Tierheim in Falkenberg

Senat unterstützt den Tierschutzverein mit 300.000 Euro

Der Tierschutzverein finanzierte sich durch Spenden, Nachlässe und Mitgliedsbeiträge. Erstmals gibt es Zuwendungen vom Senat.

Zwei junge Besucherinnen im Tierheim

Zwei junge Besucherinnen im Tierheim

Foto: Gregor Fischer / dpa

Lichtenberg. Zum Jahresende hat das Tierheim Berlin Grund zur Freude: Bislang hat sich der Tierschutzverein für Berlin ausschließlich durch Spenden, Nachlässe und Mitgliedsbeiträge finanziert. Jetzt hat das von dem Verein betriebene Tierheim in Falkenberg erstmals Zuwendungen vom Senat erhalten. In dem Betrag von insgesamt 314.000 Euro sind 259.000 Euro für die Ausstattung der Katzenquarantänestation enthalten. Weitere 30.000 Euro sind für die Erweiterung der Reptilienquarantänestation, den Regenschutz für das Katzenhaus und die Anschaffung von Spezial- und Sonderfutter vorgesehen. 25.000 Euro bekommt das Tierheim für die Anschaffung eines kleinen Nutzfahrzeugs.

Für diese Unterstützung ist der Tierschutzverein mehr als dankbar: „Wir erfüllen für Berlin eine bedeutende Aufgabe, denn wir kümmern uns um die vielen Tiere in Not, die in der Hauptstadt ohne uns kaum eine Chance hätten. Diese wertvolle Geste des Senats zeigt, dass unsere Arbeit wertgeschätzt und anerkannt wird. Das ist ein wichtiges Signal“, sagte Geschäftsführer Jan Berge.

Der Betrieb des Tierheims kostet den Tierschutzverein jährlich mehr als acht Millionen Euro. Dazu kommen Kosten aus dem Regensommer 2017 von deutlich mehr als einer halben Million Euro. Die Wasserschäden werden derzeit mit großzügiger Unterstützung tierlieber Bürger saniert. Auch zum Weihnachtsfest der Tiere zeigten sich Berliner und Brandenburger spendabel. Palettenweise Futterdosen, Transportboxen, Spielzeug und vieles mehr trugen sie zur Bühne im Veranstaltungssaal.

Etwa 1400 Tiere sind derzeit im Heim in Falkenberg untergebracht. Die Exoten seien ein großes Problem, sagt Sprecherin Annette Rost. In diesem Jahr seien besonders viele Nattern abgegeben worden, im letzten Jahr waren es vor allem Bartagamen, eine Echsen-Art. Ein Problem sind auch die Schildkröten: Es gelte nun eine Verordnung der Europäischen Uniont, wonach invasive Arten wie Schmuckschildkröten nicht mehr vermehrt und veräußert werden dürfen, sondern nur noch in Tierheimen abgegeben werden müssen. Diese aus Amerika stammenden Tiere wachsen werden bis zu 40 Zentimeter Panzerlänge lang und erreichen ein Alter von 35 Jahren und mehr.

Den Großteil der abgegebenen Tiere machen jedoch Katzen aus: Im Jahr 2017/2018 waren es 2279 Katzen, gefolgt von 1098 Kleintieren. Hunde gelangten mit 793 auf den dritten Platz. Dahinter rangierten 343 Vögel, 167 Exoten sowie 210 Tauben und Wildtiere. Traurige Tendenz dabei: Es wurden mehr Tiere über die Tiersammelstelle aufgenommen, die gefunden beziehungsweise von ihren Besitzern ausgesetzt worden sind, als Tiere direkt im Heim abgegeben wurden.

Demgegenüber konnten in diesem Jahr bisher 3230 Tiere an neue Besitzer vermittelt werden. Mehr als die Hälfte davon waren Katzen, gefolgt von Hunden, Kaninchen, Nagern und Vögeln.

Annette Rost weist den den Vorwurf zurück, dass keine Tiere an Ältere abgegeben würden, und berichtet von einer 91-jährigen Dame, an die eine Katze vermittelt wurde. Wichtig ist, dass die Versorgung des Tiers sichergestellt sei und das Umfeld stimmen müsse, betont sie. Der Verein möchte schon, dass es seinen Schützlingen im neuen Zuhause gut geht, deshalb werde auch nicht jedes Tier sofort vermittelt.

„Sorgenfellchen“ warten seit Jahren auf neues Zuhause

Eine große Herausforderung wird auch im neuen Jahr vor allem die Vermittlung der sogenannten Sorgenfellchen sein – Hunde, die teilweise schon sieben Jahre auf ein neues Zuhause warten. Auch soll Tierinteressenten weiter aufgezeigt werden, welche Vorteile der Weg ins Tierheim gegenüber dem Internettierhandel hat. Dafür müsste das Tierheim jedoch für Nicht-Autofahrer besser erreichbar sein. „Dann könnten wir viel mehr Tiere vermitteln“, ist sich Annette Rost sicher.

Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wurden dem Tierschutz-Verein bereits beim Umzug von Lankwitz nach Falkenberg versprochen, doch auch 17 Jahre später ist von der Bushaltestelle „Tierheim“ immer noch ein rund zwölfminütiger Fußmarsch zurückzulegen. Profitieren würden davon auch die 170 fest angestellten Mitarbeiter und die rund 800 Ehrenamtler. Einige von ihnen helfen nur ein- oder zweimal im Jahr bei Veranstaltungen, andere wiederum kommen täglich als Katzenkrauler und Gassigeher. Durch den Ausschuss für bürgerschaftliches Engagement ist der Stein erneut ins Rollen gekommen. Stefan Taschner, tierschutzpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen aus Lichtenberg, sowie die Fraktionen von SPD und Linke stellten einen Antrag, dass der Senat klären soll, welche baulichen und finanziellen Maßnahmen getroffen werden müssen, um eine direkte Anbindung zu realisieren.

Ein Hoffnungsschimmer zeichnet sich ab: Die BVG prüft derzeit die Möglichkeiten einer Busanbindung bis vor die Tür am Hausvaterweg 39.

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