Handwerk

Tischlerei feiert Wiedereröffnung

Nach einem verheerenden Brand hat Tischlermeister René Hätscher den Neuanfang gewagt.

Tischlereibesitzer René Hätscher kann wieder nach vorn schauen.

Tischlereibesitzer René Hätscher kann wieder nach vorn schauen.

Lichtenberg. Der 9. April 2018 war der wohl dunkelste Tag im Leben von Réne Hätscher. Seine Tischlerei an der Coppistraße ging in Flammen auf, die Rauchwolke war weithin sichtbar. Ursache war eine brennende Mülltonne in der Nähe einer Halle, in der Holz, Lacke und Farben gelagert waren.

Wenige Tage zuvor war der 47-Jährige von einer Coachingreise aus Nepal zurückgekommen. War voller Elan und neuer Pläne für seine Lichtenberger Werkstatt, Stichwort Selbstorganisation. Mit Kommunikationstrainings und Teambildungsmaßnahmen sollten die Mitarbeiter mehr Verantwortung übernehmen, mitdenken und mitgestalten. Stattdessen stand jetzt die Frage im Raum, ob überhaupt weitermachen oder nicht. Der Schaden belief sich auf mehr als eine Million Euro.

Doch der Tischlermeister gab nicht auf. Mit viel Unterstützung von Kollegen, benachbarten Werkstätten und auch dem Bezirksamt machte er sich an den Neuaufbau, stieg wie der sprichwörtliche Phoenix aus der Asche. Auch konnte er eine Ausweichwerkstatt in Vogelsdorf finden, um seine Aufträge zu erfüllen.

Möbel fürs Hotel "The Knast"

Nach einem großen Fest zur Neueröffnung der 1000 Quadratmeter großen Werkstatt können nun seit Ende November wieder Möbel für Büros, Praxen, Kanzleien und Kitas, aber auch für Privathaushalte gebaut werden. "Wir machen alles außer Bautischlerei und Reparaturen", sagt Hätscher.

Unter anderem fertigt die Tischlerei die Innenausstattung für "The Knast" in Lichterfelde. Ein Tresen für das Fünfsterne-Hotel im einstigen Frauengefängnis ist bereits fertig. Möbel aus Hätschers Werkstatt haben es auch ins Fernsehen geschafft, etwa zu den "Popstars" oder ins "Morgenmagazin".

Dabei steht jetzt auch die Digitalisierung im Vordergrund - von der Auftragserteilung bis zur Auslieferung. Dafür gibt es sogar eine Kooperation mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung, Fachbereich Holzingenieurswesen in Eberswalde. Der neueste Schrei in Zusammenarbeit mit der Defabe-Denkfabrik: Dank 3D-Brille können virtuelle Räume am Computer begangen und gestaltet werden.

Von den ehemals zwölf Mitarbeitern gibt es derzeit nur noch drei, zehn bis zwölf sollen es wieder werden, denn die Auftragsbücher sind voll.

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