Islamische Beisetzung

Berlins Muslime haben zu wenig Platz für ihre Toten

Der Bezirk Lichtenberg will mehr Grabstellen für Muslime. Große Flächen des Zentralfriedhofs Friedrichsfelde sind nicht ausgelastet.

Foto: Steffen Pletl

Muslime in Berlin haben kaum noch Möglichkeiten, verstorbene Angehörige nach ihren Glaubensritualen zu bestatten. Die Grabstellen der muslimischen Abteilungen in Neukölln und Spandau werden nach Auskunft der Bezirke spätestens zum Jahresende belegt sein. Zwar möchte der Bezirk Lichtenberg auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde Muslimen Bestattungsmöglichkeiten anbieten. Die Bezirksverordneten haben das auf Antrag der Linken beschlossen. Doch bis das Bezirksamt die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, können noch einige Monate vergehen.

Auf dem sogenannten Soziallistenfriedhof Friedrichsfelde sind die Arbeiterführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg begraben, aber auch Künstler wie Käthe Kollwitz oder Otto Nagel. „Schon seit 130 Jahren steht der Friedhof Friedrichsfelde grundsätzlich allen Religionen zur Verfügung“, sagte Baustadtrat Wilfried Nünthel (CDU) am Montag. Die Bestattung von Muslimen sei dort bereits möglich. Allerdings könne auch Lichtenberg Muslimen derzeit nicht die Möglichkeit bieten, ihre Glaubensrituale zu pflegen. „Wir müssen da noch einige Gespräche führen, um das zu klären“, sagte Nünthel. So müssten Räume für eine rituelle Waschung eingerichtet und die Gräber nach Mekka ausgerichtet werden. Auch das Berliner Bestattungsrecht ist ein Hindernis: Mit der üblichen Liegezeit von 20 Jahren ist die im Islam erforderliche ewige Totenruhe nicht gewährleistet.

Nur rund 2000 Grabstellen stehen den 300.000 Berliner Muslimen für eine Beisetzung nach islamischem Ritual in Berlin zur Verfügung, auf dem Spandauer Landschaftsfriedhof in Gatow und auf dem Friedhof am Columbiadamm in Neukölln, neben der Sehitlik-Moschee. Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD) hat inzwischen das Ende der muslimischen Bestattungen in seinem Bezirk bekannt gegeben. Noch im Oktober würden die Kapazitäten ausgelastet sein, kündigte er an. Gegen eine Erweiterung der Fläche auf dem Tempelhofer Feld wehrt sich der Senat. Ein Picknick-Areal müsste dort den Ruhestätten weichen. Der Bezirk Spandau plant zwar eine Erweiterung seiner muslimischen Abteilung auf dem Landschaftsfriedhof Gatow an der Potsdamer Chaussee. Doch die Anlage am äußersten Stadtrand ist bei Muslimen unbeliebt, weil sie schwer erreichbar ist. Auf dem Zentral-Friedhof Friedrichsfelde gibt es dagegen keine Platzprobleme. „Wir hatten überlegt, Teile des Friedhofes zu schließen“, so Baustadtrat Nünthel. Falls eine muslimische Abteilung eingerichtet werde, sei das vielleicht nicht mehr nötig.

Christliche Friedhöfe nicht ausgelastet

Während die muslimischen Gemeinden Begräbnismöglichkeiten in der deutschen Hauptstadt suchen, sind die 1147 Hektar städtischer und christlicher Friedhofsflächen in Berlin längst nicht ausgelastet. Im Jahr 2006 hatte der Senat mit dem Friedhofsentwicklungsplan auch die Schließung von 290 Hektar Bestattungsflächen beschlossen. Kirchen und Stadt suchen nach Nutzungsmöglichkeiten für die nicht mehr benötigten Grabfelder.

Seit 2006 wurden 30,5 Hektar Friedhofsfläche, meist aus dem Eigentum der evangelischen Kirche, einer anderen Nutzung zugeführt. Das ergibt sich aus einer kleinen Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto. Freie Friedhofsfläche gewinnbringend als Bauland zu veräußern, ist für die Träger danach problematisch. Voraussetzung für eine Umnutzung eines Friedhofes ist, dass dort 30 Jahre lang keine Bestattungen stattgefunden haben. Zudem wehren sich Anrainer oft dagegen, Friedhofsflächen zu bebauen. So hatten Anwohner protestiert, als die evangelische Kirche Teile des Friedhofs der St. Petri/ St. Marien-Gemeinde an der Heinrich-Roller-Straße in Prenzlauer Berg für eine Wohnbebauung verkaufen wollte. Die Kirche gab die Pläne auf.

Große Bedeutung als Reserve für Wohnungsbau in der Innenstadt dürften ungenutzte Begräbnisstätten ohnehin nicht bekommen. Die zur Verfügung stehenden Friedhofsflächen seien „oft sehr kleinteilig“, argumentiert Christian Gaebler, Staatssekretär für Stadtentwicklung. Nach dem Berliner Friedhofsgesetz sollen nicht mehr benötigte Flächen aus Gründen der Pietät und des Umweltschutzes zudem in der Regel als Grünflächen ausgewiesen werden.