Kunst

Außergewöhnliche Kunstwerke aus Licht gibt es in Rummelsburg

In seinem Design-Studio am Ufer des Rummelsburger Sees kreiert Christopher Bauder außergewöhnliche Kunstwerke aus Licht.

Schon als Kind baute er Lichtskulpturen mit Taschenlampen: Christopher Bauder, Geschäftsführer von White Void/Kinetic Lights in seinen Studios in Lichtenberg.

Schon als Kind baute er Lichtskulpturen mit Taschenlampen: Christopher Bauder, Geschäftsführer von White Void/Kinetic Lights in seinen Studios in Lichtenberg.

Foto: Reto Klar

Lichtenberg. Den Beginn seiner Arbeit vergleicht Christopher Bauder mit einem Schriftsteller, der vor einem leeren Blatt Papier sitzt. Und so kam auch der Name für sein Design-Studio zustande: White Void, weiße Leere. „Auch wir haben mit gar nichts angefangen,“ erinnert sich der 45-jährige Wahlberliner.

Das Gestalten mit digitalen Medien oder anders gesagt kreatives Softwareprogrammieren ist seine Passion. Immer mit dabei: das Licht. So heißt denn auch ein Bereich seines Unternehmens „Kinetic Lights“, bewegte Lichter. „Schon als kleines Kind war ich von Licht fasziniert und habe mit der Taschenlampe Lichtskulpturen gebaut“, erinnert er sich.

2004 hat er das Unternehmen gegründet. Im September 2016 erfolgte der Umzug von einem kleinen Ladenlokal in Prenzlauer Berg in die Spreestudios. Heute arbeiten 31 feste Mitarbeiter aus elf Nationen in den Räumen an der Köpenicker Chaussee mit Blick auf die Rummelsburger Bucht. Dazu gibt es 20 freischaffende Techniker, Arbeitssprache ist Englisch.

Ein internationales Unternehmen – in beschaulicher Lage am Seeufer. Während vorn der Verkehr Richtung Köpenick und Innenstadt braust, grasen hinten Schafe, auch die Bienen, die Stromversorger Vattenfall im nahen Heizkraftwerk Klingenberg angesiedelt hat, finden hier reichlich Futter.

Früher war hier die Fahrbereitschaft des DDR-Zolls untergebracht. Heute treffen sich auf dem Gelände Kunst, Design und Technologie.

Landesverdienstorden für die Lichtgrenze

Sein erfolgreichstes Projekt in Berlin ist die Lichtgrenze, die er zusammen mit seinem Bruder Marc zum 25. Jahrestag des Mauerfalls geschaffen hat. Stolz erzählt er von den 8000 Stelen mit leuchtenden Kautschukballons, die auf dem früheren Mauerverlauf zwischen Bornholmer Straße und Oberbaumbrücke aufgestellt wurden.

Mancher hatte seinerzeit bemängelt, dass die Lichter auf ihrer Reise in den Nachthimmel verloschen, aber das hätte Umweltschutzgründe gehabt, erklärt Bauder, der an der Universität der Künste Visuelle Kommunikation und Experimentelle Mediengestaltung studiert hat. Das Ballon-Material würde sich abbauen, nicht aber die Leuchtdioden, die zur inneren Beleuchtung nötig gewesen werden.

Das tat der Aktion jedoch keinen Abbruch. Es gab den Landesverdienstorden, „Lichtgrenze“ wurde zum Wort des Jahres 2014 gekürt. Doch auch für seine anderen Installationen, etwa für Veranstaltungen und Messen, hat Bauder bereits viele Designpreise gewonnen.

„Lichtfestivals zeigen mehr Masse als Klasse“

Interaktive Erlebnisse - von der Licht-Installation für die temporäre Eislaufbahn im Berghain bis zum virtuellen Orchester, das sich im Museum des Mendelssohn-Hauses in Leipzig dirigieren lässt, sind seine Spezialität. Dafür ist er weltweit unterwegs – von Frankreich über Taiwan und China bis Kanada.

Seine Arbeiten bei Lichtfestivals wie dem von Lichtdesigner Andreas Boehlke initiierten Berliner Festival of Lights zu präsentieren, findet er problematisch: „Oft wird dort leider mehr Masse als Klasse gezeigt und die Budgets sind meist nicht ausreichend für meine großformatigen und komplexen Installationen.“ Deshalb bevorzuge er es inzwischen, seine Lichtkunstwerke als Solo-Ausstellungen zu zeigen.

Mechatronisches Theater spricht die Sinne an

dazu gibt es beispielsweise vom 12. Juli bis 24. August im Kraftwerk Berlin. Die audiovisuelle Installation „Deep Web“, die er gemeinsam mit dem Komponisten und Musiker Robert Henke geschaffen hat, lief bereits vor einigen Jahren für ein paar Tage beim CTM Festival. Die Nachfrage sei enorm gewesen, dass sie jetzt noch einmal für sechs Wochen gezeigt wird. Besucher könnten sich dabei auf ein „Ballett aus schillernden, bewegten Lichtern, Laservektoren und Surround Sound“ in der spektakulären Kulisse des ehemaligen Heizkraftwerks Mitte freuen.

Licht, Bewegung und Musik, das seien die Reize, auf die Menschen anspringen, ein mechatronisches Theater, sagt Christopher Bauder, „Am Ende ist immer die Software“. Aber auch die für seine Werke benötigte Hardware wird in seinem Unternehmen hergestellt. In der Werkstatt reihen sich die Regale mit Kisten voller Kabel, Adapter und Batterien. Gerade werden Seilwinden für den Cirque de soleil in Montreal gebaut.

Neben dem Geweih eines Hirsches, den sein Opa am Tag von Bauders Geburt geschossen hat, hängt in Bauders Büro eine Glühlampe und eine Vogelfeder. Das Projekt heißt „Ikarus“ und stammt noch aus seinem Studium: Man pustet gegen die Feder, durch deren Bewegung die Lampe zu leuchten beginnt – bewegtes Licht sozusagen.