22,5 Mio. Euro Zuschüsse

Artenschutz zum Anfassen: Neue Schau  im Tierpark

Am Montag wurde Auftakt des 22,5-Millionen-Euro-Programms gefeiert, mit dem der Zoo in Friedrichsfelde entwickelt wird.

Ein Tierpfleger duscht im Tierpark einen Elefanten ab

Ein Tierpfleger duscht im Tierpark einen Elefanten ab

Foto: Sophia Kembowski / dpa

Berlin. Nicht nur Berliner besuchen gern den Zoo oder den Tierpark, auch Touristen schätzen die beiden Traditions-Einrichtungen. Um vor allem mehr Gäste in den Tierpark nach Friedrichsfelde zu locken, wird dort in den kommenden Jahren viel investiert. Dank des Fördertopfes der Senatsverwaltung mit dem sperrigen Namen "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW). Insgesamt erhalten Zoo und Tierpark rund 40 Millionen Euro Zuschüsse daraus, Projekte im Tierpark in Höhe von 22,5 Millionen Euro sind bereits bewilligt.

Andreas Knieriem, Direktor des Zoos und des Tierparks, eröffnete am Montag zum Auftakt des millionenschweren Programms die neue Ausstellung "#abenteuerArtenschutz" im Affen­haus des Tierparks in Friedrichsfelde. Sie hat 200.000 Euro gekostet und wurde zu zwei Dritteln mit Zuschüssen aus GRW-Mitteln finanziert. "Jedes Jahr allein verschwindet Wald in der Größe von Griechenland. Wir überfischen unsere Meere. Wir müssten viel mehr tun, als nur über Diesel- und Luftverschmutzung nachzudenken. Das ist nur ein Teilaspekt", sagte Knieriem. Der Lebensraum für Tiere werde weltweit immer weniger. Den Sibirischen Tiger brauche man nicht in die Natur zurückzubringen, solange seine Knochen für die Heilkunst so viel Geld einbrächten wie ein Jahresverdienst.

Konzipiert hat die Ausstellung ein Mitarbeiterteam der Kommunikations- und Zoologischen Abteilung des Tierparks. "Diese Ausstellung ist ein völlig neuer Weg, um das spannende Thema Artenschutz für unsere Besucher erlebbar zu machen. Hören, Sehen, Mitmachen – in dieser umfassenden und interaktiven Form ist mir eine Dauerausstellung dieser Art in keinem anderen deutschen Zoo bekannt", sagt Biologe Christian Kern, stellvertretender Zoologischer Leiter des Tierparks, der daran maßgeblich mitbeteiligt war.

VIDEO: Erneut Nachwuchs in der Eisbären-Wurfhöhle

Eisbärendame Tonja hat im Tierpark Berlin Nachwuchs zur Welt gebracht. Der Tierpark filmte die Geburt. Der nur 30 Zentimeter große Nachwuchs kam taub und blind zur Welt. Ein zweites Jungtier wurde tot geboren.
Nachwuchs in der Eisbären-Wurfhöhle

Spannende Entdeckungstour mit Wissenszuwachs

Anschauliche Grafiken und viele Beispielprojekte zeigen die vielfältigen Maßnahmen, die sich hinter dem Oberbegriff "Artenschutz" verbergen. So können Kinder und Erwachsene durch das interaktive Zuchtbuch des Java-Leoparden blättern, ihr Wissen auf einer Rallye testen oder gegeneinander im Memory-Spiel bedrohter Tierarten antreten und als Heiratsvermittler die richtigen Partner zusammenbringen.

"Unter dem Motto #abenteuerArtenschutz können Groß und Klein auf eine beeindruckende Entdeckungstour gehen und einen Einblick in die Artenschutzprojekte bekommen, die der Tierpark Berlin weltweit unterstützt", fasst Knieriem das neue Highlight des Tierparks zusammen.

Die Probleme und auch Lösungen im Artenschutz werden auf Deutsch und Englisch anschaulich dargestellt. So geht es um die bedrohten Großtrappen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt, die in den Naturschutzgebieten Belziger Landschaftswiesen und dem Havelländischen Luch sowie im Fiener Bruch ihre letzten Rückzugsräume haben. Ein Förderverein betreibt eine Aufzuchtstation für Jungtiere, die später wieder in die Wildnis entlassen werden. Aber genauso geht es um die bedrohten Zwergbüffel auf der philippinischen Insel Mindoro oder die Nashörner in Afrika und Vietnam.

Auch über Palmöl, für das in Indonesien, vor allem auf Borneo und Sumatra, Regenwälder im großen Stil gerodet wurden und das pseudoökologisch vermarktet werde, wird aufgeklärt. "Diese Monokulturen, mit denen die Lebensräume vieler Tiere und Pflanzen zerstört werden, sind eine der Bedrohungsursachen. Illegale Jagd ein weiterer", so Kern. Zersiedlung durch Autobahnbau ein weiterer, weshalb Braunbären und Wisente keinen Platz mehr in Deutschland hätten.

Ein Besuch in den Gärten der Welt gibt die Anregung

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung, die die Fördermittel für den Tierpark zur Verfügung stellt, freute sich ebenfalls über den Auftakt zur Attraktivitätssteigerung des Tierparks. Sie erhofft sich Gutes für die Tourismusentwicklung gerade auch im Außenbereich Berlins. Bund und Land haben laut dem Senats-Referatsleiter für Regionale Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung Michael Knieß mit dem Förderinstrument GRW seit 1991 exakt 128 Vorhaben begleitet. Darunter auch die Gärten der Welt. Als Zoodirektor Knieriem die vor zwei Jahren besuchte und von deren Finanzierung erfuhr, kam ihm sofort die Idee, dass dieses Förderinstrument auch seinen Zoos helfen könnte.

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