Frühlingsanfang

Runter mit der Wolle: 400 Kita-Kinder bei Schafschur dabei

Mit ihren Rauhwolligen Pommerschen Landschafen betreibt die Agrarbörse Deutschland Ost urbane Landwirtschaft und Umweltbildung.

Rund 400 Kitakinder kamen zur Schafschur in den Landschaftspark Herzberge

Rund 400 Kitakinder kamen zur Schafschur in den Landschaftspark Herzberge

Foto: Rita Schulze

Tierischer Frühjahrsputz im Landschaftspark Herzberge: Bevor in rund einem Monat die Lämmer das Licht der Welt erblicken, wurden die Rauhwolligen Pommerschen Landschafe von ihrem Winterpelz befreit. Schafscherer Jens Gerbert nahm sich der insgesamt 50 Mutterschafe auf der Großen Weide an der Straßenbahnhaltestelle „Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge“ an - beobachtet von zahlreichen Kita-Gruppen, die anschließend Sperrholzschäfchen mit der frisch geschorenen Wolle umwickeln konnten.

Rund 400 Kinder wären angemeldet für die Aktion, weiß Andreas Plank von der Agrarbörse Deutschland Ost. Der Verein betreibt mit seiner Schafherde Landschaftspflege, urbane Landwirtschaft und Umweltbildung auf dem Parkgelände zwischen Herzbergstraße und Allee der Kosmonauten.

Zum Programm gehören neben den „wolligen Begegnungen“ auch Entdeckungstouren, bei denen Kinder, aber auch Erwachsen zu jeder Jahreszeit die Natur mit allen Sinnen erfahren und spielerisch ökologische Zusammenhänge vermittelt bekommen.

Zukunftsweisendes urbanes Parkkonzept

Das gesamte Gebiet des Landschaftsparks Herzberge umfasst circa 100 Hektar Brach-, Wirtschafts-, Wohn- und Grünflächen. Das Kerngebiet von circa 20 Hektar setzt sich aus ehemaligen Gartenbaubetriebsflächen im Süden, dem ehemaligen Rangierbahnhof Roeder im Westen, dem alten Lichtenberger Stadion im Norden, verschiedenen waldartigen Biotopen und Weideflächen für Schafe zusammen.

Seit 2004 arbeiten der Bezirk Lichtenberg, die Agrarbörse Deutschland Ost und verschiedene Fördermittelgeber an der Umsetzung eines zukunftsweisenden urbanen Parkkonzepts mit landwirtschaftlicher Nutzung als Kernelement.

Ehemalige Gartenbauflächen und Industriegelände sind seitdem zurückgebaut und renaturiert worden. Erholungssuchende finden hier viele Kilometer Rad- und Fußwege sowie Rastplätze an Weideflächen und Streuobstwiesen.

Die Hauptarbeiten sind abgeschlossen, so dass seit Sommer 2009 auf den Flächen Rauhwollige Pommersche Landschafe weiden.

Die Schafe, die Wind, Kälte und Regen hervorragend trotzen, werden hier regelmäßig als „lebendige Rasenmäher“ zur Landschaftspfleger eingesetzt. Sie dämmen den Gehölzaufwuchs ein und ihr „goldener Tritt“ fördert das Wachstum einer artenreichen Kräuterschicht. Durch die extensive Beweidung der Freiflächen werden die Bewirtschaftungskosten der Grünflächen gesenkt und gleichzeitig eine landwirtschaftliche Attraktion mitten in Berlin geschaffen.

Lebensraum für seltene Tierarten

Auch den besonders geschützten Tierarten wie zum Beispiel der kürzlich angesiedelten Zauneidechse wird durch das Kurzhalten des Grases ein Lebensraum geschaffen. Ebenso konnten wertvolle Biotope für seltene Arten stabilisiert werden. Hier leben Feldhasen, Molche, Kröten, Nattern, Libellen und Wasserkäfer. Ende Dezember 2018 sind große Teile des Parks als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen worden. Dazu gehört auch die Binnendüne auf dem Gelände des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge mit ihren Kiefernbestand.

Die Schafe selbst stehen ebenfalls auf der Roten Liste der bedrohten Haustierrassen.

Noch vor wenigen Jahren war diese alte Rasse fast völlig von der Bildfläche verschwunden, weil der Ertrag an Fleisch und Wolle hinter dem anderer Rassen zurückblieb. Durch die Initiative begeisterter Züchter gibt es bundesweit heute wieder über 2500 Tiere.

Besonders beliebt sind die Pommern bei Haltern mit kleineren Tierbeständen. Sie schätzen das wildbretartige Fleisch und die Besonderheiten der Wolle, deren unterschiedliche Grautöne mit dem bläulichen Glanz dem Vlies die einzigartige Farbe verleihen.

http://www.umweltbuero-lichtenberg.de