Charlottenburg/Mitte

Hochhäuser sollen die Zukunft der City West sichern

AG City macht Druck auf die Genehmigungsbehörden. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf will aber ein Gesamtkonzept und fordert mehr Wohnungen.

Unter dem neuen Turm von Helmut Jahn an der Nürnberger Straße soll ein Stadtplatz entstehen.

Unter dem neuen Turm von Helmut Jahn an der Nürnberger Straße soll ein Stadtplatz entstehen.

Foto: Büro Jahn / BM

Wenn es nach der AG City geht stehen die Uhren für Handel und Wandel in der City West nicht mehr nur auf fünf vor zwölf. „Wir sind überrascht, wie schnell sich einige Entwicklungen vollziehen“, sagt AG-City-Vorstandsmitglied Gottfried Kupsch. Man müsse schnell reagieren, um Arbeitsplätze zu erhalten und Steuerausfälle zu vermeiden, lautet das Credo der Händlervereinigung mit ihren 518 Mitgliedern in der westlichen Innenstadt. Vor allem der Online-Handel habe die City West „mit voller Wucht getroffen“, sagt Kupsch. Auch Grünen-Baustadtrat Oliver Schruoffeneger räumt ein: „Entweder wir machen da jetzt mit, oder wir lassen uns überrollen. Wir müssen uns überlegen, wie man es schafft, den Wandel zu gestalten, bevor er die Kieze kaputtmacht.“ Gerade in der City West gelte es, die gewachsenen Strukturen von Leben und Arbeiten zu erhalten.

Mitmachen sollen Bezirk und Land vor allem bei der verkehrlichen Umgestaltung des Hardenbergplatzes und diversen Hochhausplänen, die in engeren und weiteren Kreisen rund um die Gedächtniskirche entstehen sollen - und zwar schnell. "Wir müssen den Menschen mehr Qualität bieten", sagt Kupsch. Er glaubt, dass sich in den nächsten Jahren die Läden weg von Einkaufsflächen eher hin in Richtung Ausstellungs- und Erlebnisflächen, auch mit mehr gastronomischen Angeboten verwandelten. "Wir müssen auf die Gefühle der Menschen reagieren", meint Kupsch. Diue Hochhäuser würden, da ist sich Kupsch sicher, die City West attraktiver machen.

Christoph Langhof, der bereits das Upper West entworfen hat, für sein Hochhaus am Hardenbergplatz nördlich des Bahnhofs Zoo. Seine Argumente: Nachverdichtung auf bereits genutzten Grundstücken spare Flächen und Hochhäuser böten nicht nur einen tollen Ausblick, sondern seien auch Orientierungspunkte in der Landschaft. Er sieht die Gedächtniskirche als Mittelpunkt einer Arena, um die sich in Ringen Hochhäuser gruppieren.

Öffentlicher Platz am Fuß eines 250 Meter hohen Turms

Helmut Jahn (Neues Kranzler Eck und Sony Center mit Bahntower am Potsdamer Platz), will im Auftrag der Familie Pepper, der auch das 1965 fertiggestellte Europa Center gehört, statt des Parkhauses einen eleganten, aber 250 Meter hohen Turm an die Nürnberger Straße bauen. Zum Vergleich: Die Hochhäuser am Rand des Breitscheidplatzes, Upper West und Zoofenster, messen je 119 Meter. Als Ausgleich für die Höhe will Jahn der Stadt einen öffentlichen Platz zurückgeben, der um seinen Turm herum entstehen, und das Gebäude mit Durchwegung und Infrastruktur des Europa Centers verknüpfen soll. "Wir Architekten sind uns der Verantwortung für die Stadt bewusst", sagt Jahn. "Unsere Architektur macht das Leben besser", ist er sich sicher. Viele Hochhäuser, auch in anderen Städten, seien oft erst auf großen Widerstand gestoßen, jetzt aber zu Wahrzeichen geworden. Jahn räumt allerdings ein, dass der Stadt ein zentraler Hochhausplan fehle. "Senatsbaudirektor Hans Stimman war ein Glücksfall für Berlin. Der fehlt jetzt", so Jahn.

Der Bezirk wird indes nicht so schnell die Wünsche der Architekten und Investoren erfüllen. Die Hochhäuser dürften nicht als Einzelprojekte gesehen werden, sondern es stellten sich viele Fragen nach der Verzahnung mit Infrastrukturprojekten, moniert beispielsweise der SPD-Verordnete Wilfgang Tillinger. Doch auch anderen Bezirkspolitikern fehlt der vom Senat versprochene Masterplan. Ungeklärt seien auch Forderungen nach der Schaffung von Wohnraum, so die Kritik.

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