Gedenkmarsch

Rote Nelken für Rosa und Karl in Lichtenberg

An dem Gedenkmarsch für die ermordeten Arbeiterführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg haben in Berlin 12.000 Menschen teilgenommen.

Die Spitzen von Linken-Bundestagsfraktion und Partei auf dem Friedhof

Die Spitzen von Linken-Bundestagsfraktion und Partei auf dem Friedhof

Foto: Britta Pedersen / dpa

Etwas verwundert blickt Sylvia Matte auf die vorbeiziehenden Menschenmassen an der Lichtenberger Gudrunstraße. „Zu DDR-Zeiten ging es ruhiger zu“, sagt die 59-Jährige. Damals war der Gedenkmarsch für die ermordeten Arbeiterführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg Pflicht. „Es wundert mich, dass es immer noch so gut besucht ist – vor allem von jungen Leuten.“

Laut Veranstalter – einem breiten Bündnis aus linken Gruppen und Parteien – sind 12.000 Menschen dem Demonstrationsaufruf gefolgt. Bei kaltem, aber sonnigem Wetter zogen sie ab 10 Uhr vom Frankfurter Tor in Friedrichshain zum Grab der Kommunistenführer auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde. Es werde für Frieden und internationale Solidarität demonstriert, heißt es auf der Internetseite des Veranstalters. Neben Liebknecht und Luxemburg prangten auch etwa Lenin, Stalin und Mao auf einigen Bannern.

Bis auf einzelne Verstöße gegen das Versammlungsrecht sei dabei alles friedlich geblieben, teilte die Berliner Polizei auf Anfrage mit. Ein Zwischenfall ereignete sich gegen 11.15 Uhr auf der Frankfurter Allee auf Höhe der Atzpodienstraße. Beamte drangen in einen Block von Demonstranten vor, weil eine Fahne der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK gezeigt wurde.

Als der Demonstrationszug gegen 12 Uhr den Friedhof erreichte, war dort die eigentliche Gedenkveranstaltung schon in vollem Gange. Kränze und Tausende rote Nelken wurden an der Gedenkstätte der Sozialisten niedergelegt. Dort hatten am Vormittag Spitzenpolitiker der Linkspartei der Arbeiterführer gedacht, darunter Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht und der Parteivorsitzende Bernd Riexinger.

Die Linken denken für 2019 über eine Gedenk-Party nach

Diese Form des Gedenkens sei zugegebenermaßen etwas anachronistisch, sagt Linken-Landesgeschäftsführer Sebastian Koch. Jedes Jahr würden bei der Gedenkveranstaltung weniger Teilnehmer gezählt. „Man muss es vielleicht für junge Leute attraktiver machen.“ Zum 100. Gedenktag im Jahr 2019 könnte er sich etwa eine Party vorstellen.

Luxemburg und Liebknecht wurden am 15. Januar 1919 von Freikorps-Soldaten in Berlin erschossen. Dem ging der niedergeschlagene Spartakus­aufstand voraus, mit dem die Wahl zur Nationalversammlung verhindert und eine Räterepublik errichtet werden sollte.

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