50 Jahre 1968

Auf den Spuren der 68er in Charlottenburg

Vor 50 Jahren zählte die City West zu den Hochburgen der deutschen Studentenbewegung. Mit zwei Ausstellungen wird diese Geschichte nun beleuchtet

Studenten demonstrieren am 21. Oktober 1967 auf dem Tauentzien gegen den Vietnamkrieg

Studenten demonstrieren am 21. Oktober 1967 auf dem Tauentzien gegen den Vietnamkrieg

Foto: Bundesstiftung Aufarbeitung/Klaus Mehner

Demonstrationen ziehen heute vor allem durch das Regierungsviertel in Berlin-Mitte. Revolten würde man wohl eher in Kreuzberg vermuten. Vor 50 Jahren stand allerdings vor allem Charlottenburg im Zentrum der westdeutschen Studentenbewegung. Immer wieder diente insbesondere der Kurfürstendamm als Route großer Demonstrationen. Vor der Gedächtniskirche trafen sich die als „Gammler“ verschrienen Hippies. Die „Kommune I“ kam zeitweise am Stuttgarter Platz unter.

Viele der damaligen Ereignisse waren kulturgeschichtlich von großer Bedeutung und haben sich tief in das kollektive Gedächtnis einer ganzen Generation eingeprägt: Die tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg am Rande der Proteste gegen den Schah-Besuch am 2. Juni 1967 unweit der Deutschen Oper, die „Vietnamkonferenz“ im Februar 1968 an der TU Berlin oder das Attentat auf ihren Hauptredner Rudi Dutschke im darauffolgenden April vor dem Haus des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds (SDS) am Kurfürstendamm 141, die in den „Osterunruhen“ gipfelten.

Fotoausstellung im Museum und Freiluftschau am Kudamm

Mit zwei Ausstellungen unter dem Titel „1968 | Berlin-Charlottenburg. Zentrum der Revolte“ erinnert das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf seit Donnerstag an diese Zeit. Es gehe darum, diese Geschichte wieder erlebbar zu machen, sagt Kurator Norbert Wiesneth. Denn heute könne man sich kaum vorstellen, welche Bedeutung Charlottenburg damals als Ort hatte. Dazu werden zum einen in der Villa Oppenheim an der Schloßstraße 55 insgesamt 30 Bilder des Fotografen Klaus Mehner (1941-2016) gezeigt. Sie entstanden zwischen 1967 und 1970 vor allem bei Demonstrationen.

Diese endeten häufig am Joachimsthaler Platz. Daher wurde hier eine Freiluftausstellung installiert. Auf sechs Litfaßsäulen werden mit Bild und Text ausgewählte Ereignisse beleuchtet. In den Abendstunden sollen außerdem von der ehemaligen Verkehrskanzel historische Bilder und Filmaufnahmen auf den Bürgersteig projiziert werden.

Anhand von Karten können sich Interessierte auf Erkundungstour durch den Bezirk begeben. Zehn Orte wurde exemplarisch ausgewählt. „Uns war es aber auch wichtig, unbekanntere Themen aufzunehmen“, sagt Wiesneth. So wurden hier 1967 und 1968 die Weihnachtsgottesdienste gestört. Die Protestierenden eine klarere Haltung der Kirche gegen den Vietnamkrieg. Ein weiterer Hinweis findet sich auf die Jebensstraße 1 gegenüber des Bahnhofs Zoo. Hier eröffnete damals einer der ersten Kinderläden West-Berlins.

Beide Ausstellungen laufen noch bis zum 23. September. Der Eintritt ist frei. Begleitend soll es außerdem Vorträge und Filmvorführungen geben. Ein Programm mit allen Informationen, Anfahrt und Öffnungszeiten finden Sie hier.

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