer Thomas Pollhammer und Minihaus-Gründer Van Bo Le-Mentzel (v.l.) im „Tiny House Ville“ auf dem Kundenparkplatz von Ikea Lichtenberg.

Bezirksbürgermeister Michael Grunst, Bildhauer Thomas Pollhammer und Minihaus-Gründer Van Bo Le-Mentzel (v.l.) im „Tiny House Ville“ auf dem Kundenparkplatz von Ikea Lichtenberg.

Foto: BA Lichtenberg

Lichtenberg. Das Brandenburger Tor steht neuerdings in Lichtenberg, allerdings ist es aus Holz und nur acht Quadratmeter groß. Eingeweiht wurde diese Mini-Version gestern in „Tiny House Ville“ auf dem Parkplatz von Ikea an der Landsberger Allee 364 von Bildhauer Thomas Pollhammer und Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke).

Das mit Genehmigung und Unterstützung des schwedischen Möbelriesen aufgestellte temporäre Dorf aus mehreren Mini-Häusern auf Pkw-Anhängern macht auf die prekäre Wohnsituation vieler Menschen in Berlin aufmerksam. Und so ging es im Gespräch dann auch um „angemessenen Wohnraum“, Tiny Houses als Selbstermächtigungs-Methode und die „Housing First“-Idee des Senats.

Gemeinsam mit Van Bo Le-Mentzel, dem Gründer der Tiny Foundation, sprachen Bürgermeister und Bildhauer auch darüber, unter welchen Bedingungen temporäres Wohnen im öffentlichen Raum wie beispielsweise auf Parkplätzen die Zeit zu überbrücken hilft, bis alle obdachlosen Menschen in Wohnungen untergebracht sind.

Acht Jahre unentdeckt im Plänterwald gelebt

Thomas Pollhammer selbst lebte acht Jahre im Plänterwald in einer selbst gebauten Hütte. Zuvor war der gebürtige Bayer einige Zeit als Straßenkünstler im Süden Europas unterwegs. Doch das Leben dort sei immer stärker reglementiert worden: „In Italien bekommst du schon einen Strafzettel, wenn du in einer Touristenstadt auf dem Boden sitzt“, so Pollhammer.

Sein Versuch, sich in Berlin eine Existenz aufzubauen, scheiterte, für eine Wohnung reichte das Geld nie. Also zog er in den Wald, bis seine Hütte Anfang Februar von einem Förster entdeckt wurde. Die gemeinnützige Tiny Foundation hat dem Künstler in einer spektakulären Wochenendaktion das Haus auf einen fahrbaren Untersatz gesetzt und im „Tiny House Ville“ in Lichtenberg untergebracht.

Wohnen, kochen, arbeiten, schlafen und duschen könne man auf neun Quadratmetern gut, meint Le-Mentzel. Wer sich allerdings sein Leben ohne die Unmenge an Konsumgütern, die wir um uns versammeln, nicht vorstellen kann, wird sich in einem Tiny House nie zu Hause fühlen.

„Kein Ersatz für bezahlbaren Wohnraum“

Für alle anderen seien die Häuschen eine Chance für bezahlbaren Wohnraum, für soziale Durchmischung statt Monokulturen und für Integration statt Gettobildung. „Tiny Houses sind kein Ersatz für bezahlbaren Wohnraum, aber eine sinnvolle Ergänzung“, fand dann auch Bezirksbürgermeister Grunst.

Auch das gerade eingeweihte Lichtenberger Tor beweist, dass Platz in der kleinsten Hütte ist: Zwischen den Stützen befinden sich eine öffentliche Bücherei mit „99 Books“, ein Sozialkiosk, eine öffentliche Dusche und ein Kompostklo.

Die Ausstellung „Tiny House Ville“ ist noch bis 13. Mai auf dem Kundenparkplatz zu sehen.