Reitsport

Lichtenberg bereitet sich auf die WM der Islandpferde vor

Vom 4. bis 11. August wird im Pferdesportpark Karlshorst Tölt, Pass und Rennpass präsentiert. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.

Reiterin Viktoria Große zeigt Gangarten, über die nur Islandpferde verfügen.

Reiterin Viktoria Große zeigt Gangarten, über die nur Islandpferde verfügen.

Foto: Rita Schulze

Wenn in wenigen Monaten der legendäre isländische Anfeuerungsruf „Hu“ in Karlshorst erschallt, gilt er nicht Fußballern, sondern Pferden: Vom 4. bis 11. August findet hier die Islandpferde-Weltmeisterschaft statt. Zum zweiten Mal nach 2013 ist Berlin Ausrichtungsort der alle zwei Jahre stattfindenden Großveranstaltung.

An den Start gehen im Pferdesportpark Karlshorst aber nicht nur Tiere von der Insel südlich des Polarkreises. Der Islandpferdeverband FEIF hat weltweit 21 Mitgliedsländer, darunter auch die USA und Kanada, Australien und Neuseeland.

Schon der Auftakt soll spektakulär werden: In 40 Etappen wird eine Stafette aus rund 100 Reitern von den Niederlanden nach Deutschland kommen. Die letzte Etappe führt vom Brandenburger Tor zur Treskowallee nach Karlshorst. „An die 100 Pferde wurden dafür gecastet, denn die Tiere müssen straßensicher sein“, sagt Pressesprecherin Charlotte Erdmann.

Bis zu 52 Stundenkilometer schnell

Dabei gelten Islandpferde generell als entspannte Charaktere, sind ausdauernd, genügsam, zuverlässig und einfach in der Handhabung. Das kann auch Viktoria Große bestätigen. Die 23-jährige gebürtige Berlinerin errang mit ihrem bis zu 52 Stundenkilometer schnellen Pferd Krummi den deutschen Meistertitel im Passrennen.

Zur Demonstration ihres Könnens hat sie zum Termin Kvikur mitgebracht, der ebenfalls in der Herde von 80 Pferden des Gestüts Hollerbusch lebt, auf dem Viktoria Große arbeitet. Mit dem 19-jährigen Wallach, den sie schon aus ihren Anfangstagen als Reiterin kennt, wird sie auch bei der Weltmeisterschaft antreten. Die Chancen stehen gut, meint Große: „Ab 15 Jahren aufwärts werden Isländer immer schneller.“

Die letzte Weltmeisterschaft hat sie noch als Juniorin von der Tribüne aus verfolgt. Für den Reitsport begeistert sie sich seit 2005, nachdem sie bei der „Icehorse“ im Eisstadion Wilmersdorf Islandpferde mit ihren Spezialgangarten Tölt, Pass und Rennpass erlebt hat. Diese führt Kvikur nun vor, die anderen nervösen Traber, die ihre Trainingsrunden mit dem Sulky absolvieren, interessieren ihn ebensowenig wie der aufgeschreckte Hase, der über die Bahn hoppelt.

300 Tiere ziehen ins Reittherapiezentrum

Ein bis zwei Stunden täglich trainiert Viktoria Große mit ihm, dabei ist aber aber mindestens ein Tag pro Woche der Entspannung gewidmet. Die Brandenburger Wälder seien für das Training ideal, findet sie: Pass kann nur auf gerader Strecke geritten werden.

Für die Prüfungen in dieser Gangart steht im Pferdesportpark eine 250 Meter lang Passbahn zur Verfügung. Auf der Ovalbahn werden Tölt, Vier- und Fünfgang geprüft.

Untergebracht werden die rund 300 Tiere im dann fertiggestellten Reittherapiezentrum, das sich an die Trabrennbahn anschließt. Die Reiter campen auf der Wiese dahinter, sagt Bernhard Fliß, 1. Vorsitzender des Islandpferde Sportvereins Berlin (ISB). Die 2013er Weltmeisterschaft hätte Isländer als echte Sportpferde ins Bewusstsein der Menschen gebracht, freut er sich.

Pferdewetten finden heutzutage meist im Internet statt, doch mit dem Therapiezentrum soll die Trabrennbahn erhalten werden, Ziel ist es, möglichst viele Pferde nach Berlin zu bringen, so Fliß.

Zeltstadt mit Gastronomie für die Besucher

Der Termin für die Weltmeisterschaft, die unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) steht, ist auf jeden Fall gut gewählt: Die Großveranstaltung kollidiert nicht mit dem sonstigen Programm. Im August ist weder Trainings- noch Rennzeit, weiß Bernhard Fliß, die Traber sind in der Sommerpause.

Derzeit entstehen auf dem Gelände des Pferdesportparks eine ganze Reihe dauerhafter und temporärer Bauten: Die große Tribüne an der Trabrennbahn wird nicht genutzt. Die 12.000 pro Tag erwarteten Zuschauer bekommen eine eigene Tribüne, die einen besseren Blick auf das kleine Oval und die Rennpassbahn ermöglichen soll. Für sie gibt es außerdem eine Zeltstadt mit viel Gastronomie, ein Riesenrad soll für den Überblick sorgen.

Tagestickets kosten ab zehn Euro, Wochentickets ab 194 Euro, Wochenendtickets ab 162 Euro. Kinder und Jugendliche (sechs bis einschließlich 14 Jahre) erhalten 50 Prozent auf den Ticketpreis. Mehr unter www.wm2019.berlin

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