Berlin-Charlottenburg

Streit um überfluteten Bio-Gärtnerhof in Charlottenburg

Die Mosaik-Werkstätten geben den Wasserbetrieben die Schuld und befürchten, die Biozertifizierung für ihren Betrieb zu verlieren.

Nicht zum Bewässern eines Bio-Gartens geeignet: Berliner Abwasser auf dem Gärtnerhof im Fürstenbrunner Weg

Nicht zum Bewässern eines Bio-Gartens geeignet: Berliner Abwasser auf dem Gärtnerhof im Fürstenbrunner Weg

Foto: Mosaik

Berlin.  Eine graubraune Fontäne aus Schmutz- und Regenwasser drängte sich am 12. Juli aus einer Gully-Öffnung in den Hof der Mosaik-Werkstätten für Behinderte am Fürstenbrunner Weg in Charlottenburg. Die Wassermenge drückte Pflastersteine aus ihren Fassungen, flutete die Obstgärten und kontaminierte die Ernte. Die Sachschäden belaufen sich laut einer Pressemitteilung der Mosaik-Werkstätten vom Mittwoch auf geschätzte 250.000 Euro. Die Frage nach der Ursache der Überschwemmung hat einen Streit zwischen der Geschäftsführung der Werkstätten und den Berliner Wasserbetrieben (BWB) ausgelöst.

Frank Jeromin, Geschäftsführer der Werkstätten, stellte einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung, die den Wasserbetrieben die Nutzung der Entwässerungskanäle und Abwasserdruckleitungen unter dem Hof untersagen soll, bis eine erneute Überschwemmung ausgeschlossen werden kann. Er glaube nicht, dass der Regen die Ursache der Überschwemmung war. Er halte es für wahrscheinlicher, dass durch Bauarbeiten der Wasserbetriebe ein Kanal in der Nähe geschlossen war und der Kanal unter dem Gärtnerhof als Notüberlauf genutzt wurde. „Es ist empörend, wie nachlässig die BWB mit der Betriebssicherheit umgeht. Sie äußern sich nicht zu dem Vorfall und entziehen sich ihrer Verantwortung. Die Ursachenforschung wird bewusst verschleppt“, sagt Jeromin. „Wir sitzen auf einem Pulverfass.“ Auf dem Bio-Gärtnerhof steht nach Jaromins Angaben nicht das Biozertifikat für die Anlage in Frage, auch 66 Arbeitsplätze sind gefährdet.

Gutachten soll die Ursache klären

BWB-Pressesprecher Stephan Natz widerspricht den Vorwürfen. Man habe bereits am 16. Juli ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die Ursachen der Überflutung festzustellen. Am 12. Juli habe es sehr starke Regenfälle gegeben. Da in so einem Fall die Kapazitäten der Kanäle irgendwann an ihre Grenzen gelangen, gebe es Regenüberlaufbecken und weitere Abwasserstauräume. In der Nähe des Bahndamms sei ein Überlaufkanal am 12. Juli teilweise abgemauert gewesen, zwecks Sanierungsarbeiten. Dadurch sei es zu der Überschwemmung gekommen. „Die Sanierung ist mittlerweile aber abgeschlossen.“ Dass man auf einem Pulverfass sitze, sei demnach falsch. „Und die Leitungen wie gefordert nicht mehr zu nutzen, hieße, im Notfall ganz Charlottenburg unter Wasser zu setzen“, sagt Natz. „Natürlich finden wir bedauerlich, was passiert ist. Es ist für die BWB ein Anlass, ihr Regelwerk für solche Arbeiten zu überarbeiten.“