Charlottenburg

Das Bikini-Haus hat eine neue Mitarbeiterin: Gisela

Seit Mittwoch gibt es im Bikini Berlin die erste Roboter-Verkäuferin Deutschlands. Bald soll Gisela auch sprechen können: berlinerisch.

Noch geht sie ihrer kniffligen Arbeit stumm nach, aber in einem halben Jahr soll Gisela auch sprechen können.

Noch geht sie ihrer kniffligen Arbeit stumm nach, aber in einem halben Jahr soll Gisela auch sprechen können.

Foto: Carolin Brühl

Gisela ist eine waschechte Berlinerin. Sie stammt aus Wedding, wo Matthias Krinke mit seinem Unternehmen "pi4_robotics" seit rund 25 Jahren Roboter baut. Dass Gisela ein Mädchen ist, erkenne man an den Armen, sagt Krinke, "Sie sind nur 85 Zentimeter lang, die ihrer männlichen Kollegen sind länger", erklärt er.

Gisela ist eine Zeitarbeiterin und baut seit Mittwoch in ihrem Glaskiosk im Erdgeschoss des Biklni-Hauses elf Stunden am Tag - ohne Pause - 21 Zentimeter hohe 3D-Spielzeug-Roboter zusammen. Der Kunde löst Giselas Fertigungsprozess mit dem Bezahlvorgang aus. Bezahlt werden kann noch ganz altmodisch mit Bargeld oder in Kürze auch mit EC- oder Kreditkarten. Sechs Euro sind an dem Terminal neben dem gläsernen Kiosk zu entrichten, dann beginnt Gisela mit ihrer Arbeit. Es dauert etwa sechs Minuten, bis der Roboter die Komponenten aus robuster Pappe herausgelöst und Stück für Stück akribisch zusammengesteckt hat. Dann schiebt Gisela das Spielzeug in einen Ausgangsschacht, aus dem es entnommen werden kann.

"Der erste humanoide Verkaufsroboter Deutschlands ist eine Innovation im stationären Handel", sagt Antje Leinemann, die Geschäftsführerin von Bikini Berlin. "Gisela gibt uns einen ersten Vorgeschmack, was im Handel zukünftig möglich ist", meint sie. Sie sei gespannt, wie die Kunden darauf reagieren würden.

Papp-Roboter sollen nämlich nicht alles sein, was Gisela in ihrem kleinen Geschäft künftig fertigt oder anbietet. Zukünftig soll auch Kleidung in ihrem Sortiment erhältlich sein. "Vorstellbar ist auch, dass der Roboter auch Kaffee ausschenkt", sagt Krinke und zeigt ein Foto von einem Kollegen Giselas, DJ Rob, der bei einer Schiffstaufe in Hamburg für musikalische Unterhaltung gesorgt hat. Sprechen kann die neue Verkaufskraft noch nicht. "Wir arbeiten aber daran", sagt Krinke. Wenn Gisela schon sprechen würde, solle es natürlich auch berlinerisch sein.

Gisela hat schon in einem "Tatort" mitgespielt

Ihren Namen verdankt Gisela Matthias Krinke. "Wir wollten keinen technisch klingenden Namen. Unsere Gisela ist praktisch veranlagt und kann gut mit Geld umgehen. Sie trägt gern rot und hat immer ein Lächeln im Gesicht. Das hat mich an meine Mutter erinnert, die eben Gisela hieß und sich sicher sehr über ihr Patenkind freuen würde", sagt er. Gisela hatte übrigens auch schon ihre erste Filmrolle im Berliner Tatort "Tiere der Großstadt", der im Juni ausgestrahlt werden soll. Gisela soll sogar zum Kreis der Hauptverdächtigen zählen, sagt Krinke, will aber sonst nichts mehr verraten.

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