Charlottenburg

Eine Institution in der City West: Das "Palace" wird 50

Foto: Carolin Brühl

Das Luxus-Hotel an der Budapester Straße ist untrennbar mit der Geschichte der City West verknüpft. Angestellte erinnern sich

Es geht ruhig und gediegen zu, wenn man die Halle des Hotels "Palace" an der Budapester Straße betritt. Gäste sitzen in tiefen Sesseln, unterhalten sich oder telefonieren. Der Page Cedric Kengo öffnet die Eingangstüren oder schiebt lautlos Gepäckstücke in einem Wagen in Richtung der Aufzüge.

An der Rezeption steht Kay Mischke und begrüßt die Gäste mit genau dem Lächeln, das man vom Chefconcierge eines solchen Hotels erwartet. Ein bisschen so, als ob man schon immer dazugehört, und man sich jetzt fallen lassen kann, weil er ab sofort alle Beschwernisse des Alltags übernimmt. Mischke hat 1985 im Palast Hotel Berlin selbst als Page begonnen und steht nach einigen Stationen in anderen Hotels nun schon seit 1999 im grauen Cut an der Rezeption des "Palace". Sein Traumberuf, sagt er. Die US-Fernseh-Serie "Hotel", die im fiktiven Luxus-Hotel St. Gregory in San Francisco spielt, hat ihn als Kind inspiriert, diesen Beruf ergreifen zu wollen.

"Das will ich auch machen"

"Meine Eltern haben sich immer gefragt, was macht der Junge da vor dieser Serie? Aber ich habe mir damals schon gedacht: ,Das willst du auch machen'. So bin ich in der Hotellerie gelandet." Im "Palace" hat Mischke sein "St. Gregory" gefunden. "Wir haben hier sehr viele Stammgäste, die teilweise schon über so viele Jahre zu uns zu Besuch kommen, dass ich nun schon wieder deren Kinder als erwachsene Gäste erlebe. Ich kann mit meiner Arbeit eine solche Verbundenheit schaffen. Das macht mir Freude." Das Besondere am "Palace" ist für den Mischke, der 2015 Concierge des Jahres wurde, aber auch, dass es ein privat geführtes Hotel ist. "Die Wege sind einfach kürzer als in Ketten-Hotels, wenn man eine neue Idee oder ein Problem hat, wird das schneller umgesetzt oder gelöst."

In privaten Händen war das "Palace" von Anfang an. „Mit dem Bau des Hotel "Palace" und dem angrenzenden Europa-Center erfüllte sich mein Großvater seinen eigenen amerikanischen Traum im Herzen Berlins. Seine Reisen in die USA inspirierten ihn und trieben ihn an seine Vision zu realisieren und die City West mit neuem Glanz zu erfüllen", sagt Patrick Pepper, der Enkel des 2003 verstorbenen Berliner Bauherrn und Investors Karl Heinz Pepper. Für Pepper war das Hotel aber auch eine Art politisches Statement. 1965, als er das Europa Center und drei Jahre später das "Palace" eröffnete, stand das Barometer für Investoren in West-Berlin nicht auf Sonne. Viele Firmen hatten nach dem Bau der Mauer und den bedrohlichen Szenarien des Kalten Kriegs Vermögen und Produktion in den Westen Deutschlands verlagert. Zu nebulös schien die politische Zukunft der geteilten Stadt.

Europa Center und "Palace" als Zeichen der Zuversicht

Pepper baute auf einer Brache, auf der sich vor dem zweiten Weltkrieg das Romanische Haus befand. Bei einem Bombenangriff 1943 wurde das Haus zerstört. Nach dem Ende des Krieges wurden die Ruinen beseitigt und die Fläche lediglich eingeebnet. Fast zwei Jahrzehnte lang wurde das Grundstück nur provisorisch genutzt. "Es war ihm besonders wichtig ein Zeichen der Zuversicht und Hoffnung in seiner Heimatstadt zu setzen", erinnert sich Patrick Pepper. Die Geschichte hat Karl Heinz Pepper recht gegeben. Die Mauer ist gefallen, das Europa Center steht noch heute und auch das Hotel "Palace" kann sich seit 50 Jahren behaupten.

Mit 188 Zimmern und 264 Betten eröffnete das "Palace" am 28. Mai 1968. Das Hotel hatte Fest- und Bankettsäle, Restaurants und eine Cocktailbar. Einer der fast von Anfang an dabei war und auch heute noch immer wieder an seiner alten Wirkungsstätte nach dem Rechten sieht, ist Karl-Heinz Rockstroh. Schon 1972 begann er als "Chef de Partie" und wollte eigentlich nur eineinhalb Jahre bleiben, um dann auf einem Schiff zu arbeiten. Doch dann lernte er seine Frau kennen, die im "Palace" als Sommelierin arbeitete und blieb bis zur Rente 42 Jahre als Küchen- und Bankettchef im Haus.

Er erinnert sich an Veranstaltungen wie der Eröffnung des neuen ARD-Hauptstadtstudios 1999 in Berlin, wo er 3500 bis 4000 Personen mit seinem Team vom "Palace" aus "gecatert" hat. "Ich habe auch viele Museen und Theater in der Stadt durchs Catering kennengelernt. Da wäre ich ja sonst vielleicht nie hingekommen", sagt er. Im "Palace" ist er geblieben, weil "es hier all die Jahre so ein richtig familiäres Gefühl" gab. "Die Küche stand wie eine Eins. Wir waren eine Macht für uns", sagt er und grinst verschmitzt. Die guten Beziehungen sind ihm geblieben. Auch mit den Sterneköchen des ehemaligen "Palace"-Restaurants "Forst Floor" Rolf Schmidt war er gut befreundet, mit dessen Nachfolger Matthias Buchholz trifft er sich immer noch regelmäßig "auf einen kleinen Umtrunk".

