Theater

Sommernachtsträume an der Spree in Charlottenburg

Das runde Holztheater wird auch diesen Sommer noch nicht in Charlottenburg aufgestellt. Aber es gibt Theater unter freiem Himmel.

Hätte bestimmt seine Freud daran, dass ein Theater nach seinem Vorbild in Berlin aufgebaut werden soll: William Shakespeare

Hätte bestimmt seine Freud daran, dass ein Theater nach seinem Vorbild in Berlin aufgebaut werden soll: William Shakespeare

Foto: Simulation: BM

Charlottenburg.  „Nichts hält die wahre Hoffnung auf. Sie fliegt mit Schwalbenflügeln“, lautet ein Satz, der William Shakespeare zugeschrieben wird. Nicht überliefert ist, ob er ihn vielleicht geprägt hat, als auch er lange auf eine Genehmigung für den Bau seines Globe Theatres am Ufer der Themse in London warten musste. Seine Nachfahren jedenfalls, in Gestalt der Shakespeare Company Berlin, haben die Hoffnung auch noch nicht aufgegeben, dass sie am Ufer der Spree in Charlottenburg irgendwann ein hölzernes Globe Theatre ihr eigen nennen und darin spielen können. Immerhin wird es in diesem Jahr auf dem Grundstück am Eingang zur Mierendorff-Insel Shakespeare als Freilufttheater geben, um den Platz zu einmal „einzuspielen“.

„Ich habe das Vorhaben von Anfang an unterstützt“, sagt Kulturstadträtin Heike-Schmitt-Schmelz (SPD). „Ich freu mich drauf, dass es in diesem Sommer nun zumindest mit einem ersten Provisorium beginnt.“ In einer Prolog-Saison wird es vom 1. Juni bis 14. September unter dem Motto „Utopie Illusion“ einen Vorgeschmack auf das künftige Globe-Programm geben. Am künftigen Standort an der Sömmeringstraße sind drei Theater-Premieren, Weltmusik-Konzerte und Gastspiele auf einer provisorischen Freilichtbühne, der „Prolog- Bühne“ mit 300 Plätzen geplant.

„The Wooden O.“ aus Schwäbisch Hall an die Spree

Das Globe Berlin wird der neue Schauplatz für Schauspiel, Wortkunst und Weltmusik. Die Baugenehmigung, Erbpachtvertrag und Betriebserlaubnis vorausgesetzt, kann der aus Schwäbisch Hall stammende hölzerne Theaterbau voraussichtlich nun im Herbst 2019 aufgebaut und ab dem Sommer 2020 dann bespielt werden. Das Haus soll dann etwa 600 Besucher Platz bieten. Der Rundbau ist Shakespeares legendärer Open-Air-Arena nachempfunden, in dem sich vor über 400 Jahren ein Querschnitt der Londoner Bevölkerung zusammenfand, um Begegnung, Bildung und Unterhaltung an einem verbindenden Ort zu erleben. Die Faszination eines Globe Theaters besteht darin, dass die Bühne an drei Seiten sowie auf drei Ebenen vom Publikum umgeben ist, und dieses so das Geschehen aus unmittelbarer Nähe erleben kann.

Mehrsprachig und interaktiv

Das Globe Berlin spricht sein Publikum mit einer Bandbreite von Künsten und KünstlerInnen an, die spartenübergreifend, mehrsprachig und interaktiv agieren. Die Themen sind Gegenwarts-bezogen. Das neu gegründete 16-köpfige Globe Ensemble Berlin arbeitet mit Ausdrucksmitteln sowohl traditioneller Formen wie Sprechtheater, Musik, Tanz, Masken- und Puppenspiel ebenso wie mit Performance, Slam-Poetry und Stoffentwicklungen aktueller Dramatiker. Das Theater soll Schauplatz, Bühne, Werkstatt und Forum für Begegnung, Bildung, Forschung und künstlerische Formate sein, die zum Dialog und zur Verständigung beitragen. Im Kern des Programms steht das Schauspiel – Shakespeares Dramen als Gesamtkunstwerk in eigenen Übersetzungen und auf Englisch, deutsche Klassiker in neuen Formaten, Stücke zeitgenössischer Autoren und ausgewählte Gastspiele.

Ein Traum wird wahr

Initiator und Geschäftsführer des Globe Berlin ist Christian Leonard, Regisseur, Schauspieler und Shakespeare-Übersetzer. Er ist Gründer der Shakespeare Company Berlin und war für 20 Jahre als künstlerischer Leiter und im Vorstand tätig.

Im Jahr 2016 nutzte er die Gelegenheit und erwarb den hölzernen Theaterrundbau aus Schwäbisch Hall, finanzierte den Abbau sowie den Transport, um nach 20 Jahren Vorarbeit seine Vision eines „Globe-Theaters für Berlin“ zu verwirklichen.

Der Shakespeare-Sommer beginnt mit „Romeo und Julia“

Premiere ist am 1. Juni mit „Romeo und Julia / Die Fremden“ von William Shakespeare in der Regie von Christian Leonard. Die Inszenierung wird auch in einer englischen Fassung zu sehen sein. Am 19. Juni folgt die Premiere von „Über die Verführung von Engeln“ mit Liebeslyrik und Liedern von Bertolt Brecht (Regie: Jens Schmidl) und am 24. Juli der tragikomische Liebesschwank „Nach dem Kuss“ von Oliver Bukowski (Regie: Anselm Lipgens). Die Aufführungen beginnen dienstags-sonnabends um 19:30 Uhr, sonntags um 18 Uhr. An jedem ersten Sonntag im Monat gibt es um 15 Uhr ein Weltmusik-Konzert und der Dienstag ist für Gastspiele reserviert. Der Eintrittspreis liegt zwischen 10 Euro und 26 Euro, Tickets sind ab 1. Mai erhältlich über www.globe.berlin, telefonisch unter Tel: 030-54905192 oder per Mail an ticketing@globe.berlin sowie an den bekannten VVK-Stellen.