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Spandau und Lichtenberg

Bezirke bieten kostenlose Lastenfahrräder zum Ausleihen

Mit dem ADFC wird ein Modellprojekt gestartet. Ziel: Mobilität verbessern und Klima schützen. Finanziert wird es durch den Senat.

Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst, Berlins ADFC-Vorstand Frank Masurat und Spandaus Bezirksstadtrat Frank Bewig (v.l.)

Foto: BA Lichtenberg

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Berlin. Zum Einkaufen, zum Transportieren von Getränkekisten oder sogar Möbeln: Dafür soll in Zukunft kein Auto mehr benötigt werden. Stattdessen stehen in Lichtenberg und Spandau voraussichtlich ab Oktober Lastenfahrräder bereit, die kostenlos ausgeliehen werden können. Unter dem Namen "fLotte kommunal" startet in den beiden Bezirken in Kooperation mit dem ADFC Berlin ein Modellprojekt, das bislang in Deutschland einmalig sein soll. Jeweils zehn Lastenfahrräder soll es in Spandau und Lichtenberg geben, die an öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Nachbarschafts- oder Familienzentren zu finden sein werden. Ein bis drei Tage können die Räder ausgeliehen werden, die je nach Modell 100 bis 200 Kilogramm Tragkraft haben.

"Jeder merkt's, die Stadt wächst", sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke). Allein sein Bezirk habe in den vergangenen Jahren 30.000 neue Einwohner gewonnen. Schlussfolgerung: "Wir brauchen eine andere Mobilität", so Grunst. Denn 30.000 zusätzliche Autos auf den Straßen, das wäre nicht zu stemmen. Also Lastenfahrräder. Rund 70.000 Euro sind pro Bezirk für das Projekt eingeplant, die Finanzierung läuft über das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Um den Verleihprozess - die Buchung erfolgt über eine Internetplattform - und die Wartung der Räder kümmert sich der ADFC.

Mit dem kostenlosen Verleih wolle man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, sagt Spandaus Stadtrat Frank Bewig (CDU). "Wir wollen die Mobilität und die Umwelt verbessern." Daher fiel auch die Entscheidung darauf, die Lastenfahrräder nicht an einem zentralen Ort anzubieten, sondern in die Ortsteile zu gehen - etwa ins Falkenhagener Feld in Spandau.

Auslastung der Lastenfahrräder ist laut ADFC hoch

Deutschlandweit können in immer mehr Städten kostenfreie Lastenräder ausgeliehen werden, in Berlin gibt es bislang 14 von ihnen, vor allem in den zentraleren Bezirken. Anfang des Jahres ist das Projekt in der Hauptstadt gestartet, die Bilanz fällt beim ADFC bislang positiv aus. "Wir haben die Akzeptanz in der Bevölkerung unterschätzt", sagt Frank Masurat, Mitglied des Landesvorstands. Die Auslastung ist laut ADFC hoch, rund 600 bis 700 Fahrten seien bislang in Berlin gemacht worden. Durch die Kooperation mit den beiden Bezirken kann die Zahl der Räder nun noch einmal deutlich erhöht werden. "Und wir erreichen viele neue potentielle Nutzer", so Masurat.

Auch bundesweit haben Studien bislang positive Resultate geliefert, berichtet Masurat. "Knapp 50 Prozent der Fahrten, die mit einem Lastenfahrrad erledigt wurden, wären sonst mit dem Auto durchgeführt worden." Das spreche dafür, dass mit dem kostenfreien Verleih tatsächlich ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann. Jetzt sei es nur wünschenswert, dass für breitere Radwege und sichere Abstellmöglichkeiten in der Stadt gesorgt wird. Denn ein Lastenrad, klar, braucht mehr Platz als ein gewöhnliches Fahrrad.

Bestandteil des Projekts ist auch eine Evaluierung, mit der das Nutzungsverhalten untersucht werden soll. Die Laufzeit ist zunächst bis November 2020 angelegt, wobei - bei entsprechender Auslastung - das Projekt möglichst auch darüber hinaus laufen soll. Und vielleicht auch von anderen Bezirken übernommen werden kann. "Die Zusammenarbeit kann durchaus Beispiel gebend sein", so Stadtrat Bewig.

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