Verkehr

Radspur an der Siegfriedstraße wird neu geplant

Der Entwurf von zwei geschützten Radspuren lässt Anwohner um ihre Parkplätze fürchten. Jetzt werden die Alternativen diskutiert.

So sah der Plan der Senatsverkehrsverwaltung für die Siegfriedstraße aus. Wie die Radspur letztendlich gestaltet wird, ist noch nicht entschieden.

So sah der Plan der Senatsverkehrsverwaltung für die Siegfriedstraße aus. Wie die Radspur letztendlich gestaltet wird, ist noch nicht entschieden.

Foto: Changing Cities

Berlin. An der Siegfriedstraße sollen geschützte Radspuren entstehen. Das sorgt bei den Anwohnern für große Aufregung. Entsprechend hoch kochte die Stimmung bereits im Dezember, als die Senatsverkehrsverwaltung das Projekt vorstellte. Zwei Lager kristallisierten sich klar heraus: Das der Anwohner, die auf dem etwa 500 Meter langen Teilstück zwischen Rüdiger- und Bornitzstraßen um "ihre" Parkplätze fürchten, und das der Radfahrer, die ohne Angst vor der Straßenbahn im Rücken und sich plötzlich öffnenden Autotüren rechts von ihnen die Straße entlang radeln wollen. Am Ende gab es nur ein Ergebnis: Eine Umplanung muss her.

Vertreter beider Lager waren denn auch zur Sitzung des Ausschusses für öffentliche Ordnung, Verkehr und Bürgerdienste am Dienstag in den Saal 100 des Rathauses gekommen, wo die umstrittene Spur, die im Rahmen des Mobilitätsgesetzes eingerichtet werden soll, auf der Tagesordnung stand.

Nach vielen Gesprächen und Vor-Ort-Terminen sei klar geworden, dass niemand zufriedengestellt werden kann. Es handle sich um Extrempositionen, die nicht konsensfähig seien, so der Linken-Bezirksverordnete Antonio Leonhardt. Nun werde das Bezirksamt ersucht, Alternativen für die wegfallenden Parkflächen zu prüfen.

Vorgeschlagen wird die Reduzierung der Radspur auf nur eine Straßenseite mit Begegnungsverkehr und neuen Parkplätzen in der Rüdigerstraße, die durch die Umstellung von Längs- auf Schrägparken erreicht werden sollen. Möglich wäre auch die Nutzung der Hagenstraße als Fahrradstraße, die Schaffung neuer Parkplätze in den Nebenstraße oder einem Areal an der Gotlindestraße oder die Nutzung des Netto-Parkplatzes zwischen 22 und 6 Uhr. Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU) betonte, dass grundsätzlich das Bezirksamt über den Umbau entscheide, der Vorschlag der Senatsverkehrsverwaltung sei lediglich ein Angebot.

Ersatz-Parkplätze reichen nicht aus

Nach einem Scherz über die Parkplatz-Eigentumsansprüche einiger Anwohner erklärte ein Feuerwehrmann von der Wache in der Josef-Orlopp-Straße, dass der fließende Verkehr auf der Siegfriedstraße durch den Radweg nicht beeinträchtigt würde. Rettungsfahrzeuge könnten zudem die Poller, die den Radweg von der Straße trennen, umknicken.

Doch egal, wie viele Ersatz-Parkplätze auch geschaffen werden: Ausreichen werden sie mit Sicherheit nicht, wenn demnächst das Wohnquartier Lindenhof an der Gotlindestraße mit rund 600 Wohnungen fertig ist: Bauherren sind in Berlin schon seit geraumer Zeit nicht mehr verpflichtet, auch Pkw-Stellplätze einzurichten. "Wir müssen mal vom Auto wegkommen, Leute", erklärt ein Mann mit Radfahrer-Kappe. Dafür erhält er Beifall aus seinem Lager und abschätzige Blicke von der Autofahrer-Fraktion.

Der Ausschuss jedenfalls bekennt sich zu dem geschützten Radweg. Die Entscheidung fiel einstimmig - mit den Stimmen von SPD, Linken, CDU, Grünen und AfD. "Wir Parteien haben einen Konsens gefunden", verabschiedete Ausschuss-Vorsitzender Uwe Dindar (AfD) die Anwohner, "vielleicht kann ich Ihnen das ja auf den Heimweg mitgeben."

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