Wilmersdorf

„Kinder brauchen wenig und gutes Spielzeug“

Kaum ein Weg scheint an Handy- oder PC-Spielen vorbeizuführen. Ein Wilmersdorfer weiß aber, warum auch klassisches Spielzeug wichtig ist.

Martin Elschenbroich in seinem Geschäft "Spielvogel" an der Uhlandstraße

Martin Elschenbroich in seinem Geschäft "Spielvogel" an der Uhlandstraße

Foto: Anja Meyer

Eine Badewanne für die Spielzeug-Puppe, die schwangere Barbie, eine ferngesteuerte Eisenbahn, die quetschbaren „Teeny Tys“ oder den „Squeeze Ball“ – ein kleiner Gummiball im Netz, dessen schleimiger Inhalt beim Kneten die Farbe wechselt: In Martin Elschenbroichs Geschäft in Wilmersdorf werden Kinderträume erfüllt und Geschenke für Klein und Groß gefunden. Denn obgleich Kinder und Jugendliche heute viel Zeit vor dem Computer und am Smartphone verbringen, ist das Offline-Spielen noch lange nicht out, wie der Spielwarenhändler erklärt. Und das sei auch außerordentlich wichtig.

Verschiedenste Karten- und Brettspiele

„Spielen hat schon immer eine herausragende Rolle in der Entwicklung von Kindern gespielt“, sagt Elschenbroich. „Und das wird hoffentlich auch so bleiben.“ Martin Elschenbroich steht vor dem Regal mit den Gesellschaftsspielen in seinem Laden „Spielvogel“ in der Uhlandstraße. Bis zur Decke stapeln sich verschiedenste Karten- und Brettspiele, ein paar Regale weiter Puppen und Barbies, gegenüber Lego und Playmobil, daneben Kuscheltiere, dazwischen Spielzeuge für draußen und ein paar Kleinigkeiten an der Kasse. Rund 25.000 Einzelartikel bietet er an. Ein Anblick, der den unvorbereiteten Spieleliebhaber glatt erschlägt.

Doch wer in Martin Elschenbroichs Laden kommt, weiß meistens sowieso schon, was er haben möchte. Oder zumindest die grobe Richtung. „Die Leute informieren sich vorab im Netz und lassen sich dann gerne noch einmal beraten, wollen die Spielzeuge mal in die Hand nehmen“, erklärt Elschenbroich. „Deshalb werden Spielwarengeschäfte wie unsere auch noch nicht vom Online-Handel verdrängt.“

Elschenbroichs „Spielvogel“ gibt es seit 1949. Gegründet wurde er von einem Herrn Vogel nach dem Krieg als Rollerverleih, wie Stammkunden erzählt haben. Elschenbroichs Eltern übernahmen den Laden im Jahr 1995, seit 2002 führt er ihn. Die Zeiten, in denen sich Kinder am Schaufenster die Nase plattgedrückt und sehnsüchtig eine gefühlte Ewigkeit von diesem einen Teddy geträumt haben, sind jedoch vorbei. Heute sei der Spielwarenhandel zu großen Teilen von Trends geprägt, die immer kurzlebiger werden.

Immer neue Trends

„Was heute noch der letzte Schrei ist, interessiert in drei Monaten womöglich niemanden mehr“, sagt Martin Elschenbroich. Aktuell stehen die in der Hand quetschbare „Teeny Tys“ bei den Berliner Kindern ganz hoch im Geschäft. Im vergangenen Jahr war es noch der „Fidget Spinner“, den alle haben wollten. „Danach kräht heute kein Hahn mehr.“ Für den 51 Jahre alten Spielwarenhändler und sein achtköpfiges Team geht es also vor allem auch darum, Trends frühzeitig zu erkennen. Das geschehe vor allem durch ein genaues Zuhören und Hinsehen im Verkaufsraum. „Im Gespräch mit den Kindern und Jugendlichen erfahren wir, was auf dem Schulhof gerade cool ist“, sagt Elschenbroich. Viele Spielzeuge werden von sogenannten Influencern auf Youtube oder Instagram groß gemacht. „Eigentlich bräuchten wir noch jemanden, der die Trends im Netz ausfindig macht.

Denn Auswahl ist in noch größerer Masse da. Jeder neue Animationsfilm bringt gleich eine ganze Palette an passenden Spielen und Accessoires mit sich. Martin Elschenbroich nimmt den Katalog eines Herstellers mit den Spieleneuheiten 2018 in die Hand und beginnt zu blättern. „Das gab es letztes Jahr schon, hier eine Abwandlung von Mensch-ärgere-dich-nicht, das da kenne ich auch schon“, sagt er. „Von 28 vorgestellten Spielen ist nur eine wirkliche Neuheit dabei.“ Ein Spiel, bei dem Eiswürfel die Spielfiguren darstellen. Ähnlich sieht es bei den Katalogen der anderen Hersteller aus. 700 bis 800 Neuheiten jährlich im Karten- und Brettspielbereich. „In den 90ern war das ungefähr die Hälfte“, sagt Elschenbroich, der im Laden der Experte für Brett- und Gesellschaftsspiele ist.

Kinder brauchen Liebe und gemeinsame Spiele

Um als Spielwarenhändler in dieser Produktschwemme mitzuhalten, probiert er selbst auch nach Feierabend immer mal wieder neue Spiele mit Freunden und Familie aus. Privat hat er jedoch einen ganz anderen Rat: „Kinder brauchen wenig und gutes Spielzeug“, sagt Martin Elschenbroich. „Und sie brauchen Liebe und Zeit von den Eltern, die mit ihm zusammen zu spielen.“ Gerade für sie sei es doch besonders spannend, mit ihren Kindern zu spielen. „Im Spiel erkennt man die Stärken und Schwächen seines Kindes am besten – und kann dessen Sozialkompetenzen fördern.“ So habe er es auch mit den drei eigenen Kindern gehalten. „Wir haben gespielt wie verrückt, aber wir hatten Zuhause nur wenig Spielzeug“, erzählt er. „Wenn man immer alles haben kann, wird es doch auch viel zu schnell langweilig.“

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