Charlottenburg

Straßenkunst am Parkhaus der Deutschen Oper

Am Sonnabend startet an Zille- und Krumme Straße das Paste-Up Festival mit Bildern von Künstlern aus aller Welt

Die Past-Up-Galarie am Parkhaus der Deutschen Oper

Die Past-Up-Galarie am Parkhaus der Deutschen Oper

Foto: Maurizio Gambarini

Mit einem großen Pinsel streicht Street-Art-Künstler Junx Kleister auf ein Blatt Papier, das vor ihm auf dem Bürgersteig liegt. Er hebt es hoch und drückt es an die graue Wand. Bereits seit Mittwoch klebt er gemeinsam mit anderen Kunstwerke auf die Mauer rund um das Parkhaus an der Rückseite der Deutschen Oper. Mit bis zu 300 Bildern auf einer Fläche von 224 Quadratmetern entsteht an der Ecke Krumme- und Zillestraße derzeit die größte Paste-Up-Galerie Berlins. Sie soll am Sonnabend um 14 Uhr im Rahmen des Saisoneröffnungsfests der Oper ebenfalls eröffnen.

Paste-Up (aufkleben) ist eine Form der Street-Art (Straßenkunst), bei der auf Papier gemalte Bilder auf feste Untergründe im öffentlichen Straßenland aufgebracht werden. „Wir fanden die Idee interessant“, sagt Opernsprecherin Kirsten Hehmeyer. Kunst im Stadtraum sei für jedes Theater ein Thema, wenn auch in anderer Ausdrucksform. Daher habe man die Idee des Künstlerkollektivs „Wandalism“ gern aufgenommen.

Im Juli riefen Oper und Kollektiv international dazu auf, Bilder einzureichen. Mehr als 100 Künstler aus aller Welt hätten ihre Werke nach Berlin geschickt, sagt Johann Simon, der bei „Wandalism“ für das Projekt verantwortlich ist. Darunter Einsendungen aus allen europäischen Staaten, Kanada und den USA, aus Russland, der Türkei oder dem arabischen Raum. Manche, wie die Bilder aus dem Iran, seien vor dem Hintergrund dort herrschender Repression zum Teil anonym eingegangen. Einige Künstler seien bekannt, andere nicht. Manche erst 20 Jahre alt, andere bereits 60 oder älter.

Street-Art schlägt Brücke zwischen Kunst und Politik

„Einige der Bilder könnten auch im Museum hängen oder auf Auktionen bestimmt vierstellige Preise erzielen“, sagt Simon. Dabei zeigt er auf ein Bild der griechischen Malerin Anna Dimitriou, das in der Farbgebung und mit seinen Pinselstrichen an die Werke Gustav Klimts erinnert. Einige Arbeiten sind schlicht lustig gemeint, wie „Super Bavario“ – die Computerspielfigur „Super Mario“ in Lederhosen. Andere greifen deutlich ernstere Themen auf. „Made in Germany“ ist in großen Lettern auf einem Panzer zu lesen – eine Anspielung auf deutsche Rüstungsexporte.

„Street-Art schlägt oft eine Brücke zwischen Kunst und Politik“, sagt Simon. Es gehe um Dinge wie Sexismus und Rassismus. Der Kunststil wolle zum Denken anregen. Anstoßen, aber nicht abstoßen. „Und Street-Art geht dabei in den gesellschaftlichen Raum und braucht vordefinierte Institutionen wie Museen nicht“, ergänzt „Wandalism“-Vorstand Moritz Tonn.

An der Oper würden die Künstler nun eine Fläche bekommen, die sie sonst nicht zur Verfügung hätten. „Street-Art wird insbesondere in der Hochkultur immer noch divers diskutiert“, so Tonn. Häufig sehe man sich dem Vorwurf der „Nicht-Kunst“ ausgesetzt. Mit der Deutschen Oper habe man nun einen eindeutigen Partner aus der Hochkultur. „Es ist ein Schritt der Anerkennung. Street-Art dringt so auch in kulturelle Kreise vor, die ihr bislang verschlossen blieben.“

Die Kunstwerke werden bis zum 30. Oktober an der Mauer zu sehen sein. Danach werden sie entfernt und entsorgt. „Das zeigt auch den Aspekt der Vergänglichkeit von Kunst“, so Tonn. Etwas Theatralisches, aber in diesem Bereich der Kunst Normales. Denn Street-Art ist selten von Dauer, wird oft übermalt oder entfernt – insbesondere wenn sie illegal angebracht wurde.

„Wandalism“ hat sich dem Ziel verschrieben, Kunst und Kultur im Zen­trum Berlins durch Zwischennutzungen lebendig und vielfältig zu gestalten. Vor allem mit dem Projekt „Hometown Berlin“ machte das Kollektiv vor Kurzem auf sich aufmerksam. Im Juni wurde auf der Brachfläche des gescheiterten Riesenradprojektes an der Hertzallee hinter dem Bahnhof Zoo ein Freiluft-Atelier und Künstlerdorf errichtet. Noch bis zum 3. Oktober kann es besucht werden. Im Frühjahr lockte die erste „Wandalism“-Schau in einem alten Autohaus an der Wilmersdorfer Wilhelmsaue mehr als 2000 Besucher an.

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