Charlottenburg

Autogramme zum Finale der Kudammm-Bühnen

Mit einem großen Fest und Auftritten von vielen Künstlern verlässt eine Institution ihren alten Standort am Kudamm

Walter Plathe signiert Autogrammmkarten beim  Abschiedsfest der Kudamm-Theater

Walter Plathe signiert Autogrammmkarten beim Abschiedsfest der Kudamm-Theater

Foto: Davids/Sven Darmer

Abends kennt man das vertraute Bild von Theaterbesuchern vor den Kudamm-Bühnen. Um zwölf Uhr mittags ist eine riesige Menschentraube vor den Häusern allerdings ungewöhnlich. Doch viele Berliner sind an diesem Sonnabend gekommen, um noch einmal Adieu zu sagen zu zwei der schönsten Theater der Stadt, die bald abgerissen werden.

Einen Tag, bevor der letzte Vorhang fällt, haben die Kudamm-Bühnen zu einem großen Abschiedsfest eingeladen. Mit über sechs Stunden Programm sowie anschließender Abschieds-Party mit Tanz auf der Bühne und im Foyer des Theaters am Kurfürstendamm. Alles bei freiem Eintritt. „Wir wollen es heute noch mal so richtig krachen lassen“, verrät Pressesprecherin Brigitta Valentin. Vielleicht fällt der Auszug dann etwas leichter.

Hochemotionaler Abschied

Unverkennbar aber, dass der Abschied beim gesamten Team hochemotional ist. Als Direktor Martin Woelffer und sein Vater Jürgen Wölffer, der die Theater von 1965 bis 2004 leitete, das Publikum begrüßen, hat der Senior Tränen in den Augen. Er wird heute nicht der Einzige sein. Vorher wird aber noch kräftig gefeiert. Für Kurzauftritte geben sich zahlreiche prominente Künstler die Klinke in die Hand. Darunter die wunderbare Brigitte Grothum, die scharfzüngige Désirée Nick und der grandiose Walter Plathe. Der Schauspieler singt ein Medley aus Inszenierungen wie „Zille“ und „Kohlenpaul“. Seine Feierlaune hält sich indes in Grenzen. „Bei Beerdigungen wird zwar auch gefeiert. Aber da weiß man, dass den zu Grabe Getragenen ein besseres Leben erwartet. Wir wissen nicht, ob etwas Besseres kommt“, gibt er zu bedenken. Immerhin wird der Publikumsliebling bei drei neuen Projekten im Schiller Theater, der Interimsspielstätte der Kudamm-Bühnen, dabei sein.

In der Komödie schwelgen gerade Lilo (61) und Tochter Karin (37) aus Steglitz in Erinnerungen. „Wir haben hier so viele schöne Inszenierungen gesehen“, erzählt Lilo. Und Karin fügt hinzu: „Die Atmosphäre und die Räumlichkeiten sind einmalig. Das geht jetzt leider verloren.“ Die beiden prosten sich nun mit einem Glas Himbeerbowle im schmucken Foyer zu. Schließlich gehört dieses Getränk für die meisten zu einem Besuch hier einfach dazu.

Abschiedsfest ist einen Abstimmung für die Theater mit den Füßen

In der Komödie nutzen die Besucher letztmalig die Gelegenheit, die Ausstellung über die Kudamm-Bühnen zu sehen und Fotos vom schönen Haus zu machen. Im benachbarten Theater am Kurfürstendamm steppt derweil der Bär. Kamerateams und Fotografen strömen ebenso unablässig ins Haus wie Besucher. Die meisten sind Berliner, doch auch Touristen finden sich ein. Das Theater selbst ist proppenvoll.

„Eine Abstimmung für die Theater mit den Füßen“, findet Hannes Heesch, noch in der Kutte von Martin Luther, den er gerade auf der Bühne gegeben hat. Soeben hat er sich mit dem Team vom kabarettistischen Jahresrückblick mit einem fulminanten Auftritt verabschiedet. Für ihn ist klar: „Da ist seitens der Politik gleich zu Anfang viel falsch eingefädelt worden.“ Kollege Christoph Jungmann stimmt ihm zu: „Der Abriss hätte nicht sein müssen. Man hätte die Häuser unter Denkmalschutz stellen können.“ Gleichwohl meint er: „Wir müssen positiv nach vorn blicken.“ Das Theater-Team, bei dem die Stimmung momentan zwischen Abschiedsschmerz und Aufbruchsstimmung schwankt, sieht das offensichtlich genauso. Es verlost Stofftaschen mit dem Spruch: „Veränderung ist das Salz des Vergnügens.“