Leistungssport

„Eliteschule des Sports“ in Alt-Hohenschönhausen

| Lesedauer: 7 Minuten
Rita Schulze
Schwimmerin Maya Tobehn freut sich immer wieder, wenn sie ins Wasser springen darf.

Schwimmerin Maya Tobehn freut sich immer wieder, wenn sie ins Wasser springen darf.

Foto: Maurizio Gambarini

Das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin ist eine „Eliteschule des Sports“. Die Schüler dort wollen Medaillen gewinnen.

Berlin. Das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) am Sportforum in Alt-Hohenschönhausen gilt als „Eliteschule des Sports“. In der Tat gibt es auch im internationalen Vergleich kaum eine andere Schule mit so vielen Medaillen bzw. Teilnahmen an Olympischen Spielen, Welt- und Europameistertiteln sowie Schul-Weltmeisterschaften.

Entstanden ist die integrierte Sekundarschule sowie Grundschule 2014 aus der Fusion der Werner-Seelenbinder-Schule und des Coubertin-Gymnasiums im Europasportpark an der Landsberger Allee. Bilder der Namensgeber, des kommunistischen Ringers und des Sportfunktionärs und IOC-Gründers, schmücken den Flur des Schulgebäudes.

Gleich um die Ecke befindet sich eine Art Walk of Fame wie in Hollywood – nur für den Sport. Die Sterne auf dem Fußboden tragen unter anderem die Namen von Diskuswerfer Robert Harting, Wasserspringer Patrick Hausding oder Eisschnellläuferin Jenny Wolf. An den Wänden hängen Fotos erfolgreicher Sportschüler. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie wollen ganz nach oben. Drei von ihnen haben wir getroffen.

Maya Tobehn (16), Schwimmerin: Maya Tobehn ist bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften 2018 siebenmal geschwommen und hat siebenmal gewonnen. Bei der Jugend-Europameisterschaft wurde sie dreimal Zweite und einmal Dritte. Das Schwimmen hat ihr ihre Mutter schon früh beigebracht: „Sie war Schwimmmeisterin bei den Berliner Bäderbetrieben.“

Die 16-Jährige kommt zwar aus Hohenschönhausen, wohnt aber im Internat: „Hier hat man seine Ruhe, ist viel selbstständiger und kann selbst Entscheidungen treffen.“ Nur der direkte Bezug fehle manchmal.

„Beim Schwimmen ganz gut aufgehoben“

Momente, in denen sie keine Lust aufs Schwimmen hat, kennt sie nicht. „Ich freue mich immer wieder, ins Wasser reinzuspringen.“ Für andere Sportarten hält sie sich für zu inkompetent, meint sie lachend: „Bälle gehen gar nicht, beim Laufen falle ich über meine eigenen Füße. Auf dem Eis war ich noch nie, davor habe ich auch Angst. Da bin ich beim Schwimmen schon ganz gut aufgehoben.“

Zeit für Hobbys bleibt ihr kaum, aber was sie noch reizt, ist das Fallschirmspringen. „Zu meiner Jugendweihe haben mir meine Eltern einen Sprung geschenkt, dabei habe ich höllische Flugangst.“ Bisher hat sie den Sprung zwar nur einmal gewagt, „aber wenn ich mal wieder einen freien Sommer habe, möchte ich einen Schein machen, dass ich allein springen darf.“

Ihr Ziel: die Olympischen Spiele – „wie für jeden hier an der Schule“. Auf jeden Fall 2024 und eventuell auch 2028. Vielleicht schon 2020 in Tokio, wenn sie sich über die Staffel qualifiziert. Und in diesem Jahr will sie bei der Jugend-Welt- und Europameisterschaft schwimmen.

Ihr Plan nach der Sport-Karriere: Pathologie. Das habe sie bereits als Kleinkind toll gefunden: „Das Innere des menschlichen Körpers hat mich schon immer fasziniert.“

Clea Reisenweber (15), Bogenschützin:

Eigentlich war das Eis das Element von Clea Reisenweber, nach dem Sportkindergarten kam sie als Eiskunstläuferin an die Schule. „Schon mit zwei Jahren habe ich auf dem Eis gestanden. Doch irgendwann habe ich die Sprünge nicht mehr so hinbekommen“, sagt die Pankowerin, die jeden Morgen von ihrer Mutter zur Schule gefahren wird.

