Sanierung

Vom Gutshaus Schritt für Schritt zum Bürgerschloss

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Ingo Rössling

Das baufällige historische Gutshaus im ehemaligen Dorfkern Hohenschönhausen – einst im Volksmund liebevoll "Schlösschen" genannt – kann weiter rekonstruiert werden. Noch ist es allerdings äußerlich bis auf das neue, rot leuchtende Flach- und Steildach ein grauer unansehnlicher Kasten.

Die Stiftung Deutsche Klassenlotterie hat zur Rettung des Baudenkmals an der Hauptstraße 836.000 Euro bereitgestellt. Mit dem Geld soll nun die erste Etage instand gesetzt werden. Die Arbeiten, für die schon europaweite Ausschreibungen laufen, beginnen im Frühjahr 2009. Mit dieser Botschaft wurde jetzt ein Festempfang zum zehnjährigen Bestehen des rührigen "Fördervereins Schloss Hohenschönhausen" gekrönt.

Vorsitzender Rüdiger Schwarz sagte: "Damit kommen wir unserem Ziel immer näher, aus dem maroden Bauwerk ein Bürgerschloss zu machen." Noch ist es äußerlich bis auf das neue, rot leuchtende Flach- und Steildach ein grauer unansehnlicher Kasten. Für das Dach hatten Landesdenkmalamt, Bezirk und Agentur für Arbeit Fördermittel in Höhe von mehr als 550.000 Euro beigesteuert. Zur endgültigen Sanierung des Hauses seien immer noch etwa 2,6 Millionen Euro erforderlich, so Schwarz. Der Verein ist seit Anfang 2008 Eigentümer der seit 1990 leer stehenden Immobilie. Er hatte sie nach jahrelangem Ringen für einen symbolischen Euro mit allen Rechten und Pflichten erworben. Der Liegenschaftsfonds Berlin berücksichtigte dabei den "erheblichen Aufwand bei einer denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes".

Schwarz kündigte an, dass neben Elektro-, Sanitär- und Heizungsinstallationen in der ersten Etage auch neue Fenster eingesetzt werden. Bisher sind die meisten Fensterhöhlen der Fassade noch zugemauert und vermitteln den Eindruck eines grauen Kastens. Die unansehnliche Fassade selbst könne erst in einem weiteren Sanierungsschritt neu im sandfarbenen Ton verputzt werden. In den Räumen der ersten Etage will man sich im Gegensatz zum Erdgeschoss an der malermäßigen Fassung der 1920er-Jahre orientieren. Schwarz: "Wir werden aber an der Decke sogenannte archäologische Fenster einbauen lassen, um verborgenen Stuck aus früheren Zeiten sichtbar zu machen."

Schnelle Rekonstruktion des einst verzierten und jetzt verrosteten Balkons

Im Erdgeschoss des einst prächtigen Anwesens waren bereits ornamentale Wandmalereien und Stuckverzierungen freigelegt worden. Weitere historische Relikte verbergen sich hinter dicken Tapeten- oder Farbschichten. Großen Wert legt der Verein auf die schnelle Rekonstruktion des einst verzierten und jetzt verrosteten Balkons über dem Eingang an der westlichen Seite des Gebäudes. Dafür sollen einheimische Firmen gewonnen werden. Die Kosten betragen 15.000 Euro. "Der Balkon soll nach außen auch die Fortschritte bei der Sanierung symbolisieren", sagt Schwarz. 70.000 Euro stellt das Landesdenkmalamt zur Verfügung. Sie fließen vor allem in die weitere Bauforschung für das Haus. Nachdem bis 1993 davon ausgegangen war, dass es erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden war, förderten historische Funde in der Umgebung und Untersuchungen als Ursprung das ausgehende 17. Jahrhundert zutage. Matthias Dunger, zuständiger Referatsleiter in der Denkmalbehörde: "Es wurde nachgewiesen, dass es sich in seinen heutigen Umrissen tatsächlich um das Gutshaus des ehemaligen Ritterguts Hohenschönhausen handelt." Noch wisse man jedoch nicht, ob die Kreuzgewölbe nicht doch noch sogar auf einen etwas älteren Bau zurückgehen.

Der Verein will ein kulturelles und kommunikatives Bürgerschloss schaffen. Dazu gehören neben den bisherigen Gesprächsrunden oder Führungen auch Konzerte, Theateraufführungen, Lesungen, Ausstellungen und eine überregionale Nord-Süd-Begegnungsstätte. "In Anlehnung an die Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf soll sie vielfältigen Kontakten mit afrikanischen Ländern dienen", so Schwarz. Auch Vereine aus Hohenschönhausen und eine Galerie werden im "Bürgerschloss" eine Heimat finden.

Breiten Raum wird in der ersten Etage mit einem "Daimon-Museum" das Lebenswerk des Technikpioniers Paul Schmidt (1868-1948) einnehmen. Der Berliner Unternehmer - Erfinder der Trockenbatterie und Taschenlampe - hatte von 1910 bis 1929 im Gutshaus gelebt. Seit 1929 war das Haus im Besitz der Stadt Berlin. Es wurde als Kindergarten, Lazarett und zuletzt als Krankenhaus genutzt.