Corona-Krise

„Diese Sperrstunde war schwierig für alle Gastronomen“

Mit Erfolg klagte Antonio Bragato, Inhaber des „Il Calice“, gegen die Sperrstunde um 23 Uhr in Corona-Zeiten. Der Senat hob sie auf.

Antonio Bragato Il Calice

Antonio Bragato Il Calice

Foto: Il Calice/Antonio Bragato

Mit Erfolg hat Antonio Bragato, Inhaber des legendären Nobelrestaurants „Il Calice“ am Walter-Benjamin-Platz in Charlottenburg, beim Oberverwaltungsgericht gegen die Sperrstunde für Gastronomen geklagt. Seit Mittwoch dürfen Wirte in Berlin laut einer Entscheidung des Senats wieder öffnen, so lange sie wollen. Die Berliner Morgenpost sprach mit Bragato darüber, warum der Beschluss das „Il Calice“ gerettet hat.

Herr Bragato, haben Sie gefeiert, dass die Klage erfolgreich war?

Anlass zum Feiern gab es selbstverständlich. Diese Sperrstunde war schwierig für alle Gastronomen und besonders für uns. Wir haben uns auf eine großartige Weinkarte spezialisiert. Gäste brauchen Zeit, um diesen Wein zu genießen. Es kam schon vor, dass ein Gast eine Flasche teuren Wein wegen der Sperrstunde nicht leeren konnte und wir ihn hinausschicken mussten.

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Was sagen die Gäste dazu, dass Sie wieder länger öffnen können?

Die Gäste waren verwundert, dass wir bereits letzten Donnerstag wieder bis 1 Uhr geöffnet hatten. Das Oberverwaltungsgericht hat uns die Erlaubnis dazu in einem Schreiben mitgeteilt. Die anderen Gastronomen dürfen ja erst seit Mittwoch wieder länger öffnen.

Wie groß war Ihr Umsatzverlust aufgrund der Sperrstunde?

Wir machen ein Viertel unseres Umsatzes ab 22 Uhr abends, in den letzten Stunden vor der Schließung. Der Verlust war somit erheblich. Da die Sperrstunde nun entfällt, kommen wir wieder auf 100 Prozent des Umsatzes. Das liegt auch daran, dass wir nicht von Touristen abhängig sind, sondern unser Stammklientel haben.

Genießen in Ihrem Restaurant nun wieder prominente Gäste Wein ?

Ja natürlich. Viele Prominente und Politiker genießen hier Wein und Essen bis spät abends. Das sind sehr beschäftigte Menschen, die erst zu später Stunde kommen können. Es ist schön, dass wir sie nun ab 23 Uhr nicht mehr wegschicken müssen.

Einige Wirte wollen ja nach dem Infektionsschutzgesetz auf Entschädigung klagen. Sie auch?

Unsere Anwälte haben uns das empfohlen. Aber wir werden erst einmal die weitere Entwicklung abwarten. Ich persönlich habe alle Corona-Regeln für Gastronomen – außer der Sperrstunde – für sinnvoll gehalten, um weitere Infektionen zu vermeiden.

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