Charlottenburg

Neues Café: Arket stellt Stühle vor die Tür

Es ist bei weitem nicht das alte Kranzler, aber einige Händler denken offenbar um. Der neue Arket-Laden im Kranzler Eck bietet Erfrischungen an.

Aufgestuhlt: Vor dem neuen Arket-Laden am Kudamm stehen Tische und Stühle

Aufgestuhlt: Vor dem neuen Arket-Laden am Kudamm stehen Tische und Stühle

Foto: Carolin Brühl

An das alte Kranzler mit seiner Terrasse kommt es nicht heran, aber immerhin scheint es doch bei einigen Ladenbetreibern am Kurfürstendamm angekommen zu sein, dass sich der einkaufende oder bummelnde Mensch zwischendurch gern mal hinsetzt. Der neue Laden der H&M-Premium-Tochter Arket im Kranzler Eck am Kudamm hat immerhin Stühle und Tische vor seine Tür gestellt und will mit seinen vegetarischen und veganen Essensangeboten, die "die Reinheit, Frische und Einfachheit" widerspiegeln, die allgemein mit Skandinavien assoziiert werde. Preiswert ist das Speisenangebot trotz des schwedisch-schlichten Einrichtungsstils nicht. Ein mit Hummus oder Kräuterquark belegtes Brot schlägt schon mal mit 6,90 Euro zu Buche. Doch die Plätze auch im Innern des neuen Cafés sind am heißen Dienstagnachmittag gut belegt. Für das Fachblatt "Textilwirtschaft" steht der Trend fest: "Essen ist in Mode."

Mieten für hochwertige Gastronomie zu teuer

Cafés und Restaurants fehlen auf den Boulevards des Westens. Vieles schließt wegen der stetig steigenden Mieten und nicht alles, was danach kommt, passt zum Ambiete des Kurfürstendamms. So hatte sich in die gut erhaltenen, denkmalgeschützten Mampe-Stuben am Kudamm 15, einige Jahre McDonalds einquartiert. Jetzt wird das Haus renoviert, die Nachbarhäuser neu gebaut, doch an Gastronomie denkt der Investor an dieser Stelle bisher nicht. "Viele Investoren sind da immer noch beratungsresistent", unkte AG-City-Vorstand Gottfried Kupsch vor einigen Tagen, als es in einer Diskussion um eine Attraktivitätssteigerung der City West ging.

Doch "die Gastronomie im Handel und in dessen Umfeld nimmt an Fahrt auf", hat das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI in einer Branchenstudie beobachtet. Besonders experimentierfreudig ist dabei zurzeit der durch Online-Konkurrenten wie Amazon oder Zalando besonders in Mitleidenschaft gezogene Modehandel.

Erlebniseinkauf im Internet nicht kopierbar

Handelsexperten halten die Gastro-Strategie durchaus für vielversprechend. Schließlich lässt sich ein solcher "Erlebniseinkauf" im Internet kaum kopieren. Auch in den großen Shopping-Centern spielen Restaurants und Cafés deshalb eine immer wichtigere Rolle. Belegten gastronomische Angebote noch vor einigen Jahren gerade einmal sechs Prozent der Verkaufsfläche, so hat sich diese Zahl mittlerweile der EHI-Studie zufolge "in vielen Shoppingmalls mindestens verdoppelt". Zum Teile liege der Gastro-Anteil sogar bereits bei knapp 15 Prozent.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.