Savignyplatz

Nach Brand in Kultkneipe - Karrenbauer eröffnet Spendenkonto

Brandstifter legten ein Feuer im Zwiebelfisch. Schauspielerin Katy Karrenbauer eröffnet ein Spendenkonto für Wiederaufbau der Kneipe.

In der Kneipe „Zwiebelfisch“ am Savignyplatz hat es gebrannt.

In der Kneipe „Zwiebelfisch“ am Savignyplatz hat es gebrannt.

Foto: Amin Akhtar

Einige Gäste bezeichnen den Zwiebelfisch am Savignyplatz als Kneipe oder Alt-68er-Stift. Für andere ist er ein Treffpunkt der Prominenten und der Charlottenburger Bohème. In jedem Fall ist das Lokal eine Berliner Institution. Jetzt musste es schließen. Unbekannte hatten wie berichtet in der Nacht zum Freitag an der Hinterwand des Zwiebelfisches Feuer gelegt. Die Flammen erfassten das Lokal und verbrannten Teile der Einrichtung.

Die Schauspielerin Katy Karrenbauer gehört seit 1997 zu den prominenten Stammgästen. Mithilfe einer Spendenaktion möchte Karrenbauer die Besitzer der Kneipe dabei unterstützen, sie nach dem verheerenden Brand wiederaufzubauen. Sie werde möglichst „zeitnah ein Online-Spendenkonto eröffnen“, erklärte Karrenbauer gegenüber der Berliner Morgenpost.

Wirtin Claudia Volmerhaus geht das Ereignis sehr nahe

Wirtin Claudia Volmerhaus zeigt sich angesichts der Situation betroffen. Zu dem Brand möchte sie sich auf Anfrage unserer Redaktion nicht äußern. Man merkt ihr jedoch an, dass das Ereignis ihr nahe geht. „Wir sind noch nicht bereit, darüber zu sprechen“, sagte sie mit zittriger Stimme am Telefon.

Wann der Zwiebelfisch wieder öffnen kann, ist ungewiss. Den zahlreichen Stammgästen wird es schwer fallen, ein Lokal mit vergleichbarem Ambiente zu finden. Sie schätzten die Kneipe aufgrund ihrer freundlichen Mitarbeiter und der urtümlichen Möblierung. „Das großartige am Zwiebelfisch ist vor allem die Crew, die dort arbeitet“, sagte Karrenbauer. Seit Jahrzehnten sei das Lokal der Geheimtipp in Charlottenburg, wenn die Restaurants schließen würden. Man habe dort stets einen Absacker trinken und nette Gespräche an der Theke oder an den Stehtischen führen können.

Feuer zerstört Einrichtung des Zwiebelfischs

Die Flammen zerstörten Teile der „Old School“-Einrichtung, die die Kneipe zum Faszinosum machte. Die einheitliche Gasthausmöblierung des Zwiebelfischs bestand aus Holzpaneelen. Die Wände zierten zahlreiche Kleinkunstfotografien und Plakate in Petersburger Hängung. Das passte zum bunten Publikum, das es sich täglich von zwölf Uhr mittags bis sechs Uhr früh auf den Holzstühlen bequem machen konnte. In den nächsten Wochen wird dort wohl kein Gast mehr Platz nehmen können.

Wie verheerend der Brand wütete, kann man auf Fotos sehen, die Karrenbauer auf ihrem Facebook-Account hochlud. Einige Stühle im Zwiebelfisch konnten zwar vor den Flammen gerettet werden. Doch die Fensterscheiben des Lokals sind nun verrußt. Auch der Bodenbelag ist verkohlt. Viele der Plakate und Fotografien waren auf den Boden gefallen.

Katy Karrenbauer: Zwiebelfisch sei ihre „Seelsorgerkneipe“

Karrenbauer veröffentlichte einen Beitrag auf Facebook, in dem sie den Zwiebelfisch ihre „Seelsorgerkneipe“ nennt. Wirtin Volmerhaus und ihre Mitarbeiter kümmerten sich „von morgens bis abends um Sorgen und Nöte“ ihrer Gäste. Die Schauspielerin erinnert sich an die Nächte im Zwiebelfisch: „Wie oft haben wir bis tief in die Nacht dort bei Claudia, Sabine und Co. unser Herz ausgeschüttet, wenn mal niemand zum Reden da war.“

Karrenbauer schreibt, die Wirtin habe vor vier Wochen entschieden, den Zwiebelfisch zu schließen, als erste Meldungen über das Coronavirus in Umlauf waren. Sie habe die älteren Menschen unter ihren Stammkunden schützen wollen. Die Schließung nennt Karrenbauer eine „umsichtige“ und „verantwortungsvolle“ Entscheidung. Menschen im Alter von über 65 Jahren sowie Lungenkranke zählen zu den Risikogruppen bei Coronainfektionen. Experten schätzen ihre Mortalitätsrate auf bis zu 25 Prozent. Doch die Schließung aufgrund der Corona-Krise habe zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt.

Katy Karrenbauer ruft zu Spendenaktion auf

Dazu erklärt Karrenbauer: „Vielleicht wird der Brand nicht das Aus dieser wundervollen Kiezkneipe bedeuten. Aber jetzt, wo überall finanzielle Einbrüche drohen und niemand so recht weiß, wie und vor allem wann es weitergeht, ist das eine zusätzliche Katastrophe.“ Auf Facebook rief Karrenbauer dazu auf, den Wiederaufbau des Zwiebelfischs mithilfe von Spenden zu unterstützen.

Auf ihrer Facebook-Seite werde Karrenbauer verkünden, wann sie ein Spendenkonto für den Zwiebelfisch eingerichtet habe, sagte sie. Zurzeit wäre das nicht möglich, da Banken aufgrund der Coronakrise schließen würden. Einige Stammgäste und Bekannte hätten sich bereits an sie gewandt, weil sie spenden wollten, sagte Karrenbauer. „Viele waren wie ich fassungslos, vor allem, da es sich ja scheinbar wirklich um Brandstiftung handelt. Das hat uns alle zusätzlich entsetzt“, sagte sie.

Unbekannte sollen Stapel Altpapier angezündet haben

Laut Polizei entstand der Brand, weil Unbekannte am Donnerstagabend einen Stapel Altpapier an der Hinterwand des Zwiebelfisches angezündet hatten. Um 22 Uhr hätten Passanten das Klirren von Glas gehört und Flammen im Lokal gesehen, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Durch die Hitze des Brandes sei ein Küchenfenster zerborstet. Dadurch habe sich das Feuer im Inneren des Lokals ausbreiten können.

Bewohner des Mehrfamilienhauses, in dem sich der Zwiebelfisch befindet, haben sich bei Ausbruch des Feuers in Sicherheit bringen können. Die Feuerwehr konnte den Brand löschen. Da die Wohnungen über dem Zwiebelfisch keinen Schaden genommen haben, konnten die Bewohner wieder nach Hause zurückkehren. Das Brandkommissariat des Landeskriminalamtes Berlin hat die Ermittlungen aufgenommen.