Corona-Krise

Parkplatz-Aktion macht auf häusliche Gewalt aufmerksam

Häusliche Gewalt ist während der Corona-Krise ein großes Thema. Charlottenburg-Wilmersdorf informiert mit einer originellen Aktion.

Katrin Lück, Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Viktoria Jüsch informierten auf dem Rewe-Parkplatz in der Auerbachstraße in Grunewald über häusliche Gewalt.

Katrin Lück, Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Viktoria Jüsch informierten auf dem Rewe-Parkplatz in der Auerbachstraße in Grunewald über häusliche Gewalt.

Foto: Katrin Lück

Berlin. Dass die häusliche Gewalt wegen der Coronavirus-Maßnahmen steigen könnte, davor warnen Experten bereits seit Wochen. Katrin Lück, Gleichstellungsbeauftragte des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, will Frauen darüber aufklären, wo sie Hilfe finden. Darum stellte sie sich gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin Viktoria Jüsch und Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) am Mittwochnachmittag auf den Rewe-Parkplatz an der Auerbachstraße in Grunewald. Dort verteilten sie Geschenkkörbe mit Informationen über Anlaufstellen für Opfer von Gewalt.

„Um Berührungsängste bei dem sensiblen Thema abzubauen, haben wir in die bunten Körbe Flyer, Tassen, Spielzeuge und Äpfel gepackt“, sagt Lück. Auf den Tassen ist der Schriftzug „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ aufdruckt, gemeinsam mit der Nummer 08000 116 016 des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“. Diese Nummer ist aufgrund ihrer Länge nicht so einprägsam wie etwa die 110, weshalb aus Lücks Sicht immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden müsse.

Gewalt gegen Frauen betrifft alle Bevölkerungsschichten

Die insgesamt 300 Körbe wurden sie und ihre Mitstreiter in nur zwei Stunden los. Mit der Resonanz ist Lück sehr zufrieden gewesen. Sowohl Männer als auch Frauen waren offen für ein Gespräch auf dem Parkplatz und haben sich für ihr Engagement bedankt.

Lück wiederum ist für Gespräche mit den Passanten dankbar, weil sie die Thematik enttabuisieren wolle, wie sie sagt. „Auch mit dem Klischee, dass nur Männer aus sozial schwachen Schichten ihre Frauen schlagen, möchte ich aufräumen. Frauen aus allen Bevölkerungsschichten, auch aus der bürgerlichen, leiden unter Gewalt“, sagt sie. Einige bewegende Reaktionen auf ihre Parkplatz-Aktion habe es gegeben. So habe eine ältere Frau ihr erzählt, dass sie und ihr Sohn vor 20 Jahren von ihrem Ehemann geschlagen worden seien und sie dankbar gewesen wäre, wenn es damals schon ein Hilfetelefon gegeben hätte.

Auch Franziska Giffey startete Aktion „Zuhause nicht sicher?“

Eine ähnliche Initiative wie Lück startete Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) Ende April. Im Rahmen der Aktion „Zuhause nicht sicher?“ sollten Menschen in rund 26.000 Supermärkten über Hilfsangebote informiert werden: auf Plakaten, Kassenbons und Eigenmarken der Unternehmen. „Bei der Information über diese Hilfsangebote spielen Supermärkte eine wichtige Rolle, denn sie gehören zu den wenigen öffentlichen Orten, die zurzeit regelmäßig aufgesucht werden“, sagt Giffey.

Lück führt ihre Aktion auf dem Rewe-Parkplatz bereits seit einigen Jahren durch, normalerweise immer am 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Da nun viele Frauen mehr Zeit mit ihren gewalttätigen Männern verbringen müssten und damit stärker gefährdet seien, ist das Thema aktueller denn je. „Dass die Dunkelziffer bei diesem Problem hoch ist, erkenne ich an dem großen Interesse an unserer Aktion heute“, sagt Lück. So hätten manche Ärzte gleich mehrere Flyer mitgenommen, um sie in ihrer Praxen für Patienten auszulegen.

Bei der Berliner Polizei gehen besonders seit Mitte März 2020 deutlich mehr Notrufe wegen häuslicher Gewalt ein. Wöchentlich sollen es mehr als 300 solcher Anrufe sein. Vom 16. März bis 19. April rückten Polizisten zu 1580 Einsätzen wegen Gewaltverdachts in Familien aus.