Schnelle Erfolgserlebnisse

Aber sie wollte unbedingt an der Schule bleiben, und wechselte so mit neun Jahren zum Bogenschießen. „Als Anfänger hat man schnelle Erfolgserlebnisse. Man lernt schnell die Grundstruktur der Technik, aber dann ist es schwer, das alles zu verfeinern und stabil zu haben, damit man jeden Schuss genau gleich macht“, erklärt die 15-Jährige, die 2018 Zweite bei der Jugend-Europameisterschaft, und mit dem Team Erste wurde.

Ihre Motivation: „Ich weiß ja, wofür ich es mache – damit ich eines Tages im Erwachsenenbereich erfolgreich bin und internationale Medaillen hole. Wenn es mal nicht so gut läuft, weiß ich, dass auch wieder eine bessere Phase kommt.“ Dem Eis ist sie trotzdem noch treu: als Synchron-Eisläuferin. Ansonsten liest sie in ihrer knapp bemessenen Freizeit gern: „Eigentlich alles außer Krimis.“

Ihr Ziel: „Bei mir war es nie so, dass ich auf ein großes Ziel hinarbeite, ich schaue immer nach vorn zum nächsten Wettkampf. Ich wünsche mir, dass ich eines Tages auch im Erwachsenenbereich erfolgreich bin und internationale Medaillen hole.“

Ihr Plan nach der Sport-Karriere: Zur Polizei, wie viele andere Bogenschützen, möchte sie nicht. Ihr Interesse geht in Richtung Medizin, speziell Zahnmedizin oder Kieferorthopädie.

Lukas Pfretzschner (19), Volleyballer:

Der gebürtige Dachauer pritscht und baggert den Ball im Winter in der Halle und im Sommer im Sand. Der allergrößte Unterschied zwischen beiden Sportarten: „Beim Hallenvolleyball ist das Teamgefühl größer, Beachvolleyball kann man fast mit einer Ehe vergleichen: Man muss sich auf den anderen einlassen, ihn verstehen, wissen, was in seinem Kopf vorgeht.“

Die Sportart sei viel individueller und mental anspruchsvoller. Deswegen und weil man ab einem gewissen Leistungsniveau nicht mehr beides machen könne, möchte er nun komplett zum Beachvolleyball wechseln.

„Berlin war die einzige Lösung“

Volleyball spielt er seit 2010. Dann musste sich Lukas Pfretzschner entscheiden: Leistungssport oder Abitur und Studium. „Ich wollte beides machen, und da war für mich Berlin die einzige Lösung.“ Seit der 11. Klasse wohnt er nun in einem der vier Internatshäuser auf dem Gelände.

„Es ist meine Leidenschaft, dafür brenne ich“, sagt er. Zu seinen größten bisherigen Erfolgen zählt er die Qualifikation für die Youth Olympic Games in Buenos Aires im Herbst 2018: „Das ist das Nonplusultra des sportlichen Wettkampfes im Jugendbereich.“ Der Vize-Weltmeistertitel im Beachvolleyball 2018 zählt auch dazu.

Am Wochenende fährt er gern in die Heimat, um mit Freunden in den Bergen zu wandern. Auch Ski fährt er sehr gern. In letzter Zeit allerdings nicht mehr so häufig, da das Verletzungsrisiko zu groß ist. Außerdem verbiete sein Vertrag Skifahren in der Wettkampfphase. Lieblingsfach? Natürlich Sport. Und Englisch: „Es macht Spaß, sich mit Menschen aus der ganzen Welt unterhalten zu können.“

Sein Ziel: Es zu den Olympischen Spielen zu schaffen. Für diese Saison hofft er, bei den Deutschen Meisterschaften im Herrenbereich und bei der U21-Weltmeisterschaft mit seinem Partner Robin Sowa möglichst gut abzuschneiden.

Sein Plan nach der Beachvolleyball-Karriere: Er möchte auf jeden Fall studieren, hat aber noch keinen konkreten Plan, „weil ich noch nicht weiß, wie lange ich den Leistungssport ausüben werde,“ sagt der 19-Jährige: „Ich nehme, was kommt. Ernährungswissenschaften interessieren mich sehr. Oder BWL, das würde sich gut im Lebenslauf machen.“