Jahrestag

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht in Hohenschönhausen

Jüdisches Leben in Hohenschönhausen: Eine Tafel an der Konrad-Wolf-Straße erinnert an den Standort der Synagoge

Der Gedenkstein für die Synagoge an der Konrad-Wolf-Straße.

Der Gedenkstein für die Synagoge an der Konrad-Wolf-Straße.

Foto: Rita Schulze

Berlin. Gegen das Vergessen: Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) wird am 9. November um 17.30 Uhr der Opfer der Reichspogromnacht von 1938 gedenken und in der Konrad-Wolf-Straße 91-92 ein Gebinde niederlegen. Dort befand sich einst die Synagoge der jüdischen Gemeinde Hohenschönhausen. An sie erinnert heute ein Gedenkstein mit gusseiserner Platte. Die Historikerin Barbara Danckwortt wird über die Novemberpogrome sprechen, Tanja Hirschmüller wird die Gedenkveranstaltung mit jüdischem Liedgut begleiten.

An der Gedenkveranstaltung beteiligen sich auch Jugendliche aus den drei Hohenschönhausener Jugendfreizeiteinrichtungen Leo’s Hütte, JFE Funkloch, JFE Full House. Sie haben am Projekt "…damit wir nicht vergessen" teilgenommen und werden den vorläufigen Abschluss ihres Projektes mit einer symbolischen Reinigung des Gedenksteines begehen.

"Erinnerung ist Zukunft"

Bezirksbürgermeister Michael Grunst lädt die Lichtenberger und Lichtenbergerinnen zum gemeinsamen Gedenken ein: "Besonders die Geschichte des jüdischen Lebens in Lichtenberg zeigt uns, wie wichtig Erinnern, Gedenken und Forschen ist. Fast wäre es aufgrund der Gräueltaten in Vergessenheit geraten. Das darf niemals geschehen, denn Erinnerung ist Zukunft."

Die Jüdische Gemeinde in Hohenschönhausen war sehr klein. Als die Nationalsozialisten begannen Juden zu verfolgen, wandelten die Gemeindemitglieder ihren Betraum im ersten Stock eines Hofgebäudes an der damaligen Berliner Straße 91 in eine Synagoge um. Erst 1935 wurde sie geweiht. Bereits 1938 musste die Gemeinde ihre Tätigkeit wieder einstellen, die Mitglieder wurden in Konzentrationslager deportiert. Nach 1945 war die Synagoge in Vergessenheit geraten. Das Haus wurde 1998 abgerissen, das Grundstück ist heute ein kleiner Park.

Erst mit den Forschungen zur jüdischen Geschichte, die in den 1990er-Jahren mit der Ausstellung "Juden in Weißensee und Hohenschönhausen" im damaligen Heimatmuseum an die Öffentlichkeit gelangten, kam auch die Synagoge wieder in Erinnerung. Zum 100. Geburtstag des Arztes Victor Aronstein entstand die Broschüre "Juden in Hohenschönhausen. Eine Spurensuche".

Zum 51. Jahrestag der Novemberpogrome entstand die Idee, an dem vergessenen Ort einen Gedenkstein zu errichten: Enthüllt wurde der Stein mit aufgesetzter gusseiserner Tafel am 19. April 2000 vom Bezirksbürgermeister von Lichtenberg und der Bezirksbürgermeisterin von Hohenschönhausen, Wolfram Friedersdorff und Bärbel Grygier sowie dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Andreas Nachama. Ebenfalls anwesend war damals Jitzchak Schwersenz. Der bei der Enthüllung 84-jährige frühere Religions- und Volksschullehrer war seinerzeit Vorbeter in der Jüdischen Gemeinschaft gewesen.

Den Gedenkstein finanzierte das Bezirksamt Hohenschönhausen, für die Tafel spendeten Geschäfts- und Privatleute.

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