Schöneberg

Hans Wurst Nachfahren hören auf – Standort aber gesichert

Die Unterstützer des Puppentheaters Hans Wurst Nachfahren atmen auf: Der Standort am Winterfeldtplatz ist bis Ende 2023 gesichert

Zwei Mitglieder der Unterstützer-Initiative des Puppentheaters: Cornelia Stauß und Jochen Dannert.

Zwei Mitglieder der Unterstützer-Initiative des Puppentheaters: Cornelia Stauß und Jochen Dannert.

Foto: Anja Meyer

Die Unterstützer des Schöneberger Puppentheaters Hans Wurst Nachfahren atmen auf: Der Standort in der Remise am Winterfeldtplatz ist bis Ende des Jahres 2023 gesichert – als Kulturort für Kinder und Jugendliche. Das teilte die Senatskulturverwaltung nun mit. Wie dieser Kulturort genau aussehen soll, ist bislang noch unklar. Denn wer das Theater künftig betreiben wird, steht noch nicht fest. Die traditionsreichen „Hans Wurst Nachfahren“ verabschieden sich trotzdem, das hat jedoch nichts mit der immer wieder drohenden Verdrängung aus den Räumen zu tun.

Lederer handelte Verlängerung des Mietvertrags aus

„Wir haben uns riesig gefreut und erst einmal eine Flasche Champagner aufgemacht, als wir von den tollen Neuigkeiten erfahren haben“, sagt Cornelia Stauß von der Bürgerinitiative mit dem Namen „Initiative Kiezkultur“, die sich seit 2014 für den Erhalt des Puppentheaters einsetzt. Nach einer langen Verhandlungsphase hat Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) eine fünfjährige Verlängerung des Mietvertrages mit dem Gebäudeeigentümer ausgehandelt. „Wir haben in den vergangenen vier Monaten der Verhandlungen gebangt, die Neuigkeit kam auch für uns vollkommen überraschend.“ Die Initiative sei gespannt darauf, wie die Kiezkultur für junge Menschen am Winterfeldtplatz künftig gestaltet wird.

Betreiber des Puppentheaters gehen in den Ruhestand

Die beiden Betreiber des Figurentheaters, Siegfried Heinzmann und Barbara Kilian, hatten angekündigt, nach 37 erfolgreichen Jahren am Winterfeldtplatz aufhören zu wollen, um in den Ruhestand zu gehen. Bereits am Sonntag lief ihre letzte Vorstellung. 1981 hatten beide das Theater gegründet, 1993 zogen sie in die Remise – dort spielten sich das Grüffelo-Monster, die furchtlose Maus und Hase Lodengrün in die Herzen der Kinder. Freitags bis sonntags gab es abends ein Erwachsenenprogramm, das Theater war nach Angaben der „Initiative Kiezkultur“ im Durchschnitt bis zu 85 Prozent ausgelastet.

Doch nachdem das Haus 2014 verkauft wurde, schickte der Eigentümer dem Puppentheater umgehend eine Kündigung des Mietvertrages. Er hatte eigene Pläne, wollte in die Remise einziehen und dort sein Tonstudio einrichten. Als Nachbarn aus dem Nollendorfkiez wie Cornelia Stauß und Jochen Dannert von dem Rausschmiss erfuhren, formierten sie sich zu der Unterstützer-Initiative und sammelten mit roten Nasen auf dem Wochenmarkt am Winterfeltplatz knapp 16.000 Unterschriften für den Verbleib des Theaters am alten Standort. Nicht nur wegen des reinen Theaterbetriebs, sondern auch weil das Puppentheater zu einer sozialen Institution im Kiez geworden ist. Zweimal wurde der Mietvertrag seitdem schon verlängert, eigentlich sollte er Ende September dieses Jahres auslaufen.

Auch ein Puppenspieler der „Hans Wurst Nachfahren“ bewirbt sich

Nun läuft von Seiten der Senatsverwaltung für Kultur und Europa eine öffentliche Ausschreibung zur Fortführung des Kulturbetriebes mit einem künstlerischen Programm für Kinder und Jugendliche. Dafür wird ab dem 15. September eine Sonderförderung vergeben, die Bewerbung ist bis zum 30. Juni möglich, Anträge können unter https://fms.verwalt-berlin.de/egokuef/ eingereicht werden. Wie Cornelia Stauß berichtet, wolle sich wohl auch ein Puppenspieler der „Hans Wurst Nachfahren“ mit Mitstreitern für diese Förderung bewerben.

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