Stuttgarter Platz

City West bekommt einen Drogenkonsumraum

Eine stationäre Anlaufstelle für Drogenkonsumenten wird im geplanten Fahrrad-Parkhaus am Stuttgarter Platz eingerichtet.

Der Stuttgarter Platz in Charlottenburg soll einen eigenen Drogenkonsumraum bekommen. Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Service 

Der Stuttgarter Platz in Charlottenburg soll einen eigenen Drogenkonsumraum bekommen. Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Service 

Foto: Joerg Krauthoefer / FUNKE Foto Services

Berlin. Der Stuttgarter Platz in Charlottenburg soll einen eigenen Drogenkonsumraum bekommen – der Ort dafür steht jetzt fest. Er soll mit in das geplante Fahrrad-Parkhaus einziehen, für das wiederum die bisherigen Parkflächen an der Ecke Kaiser-Friedrich-Straße und Stuttgarter Platz weichen müssen. Das kündigt Gesundheitsstadtrat Detlef Wagner (CDU) an. Der genaue Termin des Baubeginns stehe aber noch nicht fest.

„Zunächst wurde geprüft, ob das Parkhaus gebaut und der Drogenkonsumraum dort einziehen kann. Das kam zu einem positiven Ergebnis. Nun müssen verschiedene Baugenehmigungen beantragt werden“, so Wagner. Da es sich teilweise um langwierige Verfahren handele, sei noch nicht sicher, ob das Parkhaus 2020 oder erst 2021 fertig werde.

Der „Stutti“ galt lange als Zentrum des Rotlichtmilieus, als Drogenumschlagplatz, Ort des Diebstahls und der Gewalt. Doch seit einigen Jahren gehen die Straftaten am Platz zurück, sagte Polizei 2019 auf Morgenpost-Anfrage. Die gemeldeten Straftaten hatten sich innerhalb von vier Jahren halbiert – unter anderem aber wohl auch deshalb, weil es weniger Drogen-Kontrollen gab.

SPD setzte sich für stationären Konsumraum ein

Nach wie vor ist der Platz jedoch ein Treffpunkt für Suchtkranke. Viele spritzen sich hier Heroin. Bisher standen dafür zwei mobile Hilfsfahrzeuge bereit, um Abhängige beim Konsum medizinisch zu begleiten. Nun soll erstmals ein stationärer Drogenkonsumraum am Stuttgarter Platz eingerichtet werden.

„Die SPD hat sich seit Jahren dafür eingesetzt, den stationären Konsumraum zu errichten. Wir denken, dass die Einrichtung nicht nur für Suchtkranke ein Gewinn ist, sondern auch für die Anwohner und Sozialarbeiter vor Ort“, sagt Ann-Kathrin Biewener, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf. Sozialarbeiter des Vereins Fixpunkt, die bisher in den Wohnmobilen arbeiten, sollen auch in den neuen Räumen die Betreuung übernehmen. Sie brachten ihre Ideen zur Neugestaltung des Konsumraumes ein.

Astrid Leicht, Geschäftsführerin von Fixpunkt e. V., erklärt, eine stationäre Einrichtung werde die Betreuung der Abhängigen erleichtern sowie die Arbeitsbedingungen der vier Sozialarbeiter vor Ort verbessern. „In den Mobilen fehlen die Möglichkeiten für Hygieneangebote und zur Einzelberatung. Außerdem ist man den Witterungseinflüssen viel stärker ausgesetzt als in festen Räumen.“ Zudem seien die Wohnmobile sehr auffällig, die Konsumenten fühlten sich häufig unter Beobachtung.

6000 Betroffene kamen 2019 in die Hilfe-Mobile am Platz

Auch Stadtrat Wagner sagt: „Die stationäre Betreuung bietet den Sozialarbeitern Möglichkeiten, sich intensiver um die Suchtkranken zu kümmern. Die Wohnmobile bieten wenig Platz, um sich bei zu beraten.“ Wie die SPD halte die CDU-Fraktion den stationären Konsumraum im Bezirk für sinnvoll. Vor Baubeginn werde der Bezirk das Gespräch mit Anwohnern suchen, um sie mit der Idee der Einrichtung vertraut zu machen und ihre Vorschläge zu berücksichtigen.

Wagner glaubt nicht, dass wegen des stationären Konsumraums mehr Drogenabhängige den Stuttgarter Platz aufsuchen werden. Vielmehr werde sich der Konsum von der Straße in das Gebäude verlagern. Spritzen und ähnliche Utensilien würden dann nicht mehr auf der Straße liegen bleiben.

Im Jahr 2019 haben 136 Suchtkranke insgesamt 2373 Mal in den Konsum-Mobilen am Stuttgarter Platz Drogen konsumiert, so die Antwort auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck an den Senat. Außerdem kamen weitere Klienten zu den Mitarbeitern von Fixpunkt, um sich in Fragen zu ihren Suchterkrankungen beraten zu lassen. Insgesamt suchten im vergangenen Jahr 6000 Betroffene die Hilfe-Mobile auf, so der Verein.

Senat stellt Mittel für Drogenkonsumraum zur Verfügung

Finanziert wird das Projekt aus Mitteln, die der Senat bereitgestellt hat. Die Mittel für Drogenkonsumräume seien von 1,64 Millionen Euro im Jahr 2019 deutlich erhöht worden auf jährlich 3,55 Millionen Euro für 2020 und 2021, so Lena Högemann, Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung. Bisher gibt es drei stationäre Konsumräume in Moabit, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg. Mobile Betreuung wird neben dem Stuttgarter Platz auch in Schöneberg nahe der Apostel-Paulus-Kirche angeboten.

„Wenn der stationäre Konsumraum fertiggestellt ist, werden die Wohnmobile vom Stuttgarter Platz in andere Bezirke umziehen. Vor allem in Neukölln oder Kreuzberg werden sie dringend gebraucht“, kündigt SPD-Sprecherin Ann-Kathrin Biewener an. Insbesondere entlang der Linie U7 sind weitere mobile sowie stationäre Konsumräume geplant, da sich Abhängige an diesen Stationen häufig treffen.