Hohenschönhausen

Förderverein stoppt Rauswurf von Kritiker

Stasiopfer-Gedenkstätte: Stephan Hilsberg wird wegen „vereinsschädigendem Verhaltens“ gerügt.

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen

Foto: dpa Picture-Alliance / Jürgen Lösel / picture alliance / Jürgen Lösel/

Berlin. Der Konflikt im Förderverein der Stasiopfer-Gedenkstätte Hohenschönhausen geht in die Verlängerung. Der vom Vereinsvorsitzenden Jörg Kürschner beabsichtigte Rauswurf des früheren DDR-Bürgerrechtlers und SPD-Bundestagsabgeordneten Stephan Hilsberg wurde gestoppt. Stattdessen rügte der Vorstand mit einer knappen Mehrheit von 4:3 Stimmen, darunter das doppelt zählende Votum des Vorsitzenden, Hilsberg wegen „vereinsschädigendem Verhaltens“.

Hilsberg hatte öffentlich kritisiert, die AfD und ihre Sympathisanten spielten im Förderverein, aber auch in der Gedenkstätte des früheren Stasi-Gefängnisses eine immer größere Rolle. Aufgeflammt war der Streit vor einem Jahr als der Vorsitzende Kürschner den Berliner AfD-Chef Georg Pazderski in den Förderverein holen wollte. Schriftführer Hilsberg hält viele Positionen der AfD nicht mit dem demokratiefördernden Auftrag dieser Organisationen für vereinbar.

Der Sozialdemokrat erwartet, dass auch Gedenkstättenleiter Hubertus Knabe sich von der AfD distanzieren soll. Das lehnt die Stiftung jedoch ab, weil sie zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet sei. Gleichwohl hat die Gedenkstätte aber die Zusammenarbeit mit ihrem Förderverein ausgesetzt.

Wie es mit Hilsberg weitergeht, darüber soll nun eine außerordentliche Mitgliederversammlung entscheiden. Er werde die 230 Mitglieder für Mitte Oktober einladen, sagte der Vorsitzende Kürschner. Der Journalist steht selbst in der Kritik, weil er regelmäßig in der rechtsgerichteten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ publiziert.

Die Mitglieder müssen dann einen neuen Vorstand wählen, weil Kürschner nach 15 Jahren nicht mehr für den Vorstand kandidieren will. Sein Kontrahent Hilsberg sagte, er habe noch nicht entschieden, wie und ob er sich weiter in dem Verein engagieren möchte. Der frühere Bundestagsabgeordnete fürchtet, der Streit im Verein werde nun mindestens ein Jahr lang weitergehen. Er sehe nicht, wie unter diesen Umständen die Kooperation mit der Gedenkstätte wieder aufgenommen werden könne. „Das ist ein trauriger Vorgang“, sagte Hilsberg.

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