Getöteter Teenager

Keira G. erstochen: Edgar H. hatte Tat schon länger geplant

Der 15-Jährige hatte gestanden, das Mädchen getötet zu haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass Edgar H. die Tat schon länger plante.

Berlin. Als die Mutter nach Hause kam, fand sie ihre blutüberströmte Tochter in der gemeinsamen Berliner Wohnung. Mediziner schafften es nicht mehr, die 14-Jährige zu retten. Von den vielen Messerstichen hatte einer ins Herz von Keira getroffen. Genau einen Monat nach ihrem gewaltsamen Tod wird die Schülerin an diesem Samstag (11 Uhr) nun auf dem mehr Friedhof St.Andreas-St.Markus in Alt-Hohenschönhausen beigesetzt.

Die Frage nach dem Warum der grausigen Tat steht weiter im Raum. Wenige Tage nach dem tödlichen Angriff wurde ein 15 Jahre alter, deutscher Mitschüler, Edgar H., als Verdächtiger in der Wohnung seiner Eltern festgenommen. Er kam in Untersuchungshaft. Der 15-Jährige gestand, das Mädchen am 7. März erstochen zu haben. Beide kannten sich und waren laut Staatsanwaltschaft in der Wohnung des Mädchens verabredet.

Inzwischen gingen die Ermittler davon aus, dass es „eine schon länger geplante Tat“ war, sagt Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des jugendlichen Alters werde das Verfahren gegen den Schüler zwar besonders beschleunigt, doch eine Anklage sei noch offen. Der Haftbefehl lautete auf Totschlag. Dass ein so junger Verdächtiger in U-Haft kommt, ist eher selten. Begründet wurde dies mit Verdunkelungsgefahr.

Die Tat hatte Entsetzen ausgelöst und viele Menschen erschüttert. Die große Anteilnahme habe sie überwältigt und ihr Kraft und das Gefühl gegeben, mit der Trauer nicht allein zu sein, hatte Keiras Mutter in einem Brief mitgeteilt.

Fragen, die keiner beantworten kann.

Zugleich bat die Frau darum, dass zu der Trauerfeier nur die Menschen kommen sollten, die ihre Tochter gekannt haben. Alle anderen könnten zu einem späteren Zeitpunkt am Grab auf dem evangelischen Friedhof Abschied nehmen.

Keira sei an ihrer Schule Grüner Campus Malchow sehr beliebt gewesen, erinnert sich die Mutter. Ihre Tochter habe sich dort gut aufgehoben gefühlt. Viele Mitschüler würden Keira vermissen. Mehrere Psychologen betreuten die fassungslosen und traurigen Jugendlichen. Direktor Thomas Barthl hatte gesagt, es gebe Fragen, die keiner beantworten könne.

Das Mädchen trainierte auch beim Berliner TSC. Die Eisschnellläuferin war zuletzt im Januar in ihrer Altersklasse Berliner Meisterin über 1500 Meter geworden. Auch ihr Verein hatte sich bestürzt über den Tod der Sportlerin gezeigt. Vor der Eisschnelllauf-Halle hatten Menschen rote und weiße Rosen und Kerzen als Zeichen der Anteilnahme aufgestellt. Auch vor dem Wohnhaus von Keira wurden Blumen niedergelegt.

Die tödliche Messerattacke war kein Einzelfall. Mehrere Angriffe von Jugendlichen hatten zuletzt deutschlandweit erschüttert. Im rheinland-pfälzischen Kandel erstach im Dezember ein Flüchtling seine 15 Jahre alte Ex-Freundin. An einer Schule in Lünen (Nordrhein-Westfalen) wurde im Januar ein 14-Jähriger vermutlich von einem Mitschüler mit einem Messer getötet. In Dortmund endete im Februar ein Streit unter Teenagern tödlich, eine 15-Jährige wurde erstochen.

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