Mietwucher

Bürgermeister Grunst schreibt wütenden Brief an Vermieter

17,80 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter fordert Eigentümer Akelius für eine einfache Wohnlage in Lichtenberg. Das sorgt für Protest.

Für eine Wohnung in diesem Haus in der Egmontstraße fordert Eigentümer Akelius eine Kaltmiete von 17,80 Euro pro Quadratmeter.

Für eine Wohnung in diesem Haus in der Egmontstraße fordert Eigentümer Akelius eine Kaltmiete von 17,80 Euro pro Quadratmeter.

Foto: Rita Schulze

Lichtenberg. In die aktuelle Mietendiskussion mischt sich nun auch Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) ein. Auslöser: ein Wohnungsangebot des schwedischen Wohnungskonzerns Akelius. Für eine 45,92 Quadratmeter große Zweizimmerwohnung in der Egmontstraße nahe dem Bahnhof Lichtenberg, eine laut Mietspiegel einfache Wohnlage, will der Vermieter 17,80 Euro nettokalt pro Quadratmeter. Mit Nebenkosten entspricht das einer Gesamtmiete von 920 Euro.

Und die wird er auch bekommen. Denn, so Grunst, sind es Firmen, die Wohnungen zu solch absurden Preisen für ihre Mitarbeiter mieten, was wiederum verheerende Auswirkungen auf den Mietspiegel hat. Dieser liegt in diesem Wohngebiet noch zwischen 4,81 und 9,21 Euro. Seinem Ärger hat Grunst nun in einem Brandbrief an Akelius Luft gemacht.

„Offenbar keine Vorstellungen“

Darin schreibt er unter anderem: „Sie haben offenkundig keine Vorstellungen darüber, was Lichtenbergerinnen und Lichtenberger derzeit an Einkommen generieren.“ Und weiter: „Sie vermitteln sehr stark den Eindruck, dass es weiterer bundes- und landesgesetzlicher Regelung zur Deckelung von Mietpreisen braucht.“ Das Wohnungsangebot greife aus seiner Sicht tief in das soziale Gefüge des Kiezes ein.

Laut Akelius ist die Wohnung umfassend saniert worden, nachdem der Vormieter ordentlich zum Frühjahr 2018 gekündigt habe. Die Entwicklung sei also konform der Mietpreisbremse. Die funktioniere einfach nicht, schimpft Grunst am Rande einer Veranstaltung am Mittwoch.

Noch wütender mache ihn aber, dass er nicht viel ausrichten könne, denn das Haus gehört Akelius. Er setzt seine Hoffnungen auf den Mietendeckel, auch will er versuchen, Milieuschutzgebiete auszuweiten. Noch tiefer in die Taschen seiner Mieter greift Akelius übrigens im Nachbarbezirk Friedrichshain: Ein nicht mal 30 Quadratmeter großes Einzimmerapartment in einem Plattenbau aus den 1970er-Jahren wird auf der Website für 900 Euro angeboten.

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