Stillstand gab es nie im "Palace". Das Innenleben wurden den jeweiligen Moden angepasst, renoviert und auf den neusten technischen Stand gebracht. 1988 wurde das Hotel erweitert. Nach dem Umbau waren im neuen Westflügel 102 weitere Zimmer entstanden. 1993 wurden auf die bestehenden sechs Etagen des Haupthauses drei weitere aufgestockt. In der obersten Etage entstanden die luxuriösesten Suiten des Hauses, wie die Royal Suite mit stattlichen 240 Quadratmetern.

1998 wurden in der ersten Etage Salons für Meetings und Events ergänzt. Beliebt war das Hotel bei Staatsgästen und Prominenten. Glanzvolle Events erlebte das Haus vor allem während der Berlinale, bevor das Filmfestival an den Potsdamer Platz zog. Dann wohnten Stars wie Meryl Streep in der Präsidentensuite, Emma Thomsen zog mit einem Goldenen Bären ein oder Danny de Vito und Julia Roberts gaben in den Salons Pressekonferenzen.

Die Möglichkeit viel eigene Kreativität einbringen zu können

Chef des Hauses ist seit 2010 Michael Frenzel, der vor dieser Position schon seit 2001 in anderen Funktionen im "Palace" tätig war und Erfahrungen in anderen renommierten Hotels der Stadt wie dem "Intercontinental" oder dem "Schweizerhof" gesammelt hat. "Ich habe sozusagen einmal alle Hotel entlang der Budapester Straße abgeklappert", sagt Frenzel und lacht. Für das "Palace" hat er sich nach seinen Stationen in Kettenhotels bewusst entschieden: "Ich wollte in ein privat geführtes Haus, wo die Eigner noch Berliner sind. Ich fand es spannend, herauszufinden, wie ein Hotel funktioniert, das nicht den Anschluss an einen große Kette hat." Er fand es heraus. "In einem Familienbetrieb muss man alles selbst organisieren, es kommt nichts aus irgendeinem irgendwo in der Welt angesiedelten Headquater." Die Möglichkeiten, die ihm der direkte Kontakt mit dem Eigentümer bot, sich mit viel eigener Kreativität einbringen zu können und die Ideen seines Teams schnell und spontan umsetzen können, faszinierten ihn. In den 17 Jahren seiner Tätigkeit im "Palace" habe sich das Haus immer wieder neu erfunden und sich damit auch den neuen Anforderungen des Berliner Hotelmarktes angepasst.

So wurde 2002 dann, wie es sich für ein Hotel dieser Kategorie inzwischen gehört, ein Ein 800 Quadratmeter großes Spa eröffnet. Der wird auch gern von den Fußballern von Hertha BSC genutzt, die vor ihren Heimspielen im "Palace" übernachten und sich im Wellness-Bereich fit fürs Olympiastadion machen lassen. 2004 wurde dann der Veranstaltungsbereich auf 2400 Quadratmeter erweitert und damit ein Ballsaal mit fünf Metern Deckenhöhe und 16 Räumen für Events bis zu 1000 Personen geschaffen, der auch für Hochzeiten gern genutzt wird.

Abschiede und Neuerungen

Doch es gab auch Abschiede: Das einstige Sterne-Restaurant "First Floor" im Hotel schloss Ende 2015. "Das Leben verändert sich, und wir haben uns mit diesem Schritt auf die Nachfrage am Markt eingestellt", begründete Frenzel den Schritt, das Spitzenrestaurant nicht mehr zu öffnen seinerzeit. In der Lobby Lounge und in der Bar werden allerdings weiterhin Speisen angeboten. Auch der Catering- und der Room Service blieben erhalten. Einen eher unfreiwilligen Abschied gab es im letzten Sommer vom "House of Gin", einer gemütlichen Bar im Erdgeschoss des Hotels, die sich unter der Leitung von Bar Manager Sebastian Jaroljmek auf Gin spezialisiert hatte. Das Unwetter mit Starkregen im Sommer 2017 überflutete die Bar und zerstörte Mobiliar und Interieur.

Doch das "Palace"-Team schaut in die Zukunft. Nachdem 2017 alle Zimmer und Suiten des Haupthauses renoviert worden sind, soll es mit dem "beef 45" bald ein neues Restaurant im "Palace" geben. Das "House of Gin" rückt aus seiner eher versteckten Lage im Innern des Hauses sozusagen auf den Präsentier-Teller und soll das Hotel nach außen zur Budapester Straße hin öffnen. Keine Zeit also, sich einfach zurückzulehnen und sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Die Konkurrenz im Bereich der Spitzen-Hotellerie ist auch in der City West gewachsen. Eines bleibt dem "Palace" aber gegenüber seinen Mitbewerbern, ein Team, das die Erfahrung vieler Jahre mit sich bringt und die Familie, die hinter im steht: "Heute - nach 50 Jahren - bin ich sehr stolz, dass das Hotel bereits in der dritten Generation weitergeführt wird und nach wie vor ein beliebter Anlaufpunkt für internationale Geschäfts- und Städtereisende ist", sagt Patrick Pepper.

Information

Zum Jubiläum bietet das Hotel für Berliner und Berlin-Besucher spezielle Geburtstags-Arrangements an.